SCHLATTINGEN: Hansjörg Grob vermutet Sabotage

Mehrmals hat ölhaltiges Wasser aus dem Schlattinger Geothermie-Bohrloch Gewässer verschmutzt. Nach dem jüngsten Vorfall lässt der Gemüsebaubetrieb Grob die Leitung spülen. Für Hansjörg Grob steckt Sabotage dahinter.

Stefan Hilzinger
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Hansjörg und Stefan Grob beim Bohrloch SLA2. Der Zugangsschacht ist mit Metallbügel und Vorhängeschloss gesichert. (Bild: Reto Martin)

Hansjörg und Stefan Grob beim Bohrloch SLA2. Der Zugangsschacht ist mit Metallbügel und Vorhängeschloss gesichert. (Bild: Reto Martin)

SCHLATTINGEN. Drei Tage, irgendwann um Ostern 2015. Bei Bohrloch SLA2 in Schlattingen war gerade die Bohrmaschine ausgebaut worden. Die Wasserpumpe stand bereit, um eingebaut zu werden. «In diesen drei Tagen muss jemand mutwillig Dieselöl ins Bohrloch geschüttet haben», sagte Hansjörg Grob, Gemüsebauer und Geothermie-Pionier, gestern vor den Medien.

Diesen Verdacht hat Grob nicht erst seit dem Sonntag vor zwei Wochen, als mit Öl verunreinigtes Thermalwasser den Rhein verschmutzte (unsere Zeitung berichtete). Grob hat wegen seiner Vermutung schon im vergangenen Mai Anzeige erstattet, als aus der Geothermie-Anlage ölverschmutztes Wasser in den Geisslibach gelangte.

Mit Schloss gesichert

Die beiden Bohrlöcher liegen seit dem Einbau der Wasserpumpen unter einem Betondeckel. Der Einstieg über einen Schacht ist mit Metallbügel und Vorhängeschloss gesichert. Ausser an den erwähnten drei Tagen hatte laut Grob niemand Unbefugter Zugang zum Schacht und dem Bohrloch.

Aus dem Stahlrohr mit 20 Zentimetern Durchmesser pumpt Grob eigentlich gut 60grädiges Wassers, um die Gewächshäuser zu heizen. Zwei Jahre soll der Langzeitversuch dauern, um letztlich eine Konzession für die Geothermie-Anlage zu erhalten (siehe Kasten).

Pumpen ruhen, bis Fall geklärt

Seit der neuerlichen Gewässerverschmutzung am 21. Februar ruhen die Pumpen, bis die Ursache für die Verunreinigung gefunden ist. Das hat das Thurgauer Amt für Umwelt verfügt. «Wir heizen die Gewächshäuser derzeit mit Erdgas, was gar nicht in unserem Sinne ist», sagt Juniorchef Stefan Grob. Seit gestern sind Fachleute daran, die 800 Meter lange Leitung zum Rhein zu putzen. Drei Schächte mussten erstellt werden, weil die Leitung nicht von einem Ort her gespült werden kann. In einem der Schächte lässt Hansjörg Grob nun eine automatische Klappe einbauen. Die Leitung in den Rhein dient dazu, das abgekühlte Thermalwasser abzuleiten. «Wir hatten die Auflage, die Leitung ohne Schächte zu bauen, gerade eben um Sabotage zu verhindern», sagt Grob. Der Schlattinger Gemüsebau-Unternehmer ist überzeugt, dass jemand bewusst Schaden anrichten wollte. «Ob gegen die Familie Grob oder gegen das Geothermie-Projekt, weiss ich nicht.» Einen konkreten Verdacht hat er nicht, doch es müsse jemand mit Ortskenntnissen gewesen sein. «Für uns ist und bleibt Geothermie die Energiequelle der Zukunft», gibt er sich kämpferisch.

Eine halbe Million Schaden

Im vergangenen Mai sei auf dem Betrieb eine Verunreinigung mit Dieselöl festgestellt worden. In der Folge war der Geisslibach verschmutzt worden. Damals hat Grob auch die Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Stefan Haffter, der Sprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft, bestätigt die Anzeige. «Die Urheberschaft ist weiterhin unbekannt. Die Ermittlungen laufen», sagt Haffter.

«Der Vorfall im vergangenen Mai hat uns Kosten von rund einer halben Million Franken verursacht», sagt Grob. «Steuerung, Pumpe und Filter waren wegen des Öls im Eimer und mussten ersetzt werden.» Ausserdem mussten Bohrloch und Leitung gereinigt werden. Rund 16 000 Liter Spülwasser seien dabei angefallen, wovon rund 500 Liter ölhaltiger Schlamm. Grob vermutet nun, dass es noch letzte Ölrückstände gegeben habe, die beim neuerlichen Pumpen in den Rhein gelangt seien.