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SALENSTEIN: Es war einmal Sandegg

Zuerst überdauerte das Schloss die Jahrhunderte. Dann brannte es eines Nachts völlig nieder. Sandegg thronte mehr als eintausendeinhundert Jahre über dem Untersee.
Peter Exinger
Radierung von Kaspar Merian (1653). (Bild: Historisches Museum Thurgau/PD)

Radierung von Kaspar Merian (1653). (Bild: Historisches Museum Thurgau/PD)

Peter Exinger

peter.exinger@thurgauerzeitung.ch

Heute erinnert nur noch eine Plattform – mit grandioser Aussicht – an ein Gebäude, das wesentlich länger Bestand hatte als das nachbarschaftliche Schloss Eugensberg. Und eine «eiserne, reich verzierte Türe» hat als einzige bewegliche Habe die Zeiten überdauert: Die Türe trägt das Wappen eines Konstanzer Bischofs und die Jahreszahl 1627. Sie ist im Historischen Museum des Kantons Thurgau im Schloss Frauenfeld zu sehen.

Die Sandegg war vielleicht nur einmal in der Geschichte ihrer Existenz von weittragender Wichtigkeit, meistens jedoch kostete ihr Unterhalt den Besitzern eine Menge Gold und Geld. Und Glück brachte sie vielleicht kaum jemandem.

Was vor 100 Jahren in der Zeitung stand

Noch 1915 wusste die TZ etwas über «Burg Sandegg» zu berichten – Hyppolyt Saurer aus der Arboner Dynastie hatte sich eben Eugensberg zugelegt: «Erbaut wurde das feudale Schloss vom ehemaligen Vizekönig von Italien, Eugen Beauharnais, dem späteren Herzog von Leuchtenberg, der auch die nahegelegene, aus dem 8. Jahrhundert stammende Burg Sandegg erwarb. Bei ihrer Restaurierung brannte sie in stürmischer Winternacht 1833 bis auf den Grund nieder. Auf den Ruinen ist eine Aussichtszinne erstellt worden. Von hier aus schweifen die Blicke bis weit ins deutsche Land hinüber.»

Heute ist der Ort das, was die Historiker eine Wüstung nennen. Diese hatte 2006 für Artikel gesorgt – in der TZ. Wir berichteten darüber, dass kurz vor Ostern die Aussichtsplattform, genauer die Nordwest-Ecke, eingestürzt war und die hinunterpolternden Steine bis nach Berlingen rollten. «Mit dem Einsturz unpassierbar gemacht wurde einer der schönsten Abschnitte des Thurgauer Rundwanderweges, jener, von dem aus man einen unvergesslichen Blick auf den Untersee und die Hegau-Vulkane geniessen kann, oder besser: konnte.» Der Weg musste nämlich gesperrt werden – aus Sicherheitsgründen. Erst 2012 konnte die TZ die Sanierung des Wanderweges «zur Ruine Sandegg» vermelden. Für den Wiederaufbau des Weges waren die Soldaten der Katastrophenübung «Terrex 12» zuständig.

Der Erste war einer mit Namen Sintlaz

Vielleicht konnte der erste Herr, der auf der Sandegg wohnte, nicht auf so zahlreiche militärische Unterstützung zählen. In einer Quelle ist von einem gewissen Alemannen mit Namen Sintlaz die Rede, der bereits im 8. Jahrhundert an diesem Ort gelebt hat.

Er soll ein «hochedler man, ain lantvogt der kron Frankrichs» gewesen sein oder nach einer anderen Quelle gar Priester. 724 – in diesem Jahr wohnte Sintlaz bereits auf Sandegg – gilt auch als Gründungsjahr eines Klosters in Sichtweite. Dieser Sintlaz war ein Abgesandter des fränkisches Königs Karl Martell. Dieser wiederum ging in die Geschichte als grosser Förderer des Christentums in seinem Reich ein. So hatte Sintlaz ein politisches Interesse daran, auf der heute als Reichenau bekannten Insel im Untersee die Gründung eines Klosters zu unterstützen. Von der Sandegg aus erfolgte jedenfalls der Legende und mancher Chronik nach die Gründung des Klosters durch Pirmin auf der damals sogenannten Sintlazau. Die Reichenau gilt neben Fulda und St. Gallen als bedeutendstes Kloster karolingischer Zeit.

