Schiefe Bilder, Wackelstühle

Noch ist der Bär (Kaspar Schläpfer) nicht erlegt (bzw. zurückgetreten), da streiten Walter Schönholzer und Stefan Haffter bereits um sein Fell. Diesen Satz würde jeder Stilpapst einer Journalistenschule gnadenlos zerpflücken.

David Angst
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Noch ist der Bär (Kaspar Schläpfer) nicht erlegt (bzw. zurückgetreten), da streiten Walter Schönholzer und Stefan Haffter bereits um sein Fell. Diesen Satz würde jeder Stilpapst einer Journalistenschule gnadenlos zerpflücken. «Schiefes Sprachbild», würde er sagen, «die Politiker leben ja nicht im Wald – auch wenn einer von ihnen Schönholzer heisst.»

Der politischen Jargon ist durchwuchert von unpassenden Metaphern, auch Stilblüten genannt. Da gibt es Urgesteine, Schlachtrösser, Schuldenberge und Versuchsballone. Die normalen Leser stören sich daran weniger als die Stilpäpste.

Wenn in diesen Tagen im Zusammenhang mit Politikern von Schwergewichten und Wackelsitzen die Rede ist, so ist bis jetzt immer klar gewesen, dass das Metaphern sind. Niemand hat dabei je an einen schweren Mann gedacht, der auf einem wackligen Sessel sitzt. Bis uns letzten Sonntag die Meldung erreichte, unser Ständerat Roland Eberle sei am Filmfestival von Locarno vom Stuhl gefallen. Wenn nun aber Klemenz Somm glaubt, das sei für ihn ein gutes Omen, wird er sich wohl täuschen.

Beim missglückten Referendum über die Pendlerabzüge würde der Journalist am liebsten von einem Rohrkrepierer schreiben. Aber auch das würde ihm wieder durchgestrichen, weil der Begriff aus dem Kriegsvokabular kommt.

Ersatzweise bedient er sich im Sport. Wäre die Politik ein Fussballmatch, so hätte SVP-Kantonsrat Vico Zahnd gegen Finanzminister Jakob Stark einen Penalty verschossen. Zahnd ist immerhin Captain des FC Grosser Rat, und Stark ehemaliger Hobbykicker des FC Kradolf-Schönenberg.

Doch der Vergleich mit dem Penalty hinkt eben auch wieder. Zwar gab es ein Hands im Strafraum – als der Regierungsrat den Pendlerabzug kürzte. Aber einen Penalty bzw. eine Volksabstimmung gibt es nun eben nicht. Denn die Unterschriftensammlung fiel genau in die Zeit, in der die Pendler in den Ferien waren. Sprich: Der Stürmer Zahnd ist in eine Offsidefalle gelaufen, die er selber gestellt hat.

david.angst@thurgauerzeitung.ch