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Romanshorner Kurzglück

Olma-Krimi von Daniel Badraun – neunter Teil

Goran bezahlt unser Frühstück im «Usblick». Elena, die behinderte Schwester der Polizistin Claudia, umarmt uns alle zum Abschied.

«Morgen habe ich frei, dann gehen wir zusammen an die Olma», sagt Claudia zum Abschied, «dann gibt es Tiere, Lunapark und Bratwurst.»

«Nicht zu vergessen, die Kaffeemaschinen, Whirlpools und den Wein mit Messerabatt.» Goran lacht. «Wenn du etwas Unnützes verkaufen willst, brauchst du unbedingt einen Olma-Stand an der Olma.»

«Euer Besuch war ein Wunderglücksmoment», sagt Elena, bindet ihre Schürze fester und verschwindet in der Küche. Auch mir geht es prächtig, ein sonniger Morgen am Romanshorner Hafen, was will man mehr?

Dann holt mich Goran zurück in den Alltag. «Können wir dich ­irgendwo absetzen? Wir fahren nach Frauenfeld. Der Streifenwagen muss zur Kontrolle.»

«Frauenfeld ist nicht schlecht.» Ich möchte nach Hause und nachschauen, ob Mina wieder da ist. Vielleicht war alles nur ein böser Traum.

«Dürft ihr das eigentlich?», frage ich im Wagen, «mit uns hierher zum Frühstück fahren?»

«Solche Einsätze gehören zu unserem Berufsauftrag. Bürgernahe Polizei, das ist unsere Zukunft.»

Bis Frauenfeld sind meine Begleiter dann mit dem Funk beschäftigt. Irgendwo ist irgendetwas passiert, Streifenwagen werden aufgeboten, die Ambulanz, zuletzt auch noch ein Helikopter der Rega. Beim Kreisel im Osten der Hauptstadt lassen sie mich raus.

«Grüss die Königin von uns, wenn du sie wieder mal siehst», sagt Claudia.

Vor mir die Hamburgerbeiz. «Was suchen die Leute in diesen Schnellbratküchen?», fragte Mina wütend. «Niemand kennt mehr Chachelifleisch oder die Diessenhofer Sudeltorte.» Darum setzte sie sich unermüdlich für die Thurgauer Gourmetwanderungen ein, bei denen jenseits von Schnitzeln und Pommes geschlemmt werden kann.

Unerwarteter Besuch

Ein erster Bus bringt mich zum Bahnhof, ein zweiter fast bis vor unsere Haustüre. Ohne Polizeibegleitung fühle ich mich etwas nackt, denn heute müsste ich Rosario Caporese die 5000 Franken bezahlen, die ich nicht habe. Vorgestern schloss mich der Pizzakönig zusammen mit drei Kampfhunden in einen Keller, sicher hat er noch andere Methoden, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Im Haus ist es angenehm kühl. Langsam steige ich die Treppe hin­auf. Unsere Wohnungstür ist abgeschlossen. Ich trete ein. Alles sieht genauso aus wie vor zwei Tagen. Mina war also nicht hier. Ich mache mir einen Tee und versuche, einen klaren Gedanken zu fassen.

Als es klopft, bin ich noch nicht weit gekommen. Ich brauche nicht zu öffnen, meine beiden Besucher kommen ungebeten ins Wohnzimmer. «Was wollen Sie?»

«Wir holen das Geld ab», sagt der Kleinere und setzt sich aufs Sofa.

«Wenn du Florian Stauber bist, schuldest du uns 5400», sagt der Lange und greift nach dem Vorhang.

«Aber ich muss Herrn Caporese doch nur 5000 bezahlen», wehre ich mich.

Der kleinere lächelt. «Die 400 sind Inkassogebühren. Weil du uns warten lässt.»

