Ruhiger Showdown vor der Wahl

HERDERN. Am Wochenende wählt Herdern im zweiten Wahlgang einen neuen Gemeindepräsidenten. Es kandidieren Ueli Marti und Jörg Ferkel. Der Einheimische und der Auswärtige stellten sich am Mittwoch den Fragen der Wähler.

Evi Biedermann
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Freundschaftlich am Podium, nächsten Sonntag Gegner in der Wahl um das Herdermer Gemeindepräsidium: Jörg Ferkel und Ulrich Marti. (Bild: Nana do Carmo)

Freundschaftlich am Podium, nächsten Sonntag Gegner in der Wahl um das Herdermer Gemeindepräsidium: Jörg Ferkel und Ulrich Marti. (Bild: Nana do Carmo)

Der zweite Wahlgang wird nötig, weil im ersten Anlauf der einzige Kandidat das absolute Mehr verfehlte. Heinz Bachmann, bis 2013 Gemeinderat in Herdern, zog daraufhin seine Kandidatur zurück. Neu steigen nun der 33jährige Ueli Marti und der 51jährige Jörg Ferkel ins Rennen für das Gemeindepräsidium. Beide sind Vizeammann – Marti in Herdern, Ferkel in Steckborn – und bringen einen beachtlichen Rucksack an Aus- und Weiterbildung sowie beruflicher Erfahrung mit (die TZ berichtete). Ferkel füllt drei Seiten seiner Homepage damit, die er eigens für seine Kandidatur aufschaltete. Am Wahlpodium verteilte eine Ferkel-Befürworterin Zettel mit der entsprechenden Adresse und drei süss-sauren Kaubonbons darauf.

Warum erst jetzt?

Am brennendsten interessierte die Frage, warum die Kandidatur erst im zweiten Wahlgang erfolgte. Ueli Marti (SVP) sei schon bald nach Cornelia Komposchs Wahl in den Regierungsrat als deren Nachfolger gehandelt worden, erinnerte Daniel Butti, Präsident der Findungskommission, diesen daran. «Das haben Sie immer abgelehnt.» Und Gemeindeschreiberin Corinne Bolzli fragte Jörg Ferkel, wieso er sich erst vor gut zwei Monaten in Steckborn habe wiederwählen lassen und warum er dort nicht als Stadtpräsident kandidierte. Beide gaben an, dass mit Heinz Bachmann ein starker Kandidat im ersten Rennen war. «Ich bin davon ausgegangen, dass er gewählt wird», sagte Ueli Marti. Jörg Ferkel verwies auf eine ausgezeichnete Zusammenarbeit im Team des Steckborner Stadtrats. Was funktioniere, solle man nicht ändern. «Die Challenge fürs höchste Amt hat mich aber schon immer gereizt», sagte der parteilose Ferkel.

Im Fall einer Wahl würden sowohl Marti wie Ferkel per 1. Juni zur Verfügung stehen. Zudem können sich beide vorstellen, mehr als die für das Gemeindepräsidium vorgesehenen 60 Stellenprozente zu leisten, sollte dies nötig sein. «Längerfristig jedoch müsste man die ganze Verwaltungsstruktur neu anschauen und eventuell eine neue Stelle schaffen», sagte Ueli Marti dazu.

Fusion wäre langer Prozess

Die Fusion mit einer benachbarten Gemeinde betrachten beide Kandidaten mit Vorsicht. «Im Grundsatz ja», erklärte Marti. Man müsste es anschauen, «das ist ein langer Prozess». Ferkel ist weit skeptischer. Auf dem Weg zur Arbeit – der Theologe gibt in Hüttwilen Religionsunterricht – fährt er fast täglich durch Lanzenneunforn, Herdern und Hüttwilen. «Bei den grossen Distanzen zwischen den Dörfern kann ich mir nicht vorstellen, wo eine Fusion sinnvoll wäre.»

«Was gewinnt die Gemeinde mit Ihrer Wahl?», lautete eine weitere Frage. «Bei mir wisst ihr, was ihr habt», erklärte der Einheimische Marti lachend. «Ich stehe hinter meinen Worten.» Jörg Ferkel verwies auf 15 Jahre politische Erfahrung und die Aussensicht. «Die Sicht von aussen tut einer Gemeinde manchmal gut.»

Mit der Bevölkerung reden

Als Gemeindepräsident ist beiden Kollegialität im Team wichtig. Ein Schwerpunkt ist für Ferkel die transparente Kommunikation, «damit eine gute Zusammenarbeit mit der Bevölkerung entsteht». Marti hat den Schuldenabbau der Gemeinde, den Erhalt der Infrastruktur und das verdichtete Bauen im Visier. Letzteres macht auch Ferkel glücklich, mit dem kleinen Hinweis auf einen sorgfältigen Umgang mit dem Kulturland.