Schnyder. Wahlsieger der Herzen.

Mit Turban gwünnsch au kei Wahle.» Sabine Schnyder analysierte die Wahlresultate vom vergangenen Sonntag treffsicher. Die Schwester des parteilosen Kantonsrats Arnold Schnyder hatte erkannt, dass die Frauen auch im Thurgau gut vertreten waren. «Vor allem uf dä hindere Plätz».

Urs Brüschweiler
Merken
Drucken
Teilen
Arnold Schnyder steigt auf – vom «parteilosen Kantonsrat» zum «parteilosen Nationalrat». (Bild: Reto Martin)

Arnold Schnyder steigt auf – vom «parteilosen Kantonsrat» zum «parteilosen Nationalrat». (Bild: Reto Martin)

Mit Turban gwünnsch au kei Wahle.» Sabine Schnyder analysierte die Wahlresultate vom vergangenen Sonntag treffsicher. Die Schwester des parteilosen Kantonsrats Arnold Schnyder hatte erkannt, dass die Frauen auch im Thurgau gut vertreten waren. «Vor allem uf dä hindere Plätz». Verzückt begrüsste sie im Theaterhaus in Weinfelden den frisch gewählten Nationalrat Hermann Hess. «Dörf i Hermann säge, gell? Ich bin d' Sabine.» Das Charisma des FDP-Doyen – er war wie gewohnt in feinen Zwirn gehüllt, mit Pochette und in roter Hose – betörte die holde Dame. Sie stehe eben auf ältere Semester, gab sie verlegen zu. Hess habe den gleichen Jahrgang wie Kaspar Schläpfer. «Aber äs git äbe sotigi, wo no besser zwäg sind. Dä Herr Schläpfer isch halt vom lange Regiere scho chli abgnutzt.»

Das «Ergötzliches spezial» zu den eidgenössischen Wahlen war schon lange ausverkauft. Wenige Tage nach der nationalen Entscheidung rekapitulierte Thomas Götz noch einmal in allen Farben, Formen und Figuren die Geschehnisse und streute Salz in die Wunden.

Fahrgemeinschaft nach Bern

Noldi Schnyder, Kantonsrat mit Überbiss, Karo-Jacket und zu kurzer Krawatte, empfingen die Gäste mit Lobgesang. «Hoch soll er leben», denn auch seine fiktive Kampagne war erfolgreich. Ungebremst fährt er nun mit seiner Vespa nach Bern und bot Hermann Hess gleich eine Fahrgemeinschaft an. Übernachten werden sie bei Tante Olga in Bümpliz für je 30 Franken pro Nacht. 180 Franken Spesen erhält Schnyder pro Tag dafür, wie er auf Nachfrage von Ständerat Roland Eberle erfuhr. Wie viel es noch fürs Essen gibt, wusste jener auf Anhieb aber nicht so genau. «So viel hani no gar nie verdient», meinte Schnyder und freute sich diebisch. «Und am Obig gömer denn chli i d Stadt.» Was denn das Wichtigste sei in Bern, wollte Schnyder von Eberle und Hess wissen. Beide hatten keine schlagfertige Antwort parat. «Jo, bruuchts mi denn überhaupt», echauffierte sich der parteilose Neu-Nationalrat. Auch dort möchte Arnold Schnyder seinem politischen Erfolgsrezept treu bleiben. «Im Kantonsrat standi immer denn uf, wenn d' Mehrheit ufstoht. So hani no nie ä Abstimmig verlore.» In Bern, wo per Knopfdruck abgestimmt wird, muss er sich jedoch erst noch eine andere Strategie ausdenken.

Grossartig fand das Publikum Dani Felix' Filmbeitrag über Arnold Schnyder im Kantonalen Wahlzentrum. Er liess sich vom politischen Who-is-Who des Thurgaus zur Wahl gratulieren und nahm viele Komplimente für seinen Satire-Wahlkampf «das kleinere Übel» entgegen.

Es war die Haut der Zwiebel

Im anschliessenden Interview mit Thomas Götz verriet Herrmann Hess allerlei Persönliches. Er klärte etwa über die sich seit Sonntag aufdrängende Frage auf, weshalb er seinen Abfalleimer putzte, als er die Nachricht seiner Wahl erhielt. «Es sind so Zwiebel-Schelfere drin gläge.» Er sei sowieso ein guter Hausmann, verriet der reale FDP-Nationalrat aus Amriswil. Er könne fast alles ausser Stillen. In Bern nützt ihm das jedoch wenig. Dort vertraut er auf Schnyder als seinen politischen Götti. «Dä hät ä guäts Gspüri.»