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«Schönes reden statt schönreden»

Thurgauer können neu ihre Alltagsfreuden der Meldestelle für Glücksmomente der Perspektive Thurgau schicken. Mark Riklin, Erfinder der Meldestelle, sagt: «Glück zu haben allein reicht nicht, man muss es auch noch merken.»
Katrin Zürcher
Mark Riklin macht mit der Meldestelle für Glücksmomente die positiven Alltagsgeschehen öffentlich. (Bild: pd)

Mark Riklin macht mit der Meldestelle für Glücksmomente die positiven Alltagsgeschehen öffentlich. (Bild: pd)

Herr Riklin, sind Sie ein glücklicher Mensch?

Mark Riklin: Glücklichsein ist kein Dauerzustand. Glück und Unglück bedingen sich gegenseitig wie Licht und Schatten. So bin ich immer wieder mal glücklich, dazwischen kenne ich verschiedenste Schattierungen von Stimmungen.

Sie haben 2003 in St. Gallen die erste Meldestelle für Glücksmomente gegründet und leiten sie seither. Wie kam es dazu?

Riklin: In meiner Arbeit als Journalist, Pädagoge und Soziologe habe ich festgestellt, dass der Grundsatz «Only bad news are news» nicht nur für die Medien, sondern für unsere oft defizitorientierte Gesellschaft als Ganzes gilt. Statt dies zu beklagen und damit ins gleiche Muster zu verfallen, wollte ich einen Ort lancieren, der positive Nachrichten sammelt, wertschätzt und öffentlich macht.

Welche Glücksmomente der mehreren tausend, die Ihnen in den vergangenen elf Jahren gemeldet wurden, haben Sie besonders beeindruckt?

Riklin: In Zusammenarbeit mit Pro Infirmis machte ich vor einem Jahr eine Sammlung von Glücksmomenten bei Menschen mit Beeinträchtigungen. Einige Beispiele der festgehaltenen Glücksmomente: «Als sich mein Tumor um drei Millimeter verkleinerte. Wenn ich die Wäsche machen kann und dabei einen Lohn erhalte. Wenn ich mit meinem Pfeil und Bogen die Welt um mich herum vergesse.»

Welches war heute Ihr schönster Glücksmoment?

Riklin: Der Stolz meiner Tochter Amira, die diese Woche im Kindergarten Wetterchefin sein darf. Oder die Vorfreude meiner Tochter Malena auf ihren morgigen Geburtstag. Und die meine, an diesem Tag einen freien Tag einziehen und mitfeiern zu können.

Die Meldestelle für Glücksmomente wird auch in Deutschland, Österreich und Holland kopiert. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

Riklin: Ressourcen- und lösungsorientierte Ansätze scheinen dem Zeitgeist zu entsprechen. So ist beispielsweise in Wien eine «Mutmacherei» entstanden, die Zuversicht für den Wandel schafft. Meine Philosophie ist das Lob der Kleinheit; Veränderungen beginnen oftmals im Kleinen.

Bringt Ihnen Ihre Idee Geld ein?

Riklin: Nein, die Meldestelle ist unverkäuflich. Wenn sie jemand kopieren will, ist dies unter bestimmten Bedingungen erwünscht. Im Fall der Perspektive Thurgau hat das bestens geklappt, ich bin zufrieden mit der neuen Meldestelle.

Was bringt es, Glücksmomente zu melden?

Riklin: Die Meldestelle trägt auf spielerische Art dazu bei, das Bewusstsein für Geschichten des Gelingens zu schärfen. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig geübt Menschen sind, das kleine Glück am Wegrand ihres Lebens zu erkennen und wertzuschätzen. Glück haben allein reicht nicht, man muss es auch noch merken.

Wie reagieren die Leute auf Ihre Meldestelle?

Riklin: Mehrmals war die Meldestelle auf Bahnhöfen zu Gast, unter anderem in Romanshorn. Reisende reagieren häufig mit Schmunzeln oder wohlwollendem Kopfschütteln, also mit einer Mischung aus Sympathiebekundung und Irritation. Aus meiner Sicht ist das wunderbar, sind doch Fragen oft das Vorzimmer der Erkenntnis.

Philosoph Arthur Schopenhauer sagte: «Die Welt ist meine Vorstellung.» Wird die Welt besser, wenn Menschen statt Unglück vermehrt Glück wahrnehmen?

Riklin: Ein Stück weit haben wir die Welt, die wir uns denken und selber konstruieren. Wenn wir auch dort Wasser giessen, wo etwas funktioniert, kann es weiterwachsen. Was auf keinen Fall heissen soll, Probleme zu negieren: Statt schönreden will die Meldestelle für Glücksmomente vom Schönen reden.

www.meldestellefuergluecks momente-tg.ch

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