«Rössli», Tufertschwil: Stimmige ländliche Idylle

Beim Warten auf das Rindscarpaccio fällt es so richtig auf: Keine künstliche Beschallung aus perfid im Täfer versteckten Lautsprechern, sondern ganz einfach die natürliche Geräuschkulisse einer Beiz.

Merken
Drucken
Teilen

Beim Warten auf das Rindscarpaccio fällt es so richtig auf: Keine künstliche Beschallung aus perfid im Täfer versteckten Lautsprechern, sondern ganz einfach die natürliche Geräuschkulisse einer Beiz. Das Murmeln der anderen Gäste, Gelächter, das Hantieren des Personals am Buffet, später am Abend wiederholtes Klatschen aus einem der Säle. Kurz gesagt: Es ist ein angenehmes Sitzen im «Rössli» in Tufertschwil. Durch grosse Fenster geht der Blick hinaus, über weidende Kühe zu den Toggenburger Hügeln und den Churfirsten. Eine stimmige ländliche Beizenidylle.

Die kommt aber nicht einfach so von selbst. Über drei Generationen hinweg hat die Familie Thalmann im beschaulichen Tufertschwil, auf einer Landterrasse über Thur und Necker, eine Ausflugsgastronomie geschaffen, die überzeugt. Die einstige Bauernbeiz wurde schrittweise erweitert, 2004 kam sogar ein Hoteltrakt mit 26 Zimmern dazu.

Ein Betrieb mit Charme

Doch was oft passiert – dass ehemals kleine Restaurants durch Expansion ihre Seele verlieren nämlich –, ist hier nicht der Fall. Das «Rössli» behält auch in der Grösse Persönlichkeit und Charme. Dazu trägt des Personal mit unübertrefflicher Herzlichkeit bei, bezeichnend ist auch die Sorgfalt in der Speisekarte mit Erläuterungen zu Gerichten, Produkten und dem Betrieb, die signalisieren: Lieber Gast, das sind wir, das bieten wir, du bist willkommen als interessierter Besucher und nicht einfach als Geldbringer.

Seit genau zwanzig Jahren führen Esther und Magnus Thalmann-Anderegg nun das «Rössli». Sie tun dies mit einer marktfrischen Küche, die gern auf regionale Spezialitäten und Erzeugnisse zurückgreift. Es gibt einige «Culinarium»-Gerichte wie Geschnetzeltes vom Angusbeef mit Rösti (28.–/31.–) oder Holzfällerrösti (16.–), es gibt Lachstatar aus der nahen Balik-Räucherei (15.50), es gibt kalte Teller mit Toggenburger Mostbröckli und Tufertschwiler Käse (17.– bis 20.–).

Klassiker, schön interpretiert

Das Angebot ist der Breite des Kundenspektrums angemessen. Wo Familien, Hochzeitsgesellschaften und Geschäftsleute sich treffen (aber auch der Einzelgast aufmerksam umsorgt wird, das sei ausdrücklich erwähnt), da sind nicht Experimente angesagt. Magnus Thalmann bietet all die schönen Klassiker, vom einfachen Wurstsalat (10.50) über das Kalbsschnitzel mit Champignonrahmsauce, Nudeln und Gemüse (29.–/32.–) bis zum Châteaubriand mit reichhaltigen Beilagen (46.–). Was das Klassische zum Besonderen macht, sind die Details, etwa die Bernecker Weissweinsauce zur Forelle (25.–) oder das Angusrind, das vom benachbarten Hof kommt. Darauf hatten wir es abgesehen: Von der Sommerkarte wählten wir das Carpaccio (12.50), das von grandioser Zartheit war, ebenso wie die Siedfleischtranchen mit Gemüse und Salzkartoffeln (20.–/23.–). Die Weinkarte nimmt sich angesichts des Speiseangebots eher klein aus, zeugt aber von sorgfältiger Auswahl – mit einer schönen Sektion Ostschweizer Weine.

Unser Eindruck: Kurz und bündig: So macht Ausflugsgastronomie Spass!

Beda Hanimann

Rössli, Tufertschwil-Lütisburg Esther und Magnus Thalmann Tel. 071 932 01 00 www.roessli-tufertschwil.ch Öffnungszeiten: Täglich geöffnet Karte: Mittagsmenus ca. 17.– bis 26.–. A-la-carte-Hauptgerichte 16.– bis 46.–