Rotarier bauen Hilfswerk aus

FRAUENFELD. Das von Thurgauer Rotariern gegründete Hilfswerk für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche will bald landesweit aktiv sein. Allein im Thurgau zahlt es jährlich 100 000 Franken an Unterstützungsgeldern aus.

Christof Widmer
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Toni Schönenberger Initiant des Rokj-Projekts (Bild: Reto Martin)

Toni Schönenberger Initiant des Rokj-Projekts (Bild: Reto Martin)

Eine alleinerziehende Mutter lebt knapp über dem Existenzminimum. Sie will vermeiden, Sozialhilfe zu beziehen. So kann sie sich aber den Gitarrenunterricht für ihren Sohn nicht leisten. Das ist ein typischer Fall, in dem das Rotary-Hilfswerk Rokj (Rotarier helfen Kindern und Jugendlichen) einspringt. Es übernimmt die Kosten von mehreren hundert Franken für den Musikunterricht.

«Ziel von Rokj ist, dass Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien an gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen und ihre Talente entwickeln können», sagt der Amliker Rotarier Toni Schönenberger. Er ist der Initiant des Hilfswerks. Damit setze es dort an, wo die staatliche Sozialhilfe aufhört. Rokj ermöglicht es Kindern und Jugendlichen aus armen Verhältnissen, dem Fussballclub beizutreten, ins Ferienlager mitzugehen, Velo zu fahren, Nachhilfeunterricht zu nehmen oder ein Instrument zu lernen. «Das hat eine präventive Wirkung», sagt Schönenberger. Die soziale Integration dieser jungen Menschen könne helfen, Probleme im späteren Leben zu vermeiden.

Tendenz steigend

2008 ist Rokj von den Thurgauer und Konstanzer Rotary- und Inner-Wheel-Clubs gegründet worden. Seither sind über 700 000 Franken Unterstützungsgelder an Kinder und Jugendliche in der Region ausbezahlt worden. 992 Gesuche sind in dieser Zeit bewilligt worden. Jährlich werden rund 100 000 Franken ausbezahlt – mit steigender Tendenz, sagt Schönenberger. Über die Gesuche entscheidet ein Gremium mit Vertretern von Rotary-Clubs, Hilfswerken und Sozialdiensten.

Noch immer erreicht Rokj aber bei weitem nicht alle bedürftigen Familien. Schönenberger geht aufgrund nationaler Statistiken davon aus, dass 7 Prozent der Kinder und Jugendlichen die Kriterien für Rokj-Hilfe erfüllen würden. «Im Moment erreichen wir im Thurgau unter ein Prozent.» Die grosse Frage sei, wie das Hilfswerk an die anderen Bedürftigen herankommt. Hoffnung setzt Schönenberger in die Zusammenarbeit zum Beispiel mit Schulen und Sozialämtern. Sie sollen Fälle melden, wo Rokj einspringen könnte.

Die Gesuche um Unterstützung reichen nämlich weniger die Eltern selber ein. Vielmehr übernehmen Hilfswerke, Amtsvormundschaften, Kinderkrippen oder etwa der Psychiatrische Dienst diese Aufgabe.

Weitere Organisation im Aufbau

Inzwischen gibt es neben Rokj Thurgau-Konstanz noch acht weitere Rokj-Organisationen in der Deutschschweiz. Alle zusammen haben bisher Gelder in der Höhe von 1,5 Millionen Franken gesprochen. Weitere Organisationen seien derzeit im Aufbau, sagt Schönenberger. «Rokj nimmt nun nationale Dimensionen an.»

Die einzelnen Rokj-Organisationen arbeiten autonom. Schönenberger steht aber einem Koordinationsteam vor, das für einen einheitlichen Auftritt sorgt und die Tätigkeitsfelder definiert. Vorläufig will Schönenberger Rokj als ehrenamtliche Organisation weiterführen – ohne professionelle Geschäftsstelle. Sollte die Expansion aber fortschreiten, könnte dies ein Thema werden. Auf der Agenda steht bereits die Internationalisierung des Rokj-Projekts.

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