«Schlepper agieren unter dem Deckmantel des Tierschutzes»

Nachgefragt

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Für den Import von Tieren bestehen unzählige Vorschriften, die ziemlich kompliziert seien, sagt Kantonstierarzt Paul Witzig. Sie sind unterschiedlich, je nachdem ob ein Tier innerhalb der EU die Grenze wechselt, oder aus einem Drittland (Nicht-EU/Schengen) stammt.

Oft werden Hunde aus Tierheimen in Drittländern importiert.

Damit löst man ein Tierhaltungsproblem in diesen Ländern nicht, aber geht ein grosses Risiko ein, mit der Haltung des Tieres bei uns Probleme zu haben.

Was ist falsch daran, den Tieren hier ein besseres Leben zu ermöglichen?

Es geht nicht in erster Linie um die Frage, ob das einzelne Tier hier ein besseres Leben hat. Es werden damit sehr häufig Organisationen unterstützt, die im Stil von Schleppern mit rein finanziellen Absichten handeln, und das unter dem Deckmantel des Tierschutzes.

Muss die Kontrolle der Papiere für den Hund an der EU-Aussengrenze geschehen?

Das müsste so sein, und wenn es korrekt stattgefunden hat, ist das auf den Papieren ersichtlich. Dann kann das Tier die Grenzen innerhalb des EU/Schengen- Raums ohne Probleme passieren. Vor allem aus südlichen und östlichen Ländern schleusen die Schlepper aber die Hunde an den Behörden vorbei in die EU. Auf der Strasse scheint dies ein Leichtes zu sein.

Und hier liegt das Problem.

Genau. Wenn Personen aus der Schweiz solche Tiere zum Beispiel in Deutschland auf einer Autobahnraststätte kaufen, über die Grenze in die Schweiz bringen und dabei kontrolliert werden, können sie nicht nachweisen, dass das Tier auf legalem Weg aus dem Drittland nach Deutschland gelangt ist. Das Einfuhr-prozedere, das eigentlich an der EU- Aussengrenze hätte stattfinden müssen, findet dann eben in der Schweiz statt. Und das natürlich auf Kosten des Schweizer Importeurs.

Einen Hund in Deutschland zu erwerben, der aus einem Drittland stammt, ist also problematisch?

Davon rate ich entschieden ab, sowieso wenn er direkt vom Transportfahrzeug auf einer Autobahnraststätte angeboten wird. Wer sich einen Hund so beschaffen will, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit in Schwierigkeiten gelangen. Ein solches Verhalten kann höchstens mit finanziellen Überlegungen erklärt werden. Das Risiko ist gross, einen Hund mit vorschriftswidrigen Papieren, einer Krankheit, einer Verhaltensstörung oder ungenügender Sozialisierung zu erhalten. Das kann dann weitere Probleme und Kosten verursachen. (don)