Rutsche in den Grossen Rat

«Hast du noch nicht genug Jahrmarkt gehabt?», fragt mich meine Frau Turmspatz, als wir uns warm angezogen auf den Weg nach Diessenhofen machen. «Genug schon», gebe ich zurück, «doch ich möchte etwas nachprüfen.» «Und das wäre?» «Du wirst schon sehen.» Gemütlich flattern wir den Untersee entlang.

Merken
Drucken
Teilen

«Hast du noch nicht genug Jahrmarkt gehabt?», fragt mich meine Frau Turmspatz, als wir uns warm angezogen auf den Weg nach Diessenhofen machen. «Genug schon», gebe ich zurück, «doch ich möchte etwas nachprüfen.» «Und das wäre?» «Du wirst schon sehen.» Gemütlich flattern wir den Untersee entlang. «Kannst du mir nicht einen Tip geben?», fragt sie mich immer wieder. «Na gut. Es ist ein politisch-mathematisches Problem.» «Und das wäre?» Meine Frau lässt nicht locker. «Es geht um ein Zahlenverhältnis.» «Mach's nicht so spannend.» «Gut. Steckborn und Umgebung hat zwei. Hier unten am Rhein gibt es hingegen fünf.» Bis Diessenhofen schweigt meine Allerliebste. «Zwei gegen fünf? Das ist doch ungerecht», sagt sie bei einem Glas Glühwein. «Finde ich auch.» Ein Marktfahrer streckt mir ein Stück Käse entgegen. «De kunnt vo Graubünda, kann i diar as Stugg ipagga?» «Fünf was?», will meine Frau wissen. «Füf Kilo? Du häsch sicher an guata Kellar.» Mit einem ordentlichen Stück Käse in der Einkaufstasche bummeln wir weiter. Nach einer Tüte Marroni und einem Kokosballen kommen wir zum Rummelplatz. Zwischen Karussell und Autoscooter steht als besondere Attraktion eine grosse Rutsche. «Was machen die da?» Meine Frau deutet auf die Politiker, die sich zwischen den Kindern vergnügen. «Hat das mit deiner Mathematik zu tun?» «Sicher. Wir haben zwischen Steckborn und Eschenz gerade mal zwei Grossräte. Zwischen Rheinklingen und Schlatt gibt es deren fünf.» «Und warum?» Ich zeige auf die Politiker, die in die Tiefe sausen. «Die Diessenhofer üben eben besser. Alle drei Grossräte aus dem Rheinstädtchen sind in den Rat nachgerutscht.»