ROMANSHORN: Die digitale Zukunft wartet nicht

Von der analogen Gästekarte «Oskar» bis hin zur digitalen Buchungs-App – es gibt viele Mittel, die geeignet wären, um mehr Touristen in den Thurgau zu locken. Sie müssten nur vermehrt genutzt werden, wie am Tourismusforum festgestellt wurde.

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Rolf Müller, der Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. (Bild: Christof Lampart)

Rolf Müller, der Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. (Bild: Christof Lampart)

Die Digitalisierung der Berufswelt schreitet voran und macht auch nicht vor den Ostschweizer Tourismusdestinationen und Hoteliers Halt. In einer digitalen Welt, in der das gestern Angesagte heute schon alt und morgen schon überholt sei, komme es darauf an, «stets der Erste oder einfach der Schnellere zu sein», erklärte Milos Radovic von der Swisscom den Tourismusfachleuten und Hoteliers, die am Donnerstag im Autobau Romanshorn dem Tourismusforum Thurgau Bodensee beiwohnten.

Sei früher beim Buchen von Ferien vor allem die Qualität der Dienstleistung im Vordergrund gestanden, so sei es heute das Versprechen nach «echten Erlebnissen und Gefühlen», das die Massen mobilisiere. Digitale Medien könnten, clever eingesetzt, Emotionen schüren und den potenziellen Kunden zum tatsächlichen Buchen des Hotels veranlassen. Thomas Winkler, Leiter Digital Management bei Schweiz Tourismus, betonte die Wichtigkeit eines modernen digitalen Auftritts: Es reiche heute nicht mehr, einfach auf der Hotel-Webseite ein Brotkörbchen abzubilden und daneben die Speisekarte zu veröffentlichen. Dafür würden kombiniert eingesetzte Kanäle wie die Sozialen Medien, Youtube und eine gut unterhaltene sowie unterhaltsame Webseite das ihrige dazu beitragen, neue Kunden zu gewinnen. Dies mit relativ wenig Aufwand – zum Beispiel, indem man mit einer 360-Grad-Kamera Bilder von der schönen Umgebung ins Internet stelle. Eine gute Webseite nütze jedoch wenig, wenn man sein Angebot nicht suchmaschinenoptimiert anbiete, denn «wer nicht auf der ersten Seite von Google ist, findet nicht statt», so Winkler.

Ostschweizer Kooperation bei Online-Buchung

Für den Geschäftsführer von Thurgau Tourismus, Rolf Müller, sind jedoch nicht nur Tempo und Agilität bei der Umsetzung von digitalen Werbekonzepten entscheidend, sondern vor allem auch klare Absprachen und Kooperationen. Durch Letztere könne man gemeinsam «tolle Sachen entwickeln», zu denen der Einzelne aufgrund fehlender personeller und materieller Ressourcen nicht fähig wäre. Er könne es sich gut vorstellen, dass bei der Preisgestaltung und der Online-Buchbarkeit die verschiedenen Partner in der Ostschweiz zusammenspannten, so Müller. Damit es aber so weit kommen könne müsse man «den Mut haben, miteinander zu schwatzen», erklärte der Thurgau-Tourismus-Chef.

Thema am Thurgauer Tourismusforum war auch die Ostschweizer Tageskarte «Oskar». Der Tenor war klar: Das Instrument ist gut, könnte aber noch sehr viel besser werden. Dabei sei es das A und O, dass man vom Gartenzaundenken wegkomme und das Zusammenspannen der Regionen als Chance erkenne. Der Wattwiler Hotelier Michael Müller sagte, dass er die Gästekarte nur empfehlen könne. Er selbst habe schon über 900 «Oskars» an seine Gäste abgegeben. Einige hätten sogar die Ferien wegen «Oskar» verlängert, denn die Möglichkeit, einen Tag im Toggenburg, den nächsten auf dem Säntis und den dritten am Bodensee verbringen zu können, sei für viele ein gutes Argument, noch ein paar Tage dranzuhängen. Nichtsdestotrotz sei es wichtig, dass das Angebot noch weiter ausgebaut werde, damit «Oskar» sein volles Potenzial entfalten könne. Dem pflichtete Rolf Müller bei: «Wir sind daran, noch mehr Leistungserbringer für ‹Oskar› zu gewinnen; dann wird die Karte mit der Zeit garantiert ein Selbstläufer.»

Christof Lampart

thurgau@thurgauerzeitung.ch