Ringen um Thurprojekt

WEINFELDEN. Einsprachen werden das Hochwasserschutzprojekt Weinfelden-Bürglen wohl weiter verzögern. Der Gemeinderat Bürglen unterstützt das Projekt, Weinfelden hat noch nicht entschieden.

Thomas Wunderlin
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Der Gemeindeammann von Bürglen, Erich Baumann, erwartet viele Einsprachen. Ab Montag liegen in Bürglen, Bussnang und Weinfelden die Pläne für eine der wichtigsten Etappen der zweiten Thurkorrektion auf. Es geht um den Schutz von Weinfelden, wo ein Thur-Hochwasser Schäden von 360 Millionen Franken verursachen könnte. Das «Bauprojekt 2014» kostet 27 Millionen Franken und ersetzt das 37 Millionen Franken teure Vorgängerprojekt Bürglerau. Der Regierungsrat hatte es zurückgezogen. Es waren zu viele Einsprachen eingegangen.

«Das kann lange dauern»

Der Bürgler Gemeindeammann hält das Bauprojekt 2014 für «sinnvoll und notwendig». Es schütze Weinfelden vor Hochwasser und revitalisiere die Thur. Das Bürgler Armbrustschützenhaus erhalte einen besonderen Schutz. Das Projekt Bürglerau sei zu teuer gewesen. Eine Einschränkung macht Baumann immer noch bei den 320 000 Franken, die Bürglen ans Bauprojekt 2014 zahlen soll. Im Unterschied zu Weinfelden sei Bürglen kaum von Hochwasser gefährdet. Der Gemeinderat wolle aber nicht das ganze Projekt gefährden. Baumann wird den finanziellen Beitrag der Gemeindeversammlung vorlegen müssen. Wann das sein wird, kann er nicht sagen: «Damit beschäftige ich mich noch nicht.» Zuerst müssten die Einsprachen erledigt sein. Das könne lange dauern.

Es sei «zu früh» für eine Stellungnahme, sagt Walter Strupler, der im Weinfelder Gemeinderat für den Hochwasserschutz zuständig ist. «Wir werden es im Gemeinderat nochmals diskutieren.» Der Weinfelder Kostenanteil beträgt 1,1 Millionen.

«Ganze Bevölkerung betroffen»

Gegen das Projekt Stellung genommen hat die Schweizerische Vereinigung Industrie und Landwirtschaft (Svil). Unter ihren 106 Mitgliedern befinden sich mehrere Landwirtschaftsämter, nicht aber jenes des Thurgaus. Laut Svil ist die ganze Bevölkerung betroffen, wenn Landwirtschaftsland zerstört wird. Einsprachen der direkt betroffenen Landnutzer gegen das konkrete Bauprojekt könnten den notwendigen Interessenausgleich nicht ersetzen.

«Wir haben zehn Jahre mit Interessenvertretern geplant», kommentiert Marco Baumann, Leiter der kantonalen Abteilung Wasserbau. Für Landanstösser werde der Kanton versuchen, Realersatz zu finden. Bei der Etappe unterhalb Frauenfeld sei das gelungen. Anstatt die Thur auszuweiten, könnte man auch die Dämme erhöhen, bestätigt Baumann. Eine Mehrheit der Bevölkerung wolle aber keine höheren Dämme an diesem Ort.

«Ökologie zu hoch gewichtet»

Laut dem Thurgauer Bauernpräsident Markus Hausammann werden die ökologischen Interessen zu hoch gewichtet. Er geht davon aus, dass die Anstösser versuchen werden, mit Einsprachen «etwas zu holen». Er erwartet jedoch nicht, dass Bauernvertreter in der Budgetdebatte des Grossen Rats Anfang Dezember gegen den Kredit für das Bauprojekt 2014 stimmen werden. «Beim Budget kann man nur über die Kosten diskutieren.»

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