SBB rechtfertigen sich

Die SBB reagieren auf die Kritik der nationalen Behindertenorganisation Procap. Das moderne Rollmaterial verschwinde nicht von den Schienen.

Regula Weik
Drucken
Teilen
Gepäck ist in den Regio-Doppelstockzügen schwierig zu verstauen. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Gepäck ist in den Regio-Doppelstockzügen schwierig zu verstauen. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

ST. GALLEN. «Wir verstehen den Unmut der Behindertenorganisation», sagt SBB-Mediensprecherin Lea Meyer. Procap Schweiz, die grösste Selbsthilfeorganisation von und für Menschen mit einer Behinderung, hat die SBB in einem offenen Brief harsch kritisiert. Auslöser für die Verärgerung ist die Ankündigung der SBB, das heutige moderne Rollmaterial auf der Strecke Zürich–Sargans–Chur zu ersetzen (Ausgabe von gestern). Heute verkehren auf der Linie neue Regio-Doppelstockzüge (Regio-Dosto); Reisende mit Behinderung können in die Niederflur-Kompositionen selbständig ein- und aussteigen.

SBB organisieren Hilfe

Der Entscheid, ob das Rollmaterial auf der Strecke ausgetauscht wird, falle «in den nächsten Wochen», sagt Lea Meyer. Wie immer er ausfalle: Die SBB würden für sämtliche Fahrgäste, deren Mobilität eingeschränkt sei, «auf Voranmeldung unentgeltlich eine Ein- und Ausstiegshilfe organisieren». Dies sei an den meisten Bahnhöfen möglich; auf der Strecke Zürich–Chur fehle nur an der Station Siebnen-Wangen der notwendige Lift.

Die Mediensprecherin erwähnt auch eine «Umsteigemöglichkeit»: Jede zweite Verbindung zwischen Zürich und Chur werde durch einen Intercity geleistet – und sei damit behindertengerecht.

«Die Regio-Dosto verschwinden auch nicht von der Bildfläche», sagt Lea Meyer. «Sie werden auf anderen Strecken eingesetzt.» Mittelfristig seien die SBB verpflichtet, sämtliche Verbindungen «behindertentauglich» anzubieten – Einstieg und Ausstieg müssen ohne Hilfe möglich sein.

«Touristischer Charakter»

Weshalb überprüfen die SBB überhaupt den Ersatz des modernen Rollmaterials? «Wir prüfen die Umstellung wegen des touristischen Charakters der Strecke und der grossen Frequenzschwankungen im Gruppenreiseverkehr», sagt Lea Meyer, «und nicht, wie von Procap vermutet, wegen der Bestuhlung in der 1. Klasse.»

Im Freizeitverkehr führten Reisende überdurchschnittlich viel und sperriges Gepäck mit sich. Dieses könne in den neuen Regio-Doppelstockzügen nicht so gut verstaut werden. Und die Zahl der Toiletten sei für diese Strecke zu klein. Hinzu komme: Bei Gruppenreisen seien keine Reservationen möglich – «das ist aufgrund der grossen Frequenzschwankungen zwischen Zürich und Chur ein gewichtiger Nachteil».

Aktuelle Nachrichten