Schotten geizen nicht bei Röcken

FRAUENFELD. Frauenfeld steht kurz vor der fünften Jahreszeit. Nächsten Donnerstag übernehmen die Narren die Stadt. Mitveranstalter der Fasnacht ist auch die Guggemusig Rungglä-Süüder – mit neuen «Gwändli» und «Grinde».

Mathias Frei
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Frauenfeld TG - Die Guggemusig Rungglä-Süüder hat eine neue "Verkeidung" Bild: Nana do Carmo / TZ 31.01.2015 (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Frauenfeld TG - Die Guggemusig Rungglä-Süüder hat eine neue "Verkeidung" Bild: Nana do Carmo / TZ 31.01.2015 (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Die Schotten sind los in der Kantonshauptstadt. Was aber weniger zu tun hat mit dem zustande gekommenen Budget-Referendum in Frauenfeld als mit der fünften Jahreszeit. Die aktuell 33köpfige Guggemusig Rungglä-Süüder ist nämlich mit nigelnagelneuen «Gwändli» und «Grinde» unterwegs, in Frauenfeld zuletzt am Bechtelistag. «Gfürchig» sahen sie aus, als sie durch die Altstadtgassen zogen, mit den farbig entrückten Masken und in ihren Schottenröcken, die musikalischen Highlander vom Clan des «Mäk Sugarbyyt», wie ihr Motto seit dieser Fasnachtssaison heisst. Das englische «sugar beet» heisst so viel wie Zuckerrübe, womit sich der Kreis für die Rungglä-Süüder aus der Zuckerfabrik-Stadt wieder schliesst.

Anders als bei anderen

«Das Thema Schottland sieht man an der Fasnacht immer wieder. Aber oft muss man sagen: Zum Glück seid ihr als Schotten angeschrieben, sonst würde man euch nicht erkennen», sagt Dave Fankhauser. Er war bei der Gründung der Rungglä-Süüder 1992 mit von der Partie, hat 1997 als musikalischer Leiter angefangen und übt dieses Amt mit Unterbrüchen schon seit 16 Jahren aus.

Bei den «Gwändli» hat er ebenso hohe Ansprüche wie im Musikalischen. «Es muss anders sein als bei den anderen, besser», sagt er. Das kostet eine Stange Geld. Fankhauser rechnet im Schnitt für 40 Personen mit rund 18 000 Franken, «wenn man etwas Rechtes haben will». In früheren Jahren, etwa beim Samurai-Motto, seien die Kosten auch schon höher gewesen. Dabei gilt bei den Rungglä-Süüder die Devise: Das erste «Gwändli» inklusive «Grind», also etwa 300 bis 400 Franken, zahlt man als Neumitglied aus dem eigenen Sack. Danach werden diese Ausgaben durch den Weiterverkauf der Kostüme und Masken refinanziert.

Die komplette vorletzte Montur zum Thema «1914» konnten die Rungglä-Süüder ins aargauische Rheinfelden verkaufen, wo die Kostüme nun von einer Guggenmusik weiterverwendet werden. Im Schnitt die Hälfte der Kosten würden solche Weiterverkäufe lösen, sagt Fankhauser. Die Barock-Kostüme der vergangenen zwei Fasnachtssaisons liegen aber noch im Probelokal in der Kleinen Allmend. «Deshalb haben wir beschlossen, <Mäk Sugarbyyt> voraussichtlich drei Jahren treu zu bleiben», sagt Fankhauser. Für die Süüder aber kommt es nicht in Frage, «Gwändli» zu kaufen, «solange ich dabei bin, ist das ein No-Go», sagt Fankhauser. Wenn auch nebst dem finanziellen Aspekt der Zeit- und Arbeitsaufwand gross ist.

Nähen als Herausforderung

Stoffe und Masken werden vom Verein eingekauft, die Stoffe zudem der Kleidergrösse entsprechend zugeschnitten. Nähen muss jeder selber. Vor allem für die männlichen Guggenmusiker stellt das eine Herausforderung dar. Fankhauser etwa gibt sein «Gwändli» auswärts. Bei den einen ist es die Ehefrau oder Freundin, die hilft, bei den anderen die Mutter. Man helfe sich auch im Verein aus, wenn Not am Mann sei, sagt Fankhauser. Individuell kann ein jedes Guggenmusik-Mitglied noch über Accessoires wie Fell-Behang oder Ähnliches verfügen. Die Rohlinge der «Grinde» lassen sich die Rungglä-Süüder aus einem silikonähnlichen Material fertigen. Die Airbrush-Bemalung übernimmt sodann Fankhauser. Am Schluss werden noch Klettverschlüsse angebracht und die Mundöffnungen den Instrumenten angepasst. Das sind laut Fankhauser schon fünf bis sechs Stunden Arbeit pro Rohling.

Musik, die Spass macht

Nebst dem Visuellen muss aber natürlich auch das Musikalische stimmen. Die Rungglä-Süüder beginnen deshalb jeweils nach den Sommerferien mit Proben, zwei Stunden pro Woche. In der Fasnacht warten dann jeweils 15 bis 20 Auftrittstage bis Mitte, Ende März. Die Süüder unterscheiden sich natürlich von normalen Blasmusikorchestern, auch wenn die Stücke mittlerweile achtstimmig gespielt werden. «Perfekt ist es nicht. Den Klang und den Drive bringen wir aber so rüber, dass es den Zuhörern und uns Spass macht», meint Fankhauser lachend.

Heute von 10 bis 17 Uhr stimmen sich die Frauenfelder Fasnachtsvereine vor dem Schlosspark ein, mit Kinderschminken, Festwirtschaft und Rungglä-Süüder-Platzkonzerten (13 und 15 Uhr).

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