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Schlattingen: 24 Stunden bohren

SCHLATTINGEN. Gemüsebauer Grob will seine Gewächshäuser mit warmem Wasser aus der Tiefe heizen. Deshalb steht seit Dezember neben seinem Betrieb in Schlattingen ein grosser Bohrturm. Eine Besichtigung des Bohrgeländes.
Gudrun Enders
Driller Alexander Sesler in seiner Kabine: Hier überwacht und steuert er die Bohrung. Der Bohrturm ragt im Hintergrund auf. (Bilder: Donato Caspari)

Driller Alexander Sesler in seiner Kabine: Hier überwacht und steuert er die Bohrung. Der Bohrturm ragt im Hintergrund auf. (Bilder: Donato Caspari)

Albert Lenz sitzt im Bürocontainer. Der Bohrmeister telefoniert, sieht dabei aus dem Fenster und überblickt die Bohrstelle. So stellt man sich die Stimmung auf einer Ölplattform vor. Die 3,5 Millionen teure Erkundungsbohrung nach Thermalwasser in Schlattingen führt die Firma Daldrup & Söhne AG aus Westfalen aus.

Gebohrt wird Tag und Nacht. Fünf Männer arbeiten von morgens 7 Uhr bis abends 19 Uhr, ebenso viele schieben Nachtschicht. Ein Spülungsingenieur ergänzt das Team.

Zudem sind tagsüber Bohrmeister Lenz und ein Elektriker vor Ort. 725 Meter tief frass sich der Meisel schon durchs Gestein. Dann wurde gestoppt. Die Männer zementierten Rohre ins Bohrloch und montierten eine Absperrvorrichtung, der sogenannte Blow-out-Preventer.

Bohrkerne für die Nagra

Auf dem Bohrplatz beginnt gerade eine neue Phase: Jetzt soll das Gestein in Form von Bohrkernen mit zehn Zentimetern Durchmesser zu Tage gefördert werden.

An den Gesteinsschichten ist die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) interessiert und hat sich deshalb mit fast einer Millionen Franken an der Bohrung beteiligt. Die Männer ziehen also ab dieser Woche alle fünf Meter einen Bohrkern fein säuberlich nach oben.

Schon vor Ort werden die Gesteinsschichten von Geologen beschrieben und analysiert. Auch Bernd Frieg von der Nagra ist gerade in Schlattingen eingetroffen. Als Gesamtprojektleiter schaut er mehrmals in der Woche nach dem Rechten.

«Die Bohrkerne kommen ins Nagra Kernlager, wenn sie nicht für Laborversuche gebraucht werden», sagt er. Für diese Versuche konsultiert die Nagra mitunter sogar Experten in Japan.

Herr der Bohranlage

Herr über die Bohranlage ist der Driller. Er heisst Alexander Sesler, steht in seiner Kabine und fährt gerade den Kraftdrehkopf aus, damit er später mit seinen Kollegen das neue Bohrgestänge anschrauben kann.

Wird gebohrt, darf der Driller seine Kabine nicht verlassen. In den nächsten Wochen könnten sie theoretisch auf Gas stossen. Sesler kennt die typischen Anzeichen dafür: «Dann bohren wir schneller, und gleichzeitig nimmt das Gewicht auf den Meisel ab.» In dem Fall wird er stoppen, den Bohrer hochziehen und die Pumpe ausstellen. Tritt trotzdem Flüssigkeit aus dem Bohrloch, drückt Gas. Für solche Fälle wurde die Absperrvorrichtung eingebaut. «Dann mache ich den Blow-out-Preventer am Bohrloch zu», sagt Sesler.

Später wird das Gas entweder abgefackelt oder mit einer schweren Spülung aus dem Bohrloch verdrängt. «Das nennen wir tot pumpen.» Die Bohrlochspülung ist nicht nur bei Gasaustritt wichtig. Diese Spülung stabilisiert das Bohrloch und wird in einem geschlossenen Kreislauf geführt. Vor Ort schäumt und blubbert sie als hellbraune Brühe in riesigen Behältern, die mit begehbaren Rosten abgedeckt sind.

Seit nun Bohrkerne gezogen werden, braucht es eine neue Spülung. Sie enthält langkettige Moleküle, die sich wie ein Schutzfilm um den Bohrkern legen. Spülungsingenieur Jesco Hoffmann zieht zweimal pro Schicht eine Probe. Nach einem Dutzend Messungen entscheidet er, ob zum Beispiel mehr Chemikalien zugegeben werden müssen. Gerade hat er herausgefunden, dass die Spülung mehr Gewicht braucht.

Deshalb leert ein paar Meter entfernt Bohrarbeiter René Schmücker säckeweise Kreide in die blubbernde hellbraune Brühe.

Bis zum Ziel ist es noch weit

Mitten auf dem Platz bereiten Mitarbeiter das Kernrohr vor. Die Längen stimmen nicht. Bohrmeister Lenz inspiziert das Problem und gibt Anweisung, welche Teile zu verkürzen sind. Dann unterhält er sich mit Projektleiter Frieg, der möglichst intakte Bohrkerne für die Nagra braucht.

Das Thermalwasser ist noch kein Thema. Das Ziel liegt noch Wochen entfernt.

Für Interessierte: Tag der offenen Bohrstelle am Samstag, 30. April, ab 10 Uhr

Spülungsingenieur Jesco Hoffmann zieht eine Probe.

Spülungsingenieur Jesco Hoffmann zieht eine Probe.

Bohrmeister Albert Lenz (r.) überprüft das Bohrrohr.

Bohrmeister Albert Lenz (r.) überprüft das Bohrrohr.

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