Das erste Mal tatsächlich urkundlich nachgewiesen ist Sandegg erst Mitte des 13. Jahrhunderts. Damals als Wohnsitz der Äbte von Reichenau – wie es in den Dokumenten aus den Jahren 1253 und 1264 geschrieben steht. Sandegg soll damals an den Deutschritterorden verkauft worden sein – ein sehr umstrittenes Geschäft, dass wenige Jahre später wieder rückgängig gemacht worden ist.

1402 wird erstmals eine Schlosskapelle erwähnt, die der «Pfarrer von Ebmatingen versehen» muss. Kloster Reichenau war wohl immer wieder in Geldnöten. Bestimmt aber im Jahr 1497, als die Sandegg an einen reichen Konstanzer Bürger verpfändet werden musste.

1575 ging die Sandegg in einem derangierten Zustand als Lehen an einen Hans Ulrich Hurter. Das Kloster verzichtete ein Jahrzehnt auf den Bezug von Zehnten, wenn der Herr nur die Burg wieder instand stellen wollte. 1586 heisst es, der Bau sei bei Übernahme «gänzlich verdorben und das Gut verwildert gewesen» und Hurter habe bedeutend mehr hineinstecken müssen, als vorgesehen.

1663 ist das Anwesen mehr oder weniger wieder am Ende: Haus und Nebengebäude sind zum Teil eingestürzt. Deswegen ging Sandegg als Lehen mit klaren Verpflichtungen an den Konstanzer Domherrn Johann Julius Kröll. Es war eine Zeit des Wiederaufbaus. Denn 1670 heisst es, die neue Sandegg sei «iez wie es zuvor ein adelich Haus erpawet worden...» und ging zu einem guten Preis an die Jesuiten in Konstanz über.

Wir machen einen Sprung ins 19. Jahrhundert, die Sandegg war zwischenzeitlich in Besitz der Benediktiner im aargauischen Muri: 1807 erwarb der Landwirt Johannes Eigenmann aus Homberg die Sandegg. Das Schloss verkaufte er an die Kaufleute Delisle aus Konstanz. Den Gutsbetrieb behielt er. Zehn Jahre später begann die letzte Epoche für Sandegg. Die Hofdame der Königin Hortense – sie liess sich bekanntlich auf Schloss Arenenberg nieder – hiess Louise Cochelet. Diese Hofdame kaufte Sandegg. Und als der Bruder der Hortense, Eugene de Beauharnais, sich nach einem Grundstück für eine Bleibe umsah, wurde er bald fündig. Am «30. Herbstmonat 1819» kaufte er den Sandegger Gutsbetrieb. Bereits zwei Jahre später war ein nagelneues Gebäude für ihn bezugsfertig: Das heute bekannte Schloss Eugensberg.

Sandegg bringt indes kaum Glück. Wegen Geldsorgen sucht man schon bald wieder einen potenten Nachfolger. Der Zürcher Bankier Konrad Hottinger kauft das Anwesen und unterzieht die Sandegg einer eingehenden Renovation. «Als man den Ofen des Schlosses besonders stark einheizte, um die neuen Farben zu trocknen», brennt das Gebäude wegen Unvorsichtigkeit der Handwerker in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1833 vollständig nieder.

Hauptquellen

Hsg.: Rolf Erb. Rudolf Marti: «Eugensberg. Ein Schloss und 2500 Jahre Geschichte.» Frauenfeld, Huber, 1997. TZ-Archiv. Historisches Lexikon der Schweiz. ortsnamen.ch. Wikipedia.

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