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SCHLATTINGEN/PYEONGCHANG: «Wie ein grosses Pfadilager»

Bobfahrer Fabio Badraun hielt an den Olympischen Spielen in Südkorea die Thurgauer Farben hoch. Eigentlich war er vor anderthalb Jahren zurückgetreten. Nun ging für ihn ein Bubentraum in Erfüllung.
Mathias Frei
Bob Schweiz 1 von Pilot Clemens Bracher am zweiten Wettkampftag in Pyeongchang mit Bremser Fabio Badraun (hinten Mitte). (Bild: key)

Bob Schweiz 1 von Pilot Clemens Bracher am zweiten Wettkampftag in Pyeongchang mit Bremser Fabio Badraun (hinten Mitte). (Bild: key)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Eine fast schon wundersame Geschichte: «Ich ziehe mich hiermit aus dem Leistungssport zurück», gab Fabio Badraun im Sommer 2016 bekannt. Doch dann öffnete sich eine Tür. Und der Schlattinger sah einen Traum zum Greifen nah: eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen.

Anschieben, etwas mehr als 49 Sekunden Fahrt, am Schluss bremsen: Dafür hat der 30-Jährige die vergangenen zwei Monate gelebt. Badraun war nebst Eishockeyspieler Fabrice Herzog der einzige Thurgauer Olympionike an den kürzlich zu Ende gegangenen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang. Im Viererbob Schweiz 2 von Clemens Bracher war er hinterster Mann, also Bremser.

Für den Wettkampf Tagwache um 6 Uhr

In den Nächten von Freitag auf Samstag sowie von Samstag auf Sonntag konnte das Schweizer Fernsehpublikum die vier Bobläufe mit Thurgauer Beteiligung mitverfolgen. Drei Minuten, 17 Sekunden, 91 Hundertstel: Das war die Schlusszeit von Schweiz 2. Es resultierte der 14. Rang. «Die Top20 waren unser Ziel. Im Optimalfall rechneten wir uns Chancen aus, unter die 15 Besten zu kommen», sagt Badraun, der dem Bobclub Frauenfeld angehört. Insofern sei er sehr zufrieden mit der Rangierung. Badrauns Pilot Bracher gehörte im olympischen Zweierbob zum erweiterten Favoritenkreis. Der Wettbewerb missglückte ihm aber. So war in der Viererkonkurrenz nichts mehr zu verlieren. «Wir konnten ohne Druck fahren», sagt Badraun. Die Zeitverschiebung zwischen Südkorea und der Schweiz beträgt acht Stunden. So begannen die Läufe am Freitag- und Samstagvormittag um 9.30 Uhr Ortszeit. «Das bedeutete für uns Tagwache um 6 Uhr morgens», sagt Fabio Badraun.

Seit Montagabend hat Badraun wieder Schweizer Boden unter den Füssen. Zwei Wochen zuvor, am 13. Februar, hatte die Reise nach Südkorea ihren Anfang genommen. Und es lief zu Beginn nicht alles optimal. Von Seoul ins olympische Dorf dauerte die Busfahrt ganze vier Stunden. Und Badraun hatte in den ersten Tagen Probleme mit der Verdauung. Morgens konnte er kaum essen. «Mir ging es elend.» Mit 104 Kilogramm war er abgereist. Vor den zwei Wettkampftagen kam er nur noch auf 100 Kilo.

Mit der Verdauung spielte es sich zum Glück bald wieder ein. Mit Ausnahme des Essens bekam er aber herzlich wenig von Südkorea mit. Die Athleten hatten zwar die Wahl zwischen vier verschiedenen Buffets. Aber für jede Mahlzeit galt es aufgrund des Hin- und Rückwegs, etwa anderthalb einzurechnen. Zudem standen täglich rund fünf Stunden Training an, sei es im Bob, Kraft- oder Ausdauertraining. Und dann die Unterkunft! «In meiner ganzen sportlichen Laufbahn hatte ich noch nie ein so kleines Zimmer», sagt Badraun. Zu zweit auf zwölf Quadratmetern, Durchgang zum Badezimmer, auf dem Balkon Platz für die Taschen. Aber eigentlich habe ihn das nicht gross gestört. Denn ein Jugendtraum war für ihn in Erfüllung gegangen «Seit ich 15 bin, hatte ich das Ziel, an den Olympischen Spielen teilzunehmen», sagt er. Das olympische Dorf sei ihm vorgekommen wie ein grosses Pfadilager, einfach für 4000 Personen, umzäunt und mit Personenkontrollen an den Eingängen. Das Bobteam Schweiz 2 war im siebten Stock des «Schweizer» Hauses einquartiert.

Was ihm bleiben wird, sind die Begegnungen im olympischen Dorf. «Einmal stand plötzlich Lindsey Vonn neben mir.» Man sei auf Sportler getroffen, die man bisher nur aus dem Fernsehen kannte. Und sie seien einem auf Augenhöhe begegnet, weil alle zusammen Teil dieser Olympischen Spiele gewesen seien. Von den guten Schweizer Resultaten bekam Badraun über den Aushang im Eingangsbereich der Unterkunft mit. Einen Fernseher gab es nur in der Lounge der Unterkunft. Für den Besuch anderer Wettbewerbe blieb keine Zeit, obwohl er freien Eintritt zu allen Freiluft-Wettbewerben gehabt hätte. Und als seine Eltern ihn in Südkorea besuchten, bekam er seinen Vater gerade mal eine Minute zu Gesicht.

Ein idealistischer Bauleiter

Für seinen Traum hat Badraun zwei Monate unbezahlten Urlaub genommen. Im nicht-olympischen Leben hat er eine 40-Stunden-Woche als Bauleiter bei einem Zürcher Architekturbüro und macht derzeit an drei Abenden pro Woche eine Weiterbildung. Clemens Bracher habe ihm von Anfang an bekundet, dass er ihn nicht bezahlen konnte. Badraun war genug Idealist, dass er für Spesen, Kost und Logis zusagte. Es sollte sich lohnen. Nach einer nationalen Ausscheidung kurz vor Weihnachten, am 23. Dezember, stand fest, dass Badraun nach Südkorea fliegen sollte.

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