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SCHLATT: Wespenfreund lässt keinen im Stich

David Hablützel ist leidenschaftlicher Imker und Umsiedler von Wespen und Hornissen. An seiner Arbeit liebt er die Überraschungen und Bienenstiche. Letztere braucht er wie ein Raucher seine Zigarette.
Désirée Wenger
David Hablützel entfernt mit Vorsicht ein kleines Wespennest von einem Rollladenkasten. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

David Hablützel entfernt mit Vorsicht ein kleines Wespennest von einem Rollladenkasten. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Désirée Wenger

desiree.wenger@thurgauerzeitung.ch

«Lieber sind mir zehn Bienenstiche, als ein Mückenstich», sagt David Hablützel und kratzt sich am Arm, wo der Blutsauger ihn erwischt hat. Der gelernte Informatiker aus Schlatt ist «Vater» von 120000 Bienen, die in vier Völkern leben. Seine Viechli, wie er sie liebevoll nennt, liegen ihm sehr am Herzen. Nebst dem Imkern siedelt Hablützel Bienen, Wespen und Hornissen um. Dabei entstehen auch eindrückliche Fotografien der gelb-schwarzen Insekten.

Es ist 16 Uhr, Hablützel steht bei einem Kunden auf der Matte. Er soll ein Wespennest entfernen. Der «Wespenberater», wie es auf Hablützel’s T-Shirt heisst, stellt mit einem einzigen Blick fest, dass es sich um Feldwespen handelt. «Das sind ganz liebe, friedliche Tierli. Die könnten Sie auch gut hierlassen, die tun nichts.» Weil der Kunde aber Kleinkinder hat, möchte er, dass Hablützel das Nest entfernt.

Wespen und Hornissen sind die Polizisten

Hablützel zieht sich Schutzhandschuhe an, holt einen Eimer und eine Heissleimpistole. Er stülpt sich seinen weissen Imkerschutz über und löst das Nest mit einem Spachtel aus dem Rollladenkasten ab. Einen Klecks Heissleim auf den Eimerdeckel, um das Nest zu befestigen, Deckel drauf und fertig. «Bei anderen Unterarten als der Feldwespe betäube ich die Viechli und sauge sie mit dem Staubsauger in den Eimer ein, weil es sonst zu gefährlich ist», sagt Hablützel. Er müsse schnell arbeiten, da die Betäubung nur eine halbe Minute andauere. Mit den Wespen im Kofferraum geht es in den Wald, mindestens zehn Kilometer von der früheren Umgebung der Tiere entfernt. Dort hängt Hablützel den Eimer an einen Strauch. Durch ein Loch im Mantel des Eimers, das zuvor mit Klebeband zugeklebt war, können die Wespen rein- und rausfliegen. «Weil es Feldwespen sind, werden sie das Nest wahrscheinlich nicht weiter bauen. Deshalb ist eine Umsiedlung in diesem Fall auch fast unmöglich.» Aber sie würden nun bis es kalt wird ihrer Rolle als «Polizisten» nachgehen können. «Wespen und Hornissen fressen Schädlinge, das ist wichtig für die Nahrungskette und ein funktionierendes Ökosystem.» Daher sind Umsiedlungen ökologischer als die Schädlingsbekämpfung. Hablützel liebt seine Arbeit, weil er jeden Tag Überraschungen erlebt. «Ich siedelte Hornissen um, die einen Kamin zugebaut haben, das war sehr spannend.»

Allerdings gibt es nicht nur schöne Überraschungen. Vor zwei Wochen war Hablützel bei einer älteren Dame im Einsatz, die ein Wespennest in vier Meter Höhe in ihrem Garten hatte. Als sie die Feuerwehr um Hilfe bat, riet diese, sie solle das Nest mit einem Spray zerstören. «Das ist eine Sauerei», sagt Hablützel. «Die Feuerwehr ist hier, um zu helfen. Die können ja nicht im Ernst von einer 80-Jährigen erwarten, sich in eine solche Gefahr zu begeben.» Hablützel lässt aber niemanden im Stich und war sofort zur Stelle. Er arbeitet momentan an einem Crowdfunding-Projekt, um sich noch besser für seine Einsätze auszurüsten. Als Dank für die Unterstützung bekommt der Spender je nach Betrag eine Fotografie oder ein Glas Honig. Sogar Pate über ein Bienenvolk kann man werden. «Ich hoffe auf die Hilfe von Tierfreunden und freue mich, wenn die Tierli umgesiedelt statt vergiftet werden.»

Bei seinen Kontrollgängen nach den Umsiedlungen wird ­Hablützel oft gestochen, allerdings nicht mehr wöchentlich. Nachdem er einmal auf der Intensivstation landete, weil er von einer Hornisse in die Nase gestochen wurde, ist er vorsichtiger. «Vorsicht ist gut, Angst nicht. Diese möchte ich den Menschen auch nehmen. Aber ich brauche immer mal wieder einen Stich», sagt Hablützel. «So wie ein Raucher seine Zigi braucht.»

Weitere Infos im Internet unter: www.umsiedlungen.ch, www.hornissenberater.com

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