SBB sind «gegen Insellösungen»

Zwischen Schaffhausen und Kreuzlingen sind viele Bahnhöfe nicht rollstuhlgängig. Das ist keine systematische Benachteiligung der Gegend, sagen die SBB. Das Konzept sei viel mehr, bei Umbauten gleich ganze Linien zu sanieren.

Caspar Hesse
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Der Bahnhof Steckborn bietet für Rollstuhlfahrer noch unüberwindbare Hindernisse beim Zugfahren. (Bild: Nana do Carmo)

Der Bahnhof Steckborn bietet für Rollstuhlfahrer noch unüberwindbare Hindernisse beim Zugfahren. (Bild: Nana do Carmo)

Von Kreuzlingen bis Romanshorn sind ausser Güttingen und teilweise Scherzingen alle Bahnhöfe rollstuhlgängig. Wenn man von Kreuzlingen westwärts fährt, sieht die Situation ganz anders aus. Die Mehrheit der Bahnhöfe in Richtung Schaffhausen sind nicht rollstuhlgängig. Das ist keine systematische Benachteiligung der Gegend an Untersee und Rhein, aber es ist auch kein Zufall.

Seit 2004 kommen bei jedem Bahnhofumbau die Bestimmungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) im Zusammenhang mit dem hindernisfreien Bauen zum Tragen, schreibt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi auf eine Anfrage der TZ. Aktuell seien rund die Hälfte aller SBB-Bahnhöfe in der Schweiz behindertenkonform umgebaut. Mehr als zwei Drittel aller Reisenden sind davon betroffen. Damit die SBB alle Bahnhöfe bis spätestens am Ende der gesetzlichen Frist 2023 behindertenkonform gestalten kann, hat sie Anfang Jahr ein entsprechendes Programm gestartet.

Ende 2014 steht der Plan

Bis Ende 2014 soll das Detailkonzept stehen. Darin wird definiert, wie und wann in den kommenden zehn Jahren die verbleibenden rund 400 Bahnhöfe umgebaut werden können. Dabei stellen die Finanzierung durch den Bund und die Fahrplanstabilität die grössten Herausforderungen dar.

Der nötige Umbau der Bahnhöfe zwischen Schaffhausen und Kreuzlingen sowie der genaue Umsetzungszeitpunkt soll innerhalb des Konzepts ebenfalls festgelegt werden. Wenn Bahnhöfe gemäss BehiG umgerüstet werden, führt die SBB, sofern möglich, die Anpassungen bei allen Bahnhöfen auf der Linie aus, da «Insellösungen» – also der Umbau nur einzelner Bahnhöfe auf einer Strecke – für Behinderte keine optimale Lösung darstellen.

Keine Vorwürfe an Gemeinden

Die Entscheidung, welche Bahnhöfe zuerst angepasst werden, fällt, wenn bei einem Bahnhof Bauprojekte anstehen. In diesem Kontext können die Bahnhöfe dann gleich behindertenkonform umgerüstet werden. Bereits behindertengerecht ausgebaut sind unter anderem Berlingen und St. Katharinental. Liegt das allenfalls an den dortigen Einrichtungen im Alters- und Pflegebereich?

Könnte man allenfalls den anderen Gemeinden Vorwürfe machen, sie würden sich nicht genug für ihre Anliegen einsetzen? Pallecchi verneint: «Alle Gemeinden in der Schweiz sind aktiv. Jeder Gemeindeammann versucht verständlicherweise, in Sachen öV das Beste herauszuholen.» Die Vorgeschichte Berlingens und St. Katharinentals kennt Pallecchi nicht im Detail, aber es sei möglich, dass die beiden Gemeinden von Anfang an stärker für dieses Thema sensibilisiert waren.

www.sbb.ch/handicap