Scheitingen trägt es aus der Kurve

STECKBORN. Der Gestaltungsplan Scheitingen ist gescheitert. Das Thurgauer Departement für Bau und Umwelt hat den Plan nicht genehmigt. Der Steckborner Stadtrat will das Projekt ein zweites Mal überarbeiten.

Gudrun Enders
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Scheitinger Kurve: Sieben solcher moderner Wohnblocks sollen auf der anderen Seite der Frauenfelder Strasse entstehen. (Bild: Archiv/Reto Martin)

Scheitinger Kurve: Sieben solcher moderner Wohnblocks sollen auf der anderen Seite der Frauenfelder Strasse entstehen. (Bild: Archiv/Reto Martin)

«Das Projekt funktioniert so nicht. Es muss von Grund auf überarbeitet werden.» Das sagt ein Anwohner. Die Bewohner um das Quartier Scheitingen hatten sich vor mehr als zwei Jahren in der Interessengruppe (IG) Scheitingen organisiert. «Die IG ist mit dem Entscheid des Kantons zufrieden.» Ins Detail will der Anwohner aber nicht gehen: «Die IG wird ihren Standpunkt sicher noch offiziell kommunizieren.»

Der Stadtrat hat das schon getan und nimmt die Ablehnung des Kantons zur Kenntnis. Auf einen Weiterzug ans Verwaltungsgericht wollen die Stadträte verzichten. «Es ist nach wie vor das Ziel, möglichst rasch eine genehmigungsfähige Planung vorzulegen», schreibt der Stadtrat weiter. Deshalb werde der Gestaltungsplan Scheitingen überarbeitet und wieder öffentlich aufgelegt.

Ein Sturm der Entrüstung

Dabei war das schon der zweite Anlauf. Denn als die Stadt Steckborn im Sommer 2012 erstmals den Gestaltungsplan Scheitingen auflegte, brauste ein Sturm der Entrüstung durchs Städtchen. Die Anwohner organisierten sich in der IG Scheitingen. 34 Einsprachen gingen ein, 371 Steckborner unterschrieben eine Petition gegen die geplante Überbauung. Danach legte die Stadt eine zweite Version auf mit zehn Prozent weniger Nutzung und weniger hohen Blocks.

Auch gegen den überarbeiteten Gestaltungsplan gab es Einsprachen. Nun fiel der Plan sogar beim Kanton durch. Dabei stört sich der Kanton nicht prinzipiell an der geplanten Überbauung mit sieben Wohnblocks. «Dies kann gleichwohl akzeptiert werden, zumal im näheren Umfeld keine historische, erhaltenswerte Struktur vorhanden ist», heisst es im Bescheid. Die Argumentation erfolgt auf dem Hintergrund, dass Steckborn sowohl ein Ortsbild von nationaler Bedeutung hat. Zudem liegt das Städtchen in einer Landschaft von nationaler Bedeutung.

Nach Ansicht des Kantons ist der Ausbau der Scheitingerstrasse nicht ausreichend geregelt. Zudem sollen die Feinerschliessung und die öffentliche Fusswegverbindung verbindlich festgelegt werden. Auch was Lärmschutz und den Begriff der halboffenen Bauweise angeht, sieht der Kanton Klärungsbedarf. Zudem wird ein detailliertes Bepflanzungskonzept gefordert.

Dieser Grad an detailgenauer Planung sprengt nach Ansicht des Steckborner Stadtrates den Rahmen eines Gestaltungsplanes. «Beispielsweise ist es auf dieser Planungsebene schlicht unsinnig, ein Bepflanzungskonzept im Gestaltungsplan festzulegen, das bereits die Lage, Höhe und Art der Bepflanzung rechtsverbindlich festlegt», schreibt der Stadtrat. Trotzdem wolle man auf eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht verzichten.

Keine Befangenheit festgestellt

Im kantonalen Entscheid stecken auch Erfolge für die Stadträte. Der Vorwurf der Befangenheit etwa sollte vom Tisch sein. Den hatten Projektgegner geäussert. Denn eine Person der Erbengemeinschaft, die das Scheitinger Projekt realisieren will, besitzt zusätzlich eine Parzelle, auf der der Steckborner Sportplatz realisiert werden könnte.

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