«Der hier passt farblich nicht zur Einrichtung», sagt der Lange und reisst den Vorhang herunter. Um den Fetzen mit dem schreiendbunten Blumenmuster, ein Geschenk von Minas Mutter, ist es nicht schade.

«Das ist doch nur ein Missverständnis», versuche ich Zeit zu gewinnen, um Schlimmeres zu verhindern.

«Ein Missverständnis?» Der Kleinere zieht ein Messer aus der Tasche und klappt es auf. «Ich wollte schon immer mal sehen, womit so ein Sofa gefüllt ist.»

«Warten Sie», sage ich hastig, «Sie bekommen Ihr Geld. Zuzüglich Inkassogebühr. Morgen früh habe ich alles beisammen.»

Die beiden Inkassohaie starren mich erwartungsvoll an. Der Grössere greift nach einem weiteren Vorhang. Der Kleinere putzt seine Fingernägel mit dem offenen Messer.

«Das macht dann», sagt der Vorhangmann und tut so, als würde er rechnen, «6000 Franken. Ein faires Angebot.»

«Vorhin waren es noch 5400», ein letzter Versuch, das Unglück abzuwenden.

«Verzugszinsen», sagt der Kleinere und lässt das Messer über dem Sofa tanzen.

Aktion Olma

«Alles klar.» Ich atme hörbar aus. Dann fasse ich einen Plan, der so kühn ist, dass er ganz einfach funktionieren muss. «Das Geld bekommt ihr morgen um zehn Uhr in St. Gallen. Beim Eingang der Olma.»

«St. Gallen? Dann kommen noch Reisespesen dazu.» Der Lange grinst. «Mit 6300 fährst du gut, Florian. Ein echter Freundschaftspreis.»

Der Kleine steht auf. Umständlich klappt er sein Messer zu. «Keine Tricks. Wir finden dich. Und nächstes Mal ist nicht nur das Sofa dran.»

Dann verschwinden sie. So leise, wie sie gekommen sind. Zwei böse Schatten, die sich auf mein Leben gelegt haben. So schnell gebe ich aber nicht auf.

Mein Plan ist kühn. Sofort mache ich mich daran, die logistischen Probleme zu lösen.

«Renner?», meldet sich der Wirtschaftsförderer mit fester Stimme. Die Nachwirkung des gestrigen Schnapsmarathons scheint er überwunden zu haben.

«Hier ist Florian Stauber. Erinnern Sie sich?»

«Machen Sie es kurz, Stauber.» Im Hintergrund sind Stimmen zu hören.

«Ich brauche Ihre Hilfe.»

«So?» Er scheint nicht begeistert zu sein. «Hören Sie, ich bin an der Olma-Eröffnung, am Rundgang für die Ehrengäste. Gleich nimmt die Bundespräsidentin das Schweinchen auf den Arm, rufen Sie später an.»

«Legen Sie nicht auf. Sonst müsste ich einem befreundeten Journalisten erzählen, dass ein gewisser Herr R. seine Tochter in der Scheune eingesperrt hat, abgefüllt mit Medikamenten. Das gibt garantiert fette Schlagzeilen.»

«Was wollen Sie», knurrt Renner.

«Einen Stand. Irgendwo an der Olma. Eine Ecke im Thurgauer Pavillon reicht.»

«Das geht nicht so einfach.»

«Muss es aber. Sie haben Verbindungen. Sie sind ein wichtiger Mann. Zudem könnte ich mit meiner Freundin sprechen. Morgen veröffentlicht Thurgau Tourismus den neuen Slogan samt Werbekampagne, sie hat gesagt, man könne noch etwas machen für die Wirtschaft.» Gut gelogen, denn ich habe nichts zu verlieren.

«Kommen Sie heute um 16 Uhr zum Haupteingang. Dann bekommen Sie Ihren Stand.»

«Das werde ich Ihnen nicht vergessen.»

«Das hoffe ich. Und nun muss ich. Das Schweinchen wartet. Und die Bundespräsidentin auch.»

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