SALENSTEIN: Salenstein ist freiwilliger Aussenseiter

Das Dorf am Untersee ist wohl das attraktivste Touristenziel im Thurgau. Trotzdem ist Salenstein nicht Mitglied bei Thurgau Tourismus, wo fast alle Thurgauer Gemeinden mitmachen. Auch beim regionalen Zusammenschluss «Regio+ Untersee und Rhein» ist die Gemeinde nicht dabei.

Michèle Vaterlaus
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Touristisches Aushängeschild im Thurgau: Das Napoleonschloss. (Bild: Nana do Carmo)

Touristisches Aushängeschild im Thurgau: Das Napoleonschloss. (Bild: Nana do Carmo)

SALENSTEIN. Das Schloss Arenenberg, wo einst der französische Kaiser Napoleon III. hauste, ist ein Schmuckstück im Thurgau. Und die Standortgemeinde Salenstein bietet einen der schönsten Ausblicke über den Untersee. Perfekt für die touristische Vermarktung des Kantons also. Thurgau Tourismus beschreibt das Schloss denn auch als das schönste Schloss vom Bodensee. Der Kanton bewirbt die Veranstaltungen im Museum und damit auch die Gemeinde. Doch Salenstein selbst macht nicht mit. Die Gemeinde am Untersee ist nämlich weder Mitglied im Verein Thurgau Tourismus, bei dem 78 der 80 Thurgauer Gemeinden dabei sind, noch ist Salenstein Mitglied bei der regionalen Vereinigung «Regio+ Untersee und Rhein», wo acht von neun Thurgauer Gemeinden am Untersee mitmachen.

Eine Frage der Kosten?

Bei Thurgau Tourismus wie auch bei «Regio+ Untersee und Rhein» bedauert man das. Denn seit kurzem ist geplant, dass bei Thurgau Tourismus eine Koordinationsstelle «Tourismus Untersee» geschaffen werden soll. So soll die touristische Wertschöpfung am Untersee erhöht werden. Damals, als das Thema am runden Tisch diskutiert wurde, habe es von Seiten Salensteins positive Signale bekommen. «Im Nachgang gab es aber leider eine Absage», sagt Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. Warum genau, kann Müller nicht sagen. Touristisch ist Salenstein wertvoll, eben wegen des Napoleonschlosses. Das habe auch einen symbolischen Wert, sagt Lisa Kull, Präsidentin von «Regio+ Untersee und Rhein». «Salenstein ist darum wichtig für die Region. Die anderen Gemeinden könnten von der Ausstrahlung Salensteins profitieren», sagt sie und erwähnt nebenbei, dass ja auch Salenstein, das mit dem Arenenberg und dem Napoleonmuseum vom Kanton sehr beworben werde, profitiere. «Ich gehe davon aus, dass man in Salenstein vielleicht skeptisch ist, wegen der Kosten, die aufgrund einer Mitgliedschaft auf die Gemeinde zukommen könnten», sagt Kull. Vielleicht gebe es aber auch eine Angst, dass auf einmal Touristen in Massen in die Unterseegemeinde strömen. «Was natürlich nicht realistisch ist.» Kull hofft, dass, wenn die Koordinationsstelle bei Thurgau Tourismus erst geschaffen und der Verteilschlüssel der Kosten definiert ist, Salenstein auch ins Boot steigen wird. «Ich bin zuversichtlich.»

Beitritt ist eine Frage der Zeit

In Salenstein gibt man sich vorsichtig. Man will nicht schon wieder negative Schlagzeilen über die Gemeinde lesen, wie der zuständige Gemeinderat Markus Irsslinger sagt. Er stellt klar: «Wir wollen diesen Missstand beseitigen und haben vor, den Vereinigungen beizutreten.» Man wisse nur nicht genau, wo «ansaugen». Irsslinger ist neu mit der Aufgabe betraut worden, sich um Kultur und Tourismus zu kümmern. Er habe in seinem Ressort viele Projekte, die laufen würden. «Vor einem Beitritt wollen wir sowieso die Vor- und Nachteile abwägen.»