Scheidungen im Wandel der Zeit

FRAUENFELD. Die wachsende Thurgauer Bevölkerung heiratet gemäss Statistiken öfters als in vergangenen Jahren und lässt sich seltener scheiden. Experten bestätigen diese Tendenzen nicht vollumfänglich und relativieren.

Stefan Etter
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Der Ring besiegelt die Ehe, doch nicht alle Paare haben ihn ein Leben lang am Ringfinger. Die Scheidungszahlen scheinen derzeit rückläufig zu sein. (Bild: Fotolia)

Der Ring besiegelt die Ehe, doch nicht alle Paare haben ihn ein Leben lang am Ringfinger. Die Scheidungszahlen scheinen derzeit rückläufig zu sein. (Bild: Fotolia)

FRAUENFELD. Führen die Thurgauerinnen und Thurgauer heute glücklichere Ehen als früher? Ein Blick auf die Statistiken zu den Heirats- und Scheidungszahlen bestätigt zumindest diese Vermutung.

In den frühen 90er-Jahren wurden im Thurgau jährlich über 1300 Ehen geschlossen. Diese Zahl sank in der Folge auf rund 1000. Doch seit 2005 steigt sie wieder an und übertrifft 2012 wieder die 1300-Marke. Die provisorischen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS) von 2013 liegen bei ungefähr 1200.

Diese Entwicklung erscheint nachvollziehbar, da die Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau seit 2007 ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum feststellt. Doch die Scheidungszahlen sanken gemäss der Dienststelle für Statistik 2010 von über 650 auf unter 500 im Jahr 2012. Die provisorischen Zahlen des BfS von 2013 bestätigen diesen Trend.

Heiratstrend nicht bestätigt

Doch: «Eine Tendenz von steigenden Eheschliessungen kann ich in unserem Bezirk nicht bestätigen», sagt Franz Kronenberg, Leiter Zivilstandsamt des Bezirks Kreuzlingen. Ähnliches sagt auch Doris Sigg, Leiterin des Zivilstandsamt des Bezirks Frauenfeld. «Die Zahlen pendeln seit Jahren auf etwa demselben Niveau». Giacun Valaulta, Chef des Kantonalen Amts für Handelsregister und Zivilstandswesen: «Es gab keine grossen Unterschiede in den letzten Jahren, sonst hätten wir aufgrund Personalmangels reagieren müssen.»

Und wie sieht es mit den Scheidungen aus? Bis jetzt lägen laut Giovanni Schramm, Rechtsanwalt und Leitender Obergerichtsschreiber, für 2013 nur provisorischen Zahlen vor, aber: «Die Scheidungszahlen des Kantons scheinen rückläufig zu sein.» Definitiv sei dies nicht, relativiert er. «Wir müssen die endgültigen Zahlen abwarten.» Es könne aber sein, dass Scheidungen öfters einvernehmlich und online statt über aufwendige Klageverfahren geregelt würden (siehe Kasten).

Einvernehmliche Scheidung

Das bestätigt auch Rechtsanwalt Roger Groner von «Online-scheiden.ch. «Wir haben eine jährliche Zunahme von 15 bis 20 Prozent.» Sie würden jedoch vorwiegend unkomplizierte Fälle behandeln, die beispielsweise nicht im Zusammenhang mit einer Grundstücksaufteilung stünden. Auch Rechtsanwältin Susanne Vertese von Einfache-scheidung.ch verzeichnet vermehrte Anfragen von Ehepaaren, die sich auf friedlichem Wege einigen und ein Scheidungsbegehren einreichen.

Paare suchen früher Hilfe

Ellen Primas bietet seit zehn Jahren in Tägerwilen und Frauenfeld Einzel-, Paar- und Familientherapien an. Generell bestätigt sie einen steigenden Zulauf junger Paare mit Beziehungsproblemen. «Die Menschen sind offener als früher, als beispielsweise Eheprobleme noch tabuisierter waren und man sich weniger getraut hat, darüber zu sprechen.» Sie stelle fest, dass die Leute generell früher professionelle Hilfe suchen, «um Schlimmeres zu verhindern». Dass deshalb aber weniger Ehen geschieden würden, könne sie aber nicht bestätigen.