Schildkröten im Hüttwilersee

Im Thurgau kommen Schildkröten in freier Wildbahn vor. Der Verein Swiss Emys stellt Zuchttiere für die Auswilderung zur Verfügung. Die wichtigste Voraussetzung für die Tiere sind gute Brutplätze.

Rahel Haag
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Europäische Sumpfschildkröten gibt es auch im Thurgau. (Bild: pd/ Hans Peter Schaffner)

Europäische Sumpfschildkröten gibt es auch im Thurgau. (Bild: pd/ Hans Peter Schaffner)

Anfang August zog sich ein Bub im schwäbischen Ort Irsee beim Baden im Oggenrieder Weiher eine blutende Fussverletzung zu. Experten meinten, es könnte sich dabei um einen Biss einer Alligator-Schildkröte handeln. Die Folge: Rund zwei Monate wurde nach dem bissigen Tier namens Lotti gesucht – ohne Erfolg. Medien aus dem In- und Ausland berichteten regelmässig über den Fall.

Doch nicht ausgestorben

Auch in Thurgauer Weihern gibt es Schildkröten. Anders als bei Lotti handelt es sich hier um einheimische Unterart der Europäischen Sumpfschildkröte. Lange galten die Tiere als ausgestorben, bis sie im Jahr 2005 auf der roten Liste als «vom Aussterben bedroht» eingestuft wurden. Am 1. Januar 2012 wurde der Verein Swiss Emys gegründet. Ziel des Vereins ist die Zucht und Wiederansiedlung der Tiere. «Wir wildern die Tiere nicht selber aus, sondern stellen sie offiziellen kantonalen Projekten zur Verfügung», sagt Hans Peter Schaffner, Präsident von Swiss Emys. Im Thurgau kommen die Tiere um den Hüttwilersee und in der Nähe von Siegershausen vor. Für eine überlebensfähige Population brauche es aber gute Brutplätze. «Die Schildkröten vergraben ihre Eier zehn bis zwölf Zentimeter in der Erde», sagt Schaffner. Ideal seien daher nach Süden geneigte Hänge mit einer spärlichen Vegetation. «Die Sonne muss bis zum Boden durchdringen und diesen erwärmen.» Die ideale Temperatur für die Eier liege bei rund 30 Grad.

Gefahr der Verdrängung

Swiss Emys will ausschliesslich zur Verbreitung der einheimischen Unterart der Europäischen Sumpfschildkröte beitragen. Deshalb betont Schaffner: «Das Aussetzen von Schildkröten ist absolut verboten.» Viele dieser Tiere hätten keinerlei Überlebenschancen. «Andererseits wollen wir verhindern, dass fremde Arten die einheimische verdrängen.»