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«Schlanke, galante und rassige Männer»

«Ich erinnere mich noch gut», sagt Frieda Horber-Osterwalder. «Es war im Juni 1942, als die ersten Polen nach Matzingen kamen. Ich war an diesem Nachmittag in der Nähschule und sah sie aus dem Frauenfelder-Bähnli steigen. Extra für sie hatte die Armee Militärbaracken auf Pfählen errichtet. Dort wohnten sie. Die Bauern aus der Umgebung konnten sich melden, wenn sie Arbeitskräfte benötigten. Wir hatten Bedarf. Der erste Pole auf unserem Hof hiess Stanislaus Waldzak. Er sprach nur polnisch, was natürlich die Verständigung sehr schwierig machte. Stanislaw Luzniak, unser zweiter Pole, stammte von der deutsch-polnischen Grenze. Er beherrschte unsere Sprache recht gut und wollte unbedingt die Bekanntschaft mit einer Schweizer Frau zwecks späterer Heirat machen. Besonders hatte er es auf meine Schwester abgesehen. Als sie seinen Avancen aber nicht entgegenkam, drohte er uns mit Schlimmem, und wir begannen ihn zu fürchten. Nachdem mein Vater reklamiert hatte, verlegte man ihn dann in die Innerschweiz. Aber auch nach dem Krieg schickte er meiner Schwester mehrere Heiratsanträge.»

«Die polnischen Soldaten hausten in Baracken, während die Offiziere und Unteroffiziere in Privathaushalten Unterkunft fanden», berichtet Trudi Mohn- Lenggenhager.«Platz war damals Mangelware, man musste zusammenrücken – auch bei uns! Nach dem Einzug eines Internierten blieb für meinen Bruder nur noch die Abstellkammer. Zuerst gab es in der Barackensiedlung keine Waschmöglichkeiten. Die Schmutzwäsche der Polen wurde an die Haushalte verteilt. Die Polen waren schlanke, galante und rassige Männer. Viele Schweizer reagierten eifersüchtig, wenn die Fremden uns schöne Augen machten.»

«Unsere Familie betrieb zu der Zeit einen landwirtschaftlichen Konsum», erzählt Berta Gamper-Sprenger.«Die Anlieferung der Ware erfolgte in 50-Kilo-Säcken. Die Arbeit von uns Kindern bestand darin, die Ware abzuwägen und in kleinen Portionen in Papiersäcke abzufüllen. Zudem mussten wir Rationierungsmarken aufkleben. Es waren Internierte, die uns bei dieser Tätigkeit kräftig unterstützten. Andere Polen, die deutsch konnten, fanden Anstellungen in Büros oder in Produktionsbetrieben. Immer wieder kam es vor, dass weibliche Angestellte dem Werben der charmanten polnischen Männer nachgaben. Die Folgen waren absehbar: Neun Monate später kamen Kinder zu Welt.»

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