SCHLATT: Im Paradies der Nagetiere

Im Kanton Thurgau tummeln sich derzeit rund 500 Biber. Die Familie im Naturschutzgebiet Chollerwies erhielt interessierten Besuch.

Ernst Hunkeler
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Zoologie-Studentin Kathrin Wittgen und eine kleine Assistentin zeigen Tafeln mit den Fussabdrücken von Bibern in die Runde. (Bild: Ernst Hunkeler)

Zoologie-Studentin Kathrin Wittgen und eine kleine Assistentin zeigen Tafeln mit den Fussabdrücken von Bibern in die Runde. (Bild: Ernst Hunkeler)

Südlich der Kantonsstrasse durch Schlatt-Paradies erstreckt sich das Naturschutzgebiet Chollerwies von Pro Natura Thurgau. Darin begaben sich Ende vergangene Woche vier Kinder und fünf Erwachsene im Gefolge der angehenden Kreuzlinger Zoologin Kathrin Wittgen auf Spurensuche, um mehr über die Biber zu erfahren. Die Begehrtheit des Biberfells, des Fleisches und des als Bibergeil bekannten Markierungssekrets, das bei der Parfumherstellung verwendet wurde, bedeuteten für den Biber in unseren Breiten die Ausrottung. Bis in den 1950er-Jahren Biber aus Norwegen importiert und etwa in Bottighofen, am Nussbaumer- und am Hüttwilersee ausgesetzt wurden. Sie entwickelten sich prächtig, sodass inzwischen im Thurgau wieder rund 500 Tiere leben.

Der vegetarische Biber liebt Baumrinde und Blätter

Vier davon in eben jenem Revier, das die Biberfans durchstreiften. Sie stiessen dabei etwa auf die typischen Schlipfe, welche die Tiere für ihre Landgänge benutzen. Dabei entfernen sie sich nie weit vom Gewässer, denn zu Fuss sind sie nur recht plump unterwegs. So finden sich denn die vom Biber gefällten Bäume, vorzugsweise Weiden oder Pappeln, stets am Ufer. Die Rinde bedeutet dem Vegetarier Nahrung, wobei im Sommer natürlich auch die Blätter nicht verachtet werden. Die aus Ästen und Stämmen im Bach gebauten Burgen können ein Gewässer völlig dicht machen. Um dies zu verhindern, haben die Leute von Pro Natura aus einer Röhre an der beliebtesten Biberbaustelle im Petribach eine Vorrichtung installiert, die einen Rückstau verhindert. Dort, wo ein Auenwald entstehen soll, akzeptiert man die Burgen und lässt damit den Biber mitgestalten.

Ernst Hunkeler

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch