SCHÄDLINGE: Wüste Schleier und fiese Raupen

Die Gewebe der Gespinstmottenraupe sehen hässlich aus – sind aber harmlos. Grössere Gefahr geht von der Prozessionsraupe aus, die künftig vermehrt im Thurgau vorkommen könnte.

Marc Sieger
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Raphael Mäder, Dimitri Häberli, Gino Longo, Timo Tschabrun und Daniel Häberli sind Jar. (Bild: PD)

Raphael Mäder, Dimitri Häberli, Gino Longo, Timo Tschabrun und Daniel Häberli sind Jar. (Bild: PD)

Marc Sieger

redaktion@thurgauerzeitung.ch

Auf Bäumen, in Büschen oder Sträuchern: Wo mancherorts einmal grüne Blätter hingen, spannt sich ein schmutzig-graues Gewebe. Schuld daran sind die Raupen der Gespinstmotte. Vielerorts im Thurgau lassen die Insekten Pflanzen kahlgefressen und unter netzartigen Schleiern zurück. Diese bestehen aus Seide. Die Raupen produzieren die Eiweissfäden beim Fressen.

72 verschieden Arten der Gespinstmotte leben in der Schweiz, wie Insektenforscher Kurt Grimm aus Ermatingen erklärt. Die Raupen schlüpfen im Frühling in Büschen und Bäumen und lassen die Zweige in kurzer Zeit kahl zurück. In einem der spinnennetzartigen Gewebe können hunderte Larven leben. Im Juni verpuppen sich die Tiere.

Die Gespinstmotten-Raupe fühlt sich in verschiedenen Sträuchern wohl. Im Thurgau lebt sie unter anderem auf Traubenkirschen oder dem gewöhnlichen Spindelstrauch, auch als Pfaffenhütchen bekannt. Als Schädlinge gelten die Insekten jedoch nicht. «Sie sind kein Problem», sagt Daniel Brogle, Betriebsleiter Gärtnerei des Bildungs und Beratungszentrums Arenenberg. Er rät betroffenen Gärtnern, die Tiere in Frieden zu lassen. «Wenn es optisch stört, kann man die Raupen und Gespinste entfernen. Natürliche Feinde sorgen jedoch dafür, dass die Tiere nicht überhand nehmen.» Als einheimische Insekten ständen die im Thurgau bekannten Gespinstmotten im Gleichgewicht mit ihrer Umwelt. «Ich sage immer, man solle die Natur möglichst selbst machen lassen», sagt Brogle. Die in der Ostschweiz gesichteten Raupen und ihre Gespinste sind harmlos. Für Menschen oder Haustiere besteht keine Gefahr.

Verwechslungsgefahr mit giftiger Raupe

Ganz ander sieht es beim Prozessionsspinner aus. Die Raupe des bisher vorwiegend in der Südschweiz vorkommenden Falters spinnt ein Gewebe, ganz ähnlich demjenigen der harmlosen Gespinstmotte. Der Körper der Prozessionsraupe ist aber mit feinen Brennhärchen überzogen, die ein Nesselgift enthalten. Bei Hautkontakt lösen diese ein starkes Brennen und Juckreiz aus. Die Prozessionsraupe bevorzugt heisses und trockenes Klima. Mit den zunehmend heisser werdenden Sommern bestehe die Möglichkeit, dass sich die Tiere auch öfters in den Thurgau vorwagen werden, sagt Brogle. Prozessionsspinner legen ihre Eier gerne in Eichen oder Föhren. Wenn die Bäume durch einen plötzlichen Temperaturwechsel gestresst sind, steige zudem die Möglichkeit eines Schädlingsbefalls, erklärt der Gartenspezialist.

Auf keinen Fall anfassen

Bisher sind Brogle im Thurgau kaum Prozessionsspinner begegnet. Er vermutet aber, dass sich dies ändern wird. «Die Tendenz steigt.» Er habe schon Schulungen zum richtigen Umgang mit den Tieren durchgeführt.

Bei einem Verdacht auf Prozessionsraupen rät Brogle, die Insekten auf keinen Fall anzufassen, das Gebiet um den Baum oder Strauch abzusperren und die Tiere fachmännisch entfernen zu lassen. Erkennbar seien die Tiere durch die typische Behaarung. «Die schreit ja förmlich ‹fass mich nicht an.›»