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RICKENBACH: Die Alp ruft

Kurt Gubser ist die gute Seele seines Dorfes. Ende Mai geht der Gemeindearbeiter in Pension – nach über 40 Jahren beim gleichen Arbeitgeber. Der Gemeinde bleibt er dennoch erhalten.
Roman Scherrer
Kurt Gubser, wie ihn die Rickenbacher kennen: gutgelaunt bei der Arbeit. (Bild: Donato Caspari)

Kurt Gubser, wie ihn die Rickenbacher kennen: gutgelaunt bei der Arbeit. (Bild: Donato Caspari)

Roman Scherrer

roman.scherrer@thurgauerzeitung.ch

Er hatte vier Gemeindepräsidenten als Vorgesetzte. Er hat miterlebt, wie aus der Munizipalgemeinde die Politische Gemeinde Rickenbach hervorging, und wie sich die Einwohnerzahl des Dorfes mehr als verdoppelt hat. Ende Mai wird Kurt Gubser pensioniert – nach über 40 Jahren als Gemeindearbeiter in Rickenbach. Nie habe er in dieser Zeit daran gedacht, eine andere Stelle anzutreten. «Es war einfach schön, ich hatte immer so viel Abwechslung.»

Er habe immer den Vorteil gehabt, dass er sehr selbstständig arbeiten konnte. «Ich musste meine Arbeit stets selbst sehen.» In Rickenbach ist Gubser unter anderem für das Ablesen der Wasser- und Stromzähler, den Strassen- und Gebäudeunterhalt sowie die Wasserversorgung zuständig. Der bald 65-Jährige ist aber auch sonst überall im Einsatz, wo Hilfe benötigt wird. «Mit der Zeit sind immer mehr Aufgaben dazugekommen», berichtet Gubser. Als Gemeindeweibel stellt der gelernte Käser zudem den Einwohnern heute noch persönlich die Abstimmungscouverts oder das Mitteilungsblatt zu. «Eine schöne Arbeit. Meinem Nachfolger habe ich gesagt, er solle sie unbedingt beibehalten.»

Vorgänger ehrenamtlich unterstützt

Kurt Gubsers Vorgänger war hauptberuflich Bauer. Ihn unterstützte Gubser regelmässig ehrenamtlich bei den Gemeindeaufgaben. «Als ich ihm einmal half, das Thurlinden-Schulhaus für eine Veranstaltung einzurichten, sagte er mir: ‹Das ist ein Job für dich, wenn ich dann einmal nicht mehr bin›», erzählt Gubser. «Ich antwortete: ‹So einen Seich mache ich sicher nicht›.»

Eines Tages, im Winter 1976, rief ihn die Frau des Bauers an. Sie berichtete, dass ihr Mann in der vergangenen Nacht verstorben sei und bat Gubser, zu prüfen ob Winterdienst-Arbeiten nötig seien. «Ich habe mich für drei Wochen darum gekümmert», so Gubser. Dann rief ihn der damalige Gemeindeammann Cyrill Rogg zu sich ins Büro. Dieser wollte sich erkundigen, wer für die ganze ehrenamtliche Arbeit zuständig ist und wollte Gubser dafür finanziell entschädigen. «Als man 1977 das Gemeindehaus gebaut hatte, hiess es, dass es für die Arbeit eine Vollzeitstelle geben würde», berichtet Kurt Gubser. Pro forma musste er sich auf die Stelle noch bewerben, welche er am 1. April 1978 offiziell angetreten hatte.

Aus seiner langjährigen Tätigkeit hat Kurt Gubser viel zu berichten. So habe er bei einer Frau während Jahren immer um 11.30 Uhr den Stromzähler ablesen dürfen. «Während ich zum Zähler ging, hat sie jeweils den Tisch mit einer weissen Serviette und zwei Apéro-Gläsern gedeckt. Anschliessend haben wir zusammen einen Cynar getrunken.» Die Aufgabe, die Zähler abzulesen, ist mit der Zeit durch die Technologie der Fernablesung immer mehr verschwunden – und die Begegnungen dadurch weniger geworden. «Ich vermisse das», sagt Gubser. «Zu den Leuten hatte ich immer ein sehr gutes Verhältnis.» Anders kann man es sich bei dem sympathischen und offenherzigen Mann auch kaum vorstellen.

Grosse Verdankung beim Jubiläum

Vergangene Woche organisierte das Verwaltungspersonal eine Feier zu Kurt Gubsers 40-Jahr-Dienstjubiläum. «Ich wusste vorher nur, dass ich am Freitag bereitstehen soll», sagt er. Auf einem Sofa im Anhänger des Kommunalfahrzeugs wurde er durch die Gemeinde chauffiert. Dabei besuchte der bald 65-Jährige viele Leute, mit denen er jeweils beruflich zu tun hatte. Von allen Seiten erhielt er Dank für seine Arbeit zugesprochen. «Das war wirklich sehr schön.»

«Für meine Gemeinde», steht auf dem Rücken von Kurt Gubsers Arbeitskleidung. Nach diesem Motto lebt er. So bewohnt der Vater zweier erwachsener Söhne mit seiner Frau eine Wohnung im Gemeindehaus. Und als weiteren Job erledigt er dort die Hauswarts-Arbeiten. Im Juni verlässt er das Haus für zwei Monate. Nicht etwa für einen ausgedehnten Strandurlaub. «Ich gehe z’Alp, bei Iseltwald am Brienzersee», sagt Gubser, der auch sonst oft und gerne in Bauernbetrieben aushilft. Der Gemeinde Rickenbach bleibt er jedoch erhalten. Ab August arbeitet er wieder für ein Jahr mit einem 20-Prozent-Pensum. «Ich werde unter anderem grössere Wasserprojekte betreuen.» Auch sonst rechnet er künftig mit genügend Arbeit. Pensionierung bedeutet für Kurt Gubser nicht Ruhestand. «Nichts tun ist auch nichts.»

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