RICKENBACH: Mit Verzögerung auf Kurs

Die höchste Baustelle der Region wird ein Jahr später eröffnet. Voraussichtlich im Frühjahr 2018 beginnt der Komplettumbau der über 50 Meter hohen Mühle. Noch bis am Montag liegen die Pläne auf.

Simon Dudle
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Heute eine Vision, in drei Jahren womöglich Tatsache: Die stillgelegte Mühle Rickenbach soll zu einem Wohnhochhaus werden. (Bild: Visualisierung: PD)

Heute eine Vision, in drei Jahren womöglich Tatsache: Die stillgelegte Mühle Rickenbach soll zu einem Wohnhochhaus werden. (Bild: Visualisierung: PD)

Simon Dudle

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Ganze 53 Meter ragt der Turm der Mühle in die Höhe. Der Silo befindet sich auf einem 60000 Quadratmeter grossen Areal mit einem Weiher und ist das Wahrzeichen Rickenbachs. Jedoch steht es seit 2002 und der Stilllegung des Müllereibetriebs leer. Das wird sich ändern – voraussichtlich im Sommer 2020. Auf 15 Stockwerken sind 44 Mietwohnungen mit zweieinhalb bis viereinhalb Zimmern geplant.

Errichtet werden Wohnungen mit einem guten Ausbaustandard und grossen Loggias mit raumhohen Fenstern. Projektleiter Thomas Engel sagt: «Das ist ein ganz besonderes Objekt, welches sich von anderen Bauten unterscheidet. Es soll etwas Nachhaltiges entstehen. Die Fassade mit den strukturierten Betonelementen wird an den Vorgängerbau erinnern. Die Geschichte der Mühle lebt weiter. Die Komplexität in der Planung gefällt mir.»

Noch bis am Montag liegt das Projekt öffentlich auf und kann im Rickenbacher Gemeindehaus eingesehen werden. Wird es Einsprachen geben? «Ich kann es nicht einschätzen», sagt Engel. Vorstellbar ist aber, dass die Sache trotz grosser Dimension schlank durchgeht. Denn eine wichtige Hürde ist bereits im Herbst 2015 problemlos übersprungen worden. Damals war die Änderung des Gestaltungsplans für jenes Gebiet öffentlich aufgelegt und hatte keine Einsprachen provoziert.

Trotzdem verzögert sich der Umbau um ein paar Monate. Statt wie einst geplant bereits in diesem Jahr erfolgt der Baustart nun voraussichtlich im Frühjahr 2018. Dies mit gutem Grund. «Weil das Projekt so komplex ist, wurde es von einem Fachgremium begleitet. Wir nehmen uns lieber genug Zeit, um dann etwas Einmaliges und Nachhaltiges zu errichten», sagt Engel. Obwohl das Vermietungsprozedere noch nicht begonnen hat, gibt es für die Wohnungen laut dem Projektleiter bereits Interessenten. Bevor diese den Blick nach Wil, über die Thurau und zum Säntis schweifen lassen können, hat Rickenbach während gut zweier Jahre die höchste Baustelle der Region. Auf eine Sprengung der alten Gebäude wird verzichtet.

Ganz oben, in der Silostube, ist die Situation so, dass sie nach dem Umbau nur einer «qualifizierten Öffentlichkeit» zur Verfügung steht, wie es Engel formuliert. Will heissen, dass man sie nicht für private Anlässe wird mieten können, sie aber für ausgewählte Veranstaltungen zugänglich sein wird. «Für die Mieter der umgebenden Wohnungen ist es angenehmer, wenn nicht allzu viel Betrieb herrscht», sagt Engel. Die Intensität der Nutzung der Silostube bleibt somit gleich wie bisher.

Der Umbau kostet rund 25 Millionen Franken

Auf dem zu überbauenden Areal mitten im Dorf steht zurzeit noch ein Wohnhaus, in welchem bis vor Kurzem zwei Parteien wohnten. Laut Engel konnten beide Mieter bereits wieder Wohnungen in Rickenbach finden und der Umzug ist erfolgt.

Es lässt sich somit sagen: Gehen bis nächsten Montag keine Einsprachen ein, steht der Erteilung der Baubewilligung nichts mehr im Weg. Rund 25 Millionen Franken wird die Firma Eberle Nafag AG Immobilien in der Folge investieren, um der grössten und höchsten Rickenbacher Industriebrache neues Leben einzuhauchen – und der Hinterthurgau erhält bald sein erstes Hochhaus.