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RICKENBACH: Die Rechnung ging nicht auf

Fast die Hälfte aller Kindergärtler spricht ungenügend deutsch. Die Primarschule wollte dies mit zusätzlichen Lektionen ändern – auf Kosten der Eltern. Doch das Bundesgericht stellte sich quer.
Simon Dudle
Wandschmuck im Rickenbacher Primarschulhaus: Über 40 Prozent der Schüler haben keinen Schweizer Pass. (Bild: PD)

Wandschmuck im Rickenbacher Primarschulhaus: Über 40 Prozent der Schüler haben keinen Schweizer Pass. (Bild: PD)

Simon Dudle

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Deutschkenntnisse sind eine Grundvoraussetzung, um dem Schulunterricht folgen zu können. In Rickenbach gibt es deshalb, wie in anderen Thurgauer Schulgemeinden, das Fach «Deutsch als Zweitsprache». Gesamthaft belegen im laufenden Schuljahr 58 Kinder dieses Fach – also nahezu 30 Prozent aller Schüler. Im Kindergarten liegt der Anteil mit 48,3 Prozent gar noch markant höher. Oder anders formuliert: Fast jeder zweite Rickenbacher Kindergärtler spricht ungenügend Deutsch.

Geteilte Meinungen gab es bei der Frage, wer diese zusätzlichen Lektionen zu zahlen hat. Im Fokus stehen vor allem jene Kinder, die in der Schweiz aufgewachsen sind, somit bis Schulantritt schon mehrere Jahre Zeit hatten, um Deutsch zu lernen, aber trotzdem ohne diese Sprachkenntnisse eingeschult werden.

Für die Primarschule war dies Grund genug, die Eltern in die Pflicht zu nehmen. Die Kosten von 300 Franken pro Semester wurden ihnen auferlegt. Eltern, deren Kinder vor dem Kindergarteneintritt die Sprachspielgruppe besucht hatten, erhielten einen Rabatt von 25 Prozent. «Der Schule ging es vor allem darum, die Erziehungsberechtigten zu motivieren, damit die Kinder beim Kindergarteneintritt Deutsch können», sagt Primarschulpräsident Leo Haas.

Zwei Rekurse gegen die Kostenbeteiligung

Auf Beginn dieses Schuljahres ist diese Regelung eingeführt worden. Die Rechnung wurde verschickt, wenn folgende Bedingungen erfüllt waren: Das Kind ist in der Schweiz geboren und ein Elternteil hat einen Schweizer Pass. Oder ein Elternteil lebt seit mindestens zehn Jahren in der Schweiz. Oder ein Elternteil hat selbst in der Schweiz die Schule besucht. Aufgrund dieser Kriterien erhielten zwölf Eltern von Kindern im ersten Kindergartenjahr eine Rechnung.

Doch die Rechnung ging für die Primarschulbehörde in doppelter Hinsicht nicht auf. Einerseits reichten zwei Eltern Rekurs ein. Andererseits befand das Bundesgericht Anfang Dezember, dass für diese zusätzlichen Deutschlektionen nicht die Eltern belangt werden dürfen. Die Rechnungen waren aber im November verschickt worden, und manche Eltern hatten den Betrag bereits überwiesen. Da die Rekurse noch nicht behandelt waren, wurde beschlossen, die gesamte erstmalige Kostenbeteiligung der Erziehungsberechtigten zu sistieren. Bereits einbezahlte Beträge wurden zurückerstattet. «Alle Eltern sollen in dieser Angelegenheit gleich behandelt werden», begründet Leo Haas.

51 Nationalitäten in Rickenbach

Menschen aus 51 Nationen wohnen in Rickenbach. Die Ausländerquote wird immer höher. Im vergangenen Jahrzehnt ist sie um sechs Prozentpunkte auf 36,8 Prozent gestiegen; der zweithöchste Wert im Thurgau. Dies spürt die Rickenbacher Primarschule, wo der Ausländeranteil aktuell bei 41,3 Prozent liegt. «Das sind Kinder ohne Schweizer Pass. Faktisch ist der Anteil Kinder ohne Deutsch als Muttersprache grösser, da viele Personen mit diesem Hintergrund eingebürgert worden sind. Für die Schule sind sie die gleiche Herausforderung wie jene Schüler ohne Schweizer Pass», sagt Haas.

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