Schaulustige stören Feuerwehr

STECKBORN. Wer den Betroffenen und den Steckbornern nach dem Grossbrand etwas Gutes tun will, der reist an den Feiertagen nicht als Schaulustiger ins Städtchen. «Lieber die Zeitung lesen», sagt Stadtpräsident Roger Forrer.

Gudrun Enders
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Schaulustige sammelten sich gestern an der Seestrasse und verfolgten die Abbrucharbeiten an den Brandruinen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Schaulustige sammelten sich gestern an der Seestrasse und verfolgten die Abbrucharbeiten an den Brandruinen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Gestern nacht loderten wieder Flammen in der Altstadt von Steckborn auf. Immer noch schwelt es in den Brandruinen. «Momentan wird das zweite Stockwerk der Drogerie Brunnschweiler abgebrochen, dann gibt es keine Glutnester mehr», sagt Reto Fischer, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Steckborn. Er vermutet, dass im zweiten Stock dieses Eckhauses das Feuer ausbrach. Das sage aber nichts über die Ursache aus.

Die Ermittlungen zum Brandherd und zur -ursache dauern noch einige Zeit an. Die Kantonspolizei Thurgau hatte insgesamt sechs Ermittler vor Ort, darunter auch Mitarbeiter des kriminaltechnischen Dienstes. Nun würden Bewohner und Anwohner befragt, sagt Daniel Metzler, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Er hatte auch Neuigkeiten zu den drei leicht Verletzten, die in der Brandnacht geborgen werden mussten: «Sie konnten schon am Montag das Spital verlassen.»

Fahrlässige Gaffer

Mindestens ein Dutzend Feuerwehrleute halten in Steckborn weiterhin Brandwache. Die Schichten dauern sechs Stunden. «Hoffentlich können wir das aufrechterhalten», sagt Kommandant Fischer, der im gleichen Atemzug allen Arbeitgebern dankt, die die Feuerwehrmänner freistellten. «Die Feuerwehrleute gehen langsam auf dem Zahnfleisch», sagt denn auch Stadtpräsident Roger Forrer. Kommandant Fischer sind vor allem die Schaulustigen ein Dorn im Auge, denn sie respektierten keine Absperrungen und drängelten sich bis zu den einsturzgefährdeten Gebäuden vor. Einige Feuerwehrleute seien nur damit beschäftigt, solche Gaffer zurückzuschicken. Bislang geht Fischer davon aus, dass sie die Brandwache bis heute Mittag aufrechterhalten müssen. Er hofft sehr, mit seiner Familie Weihnachten zu feiern.

Seestrasse weiter gesperrt

Die Seestrasse bleibt laut Stadtpräsident Forrer sicher über die Weihnachtsfeiertage gesperrt. Er selbst hat lange Arbeitstage, kann aber in der Katastrophe auf seine Erfahrungen als Polizist, Statthalter und Staatsanwalt zurückgreifen. Er trifft sich auch regelmässig mit den Betroffenen, die beim Feuer alles verloren haben. Nach dem Care-Team kümmerten sich nun Pfarrer und Ärzte um diese Menschen. Sie werden auch die Geldspenden eins zu eins erhalten. Am Dienstagabend waren schon 34 000 Franken eingegangen. An dem Abend hat Forrer jedem Heimatlosen ein Couvert gegeben mit 300 Franken pro Kopf drin. Werden konkrete Sachspenden benötigt, veröffentlicht das die Stadt auf ihrer Homepage. Rös Ulmer vom «Anker» hat die Betroffenen zum Weihnachtsessen eingeladen. Mehr ist an den Feiertagen nicht geplant. «Denen ist nicht zum Feiern zumute», sagt Forrer. Er feiert ein wenig mit seiner Familie: «In Gedanken bin ich viel bei den Betroffenen.» Wer etwas Gutes tun will: Nicht als Schaulustiger nach Steckborn fahren. «Lieber die Zeitung lesen», sagt Forrer.

Leon, der Retter. (Bild: pd)

Leon, der Retter. (Bild: pd)

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