Rheinufer: Kies statt Mauer

Spaziergänger wundern sich über orangefarbene Stecker im Rheinufer. Dahinter steckt nicht ein Projekt für die Kunst, sondern eines für die Natur.

Gudrun Enders
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Marker für Messung: Dieser Uferabschnitt wird zwar komplett vermessen, aber nicht überall muss renaturiert werden. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Marker für Messung: Dieser Uferabschnitt wird zwar komplett vermessen, aber nicht überall muss renaturiert werden. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Diessenhofen/Gailingen. In intensivem Orange stechen Markierungen aus dem Uferkies heraus. Sie zeigen, dass das Ufer unterhalb von Gailingen neu vermessen wird. Den Auftrag dazu erteilte das Kraftwerk Schaffhausen. Das sagt Peter Hunziker, Bau- und Projektleiter des Uferunterhalts. Mit den Messungen werden Grundlagen geschaffen, um eine Renaturierung zu planen. Die Schaffhauser sind überhaupt bis Diessenhofen und Gailingen für den Uferunterhalt zuständig, weil das Wasser, bedingt durch das Kraftwerk, so weit zurückstaut.

An dieser Stelle unterhalb von Gailingen – im Gebiet Kohler – befinden sich private Badeplätze, oft mit betoniertem Ufer. «Diese Mauern dürfen nicht mehr repariert werden», sagt Hunziker. Denn in Deutschland greife ein neues Gewässerschutzgesetz. Deshalb dürften nur noch solche Uferverbauungen instand gesetzt werden, die eine wichtige Funktion hätten, wie etwa der Schutz einer Strasse oder eines Hauses.

Selbst betoniert und geflickt

Einige Badeplatzbesitzer vom Gebiet Kohler halfen sich aber selbst und betonierten eigenhändig. «Da existiert zum Teil Wildwuchs», sagt Hunziker. Inzwischen erhielten die Eigentümer ein Schreiben von der zuständigen deutschen Behörden, das über die aktuelle Rechtslage informierte. Das Kraftwerk tüftelt zurzeit an Lösungen, wie das Rheinufer im Kohler statt mit harter Verbauung mit naturnahem Schutz umgestaltet werden kann. «Dabei arbeiten wir eng mit den deutschen Behörden und auch der Fischereiaufsicht zusammen», sagt Hunziker.

Der Eisvogel geht vor

Nicht immer stossen die Ideen aus der Kraftwerk-Küche auf Wohlgefallen: Unterhalb der privaten Badeplätze erstreckt sich ein steiles Naturufer, das das Kraftwerk vor etwa 20 Jahren mit einem Kiesflachufer sichern wollte, damit der Hang nicht abrutscht. Aber eine deutsche Naturschutzorganisation wehrte sich erfolgreich, da der Eisvogel in solchen Wänden brütet. «Wir prüfen zurzeit mit den deutschen Behörden, ob wird allenfalls doch die Erosion stoppen und ein Abrutschen des Steilhanges verhindern müssen», sagt Hunziker.

Renaturierungen auf deutscher Seite zahlt auch nicht allein das Kraftwerk, auch der deutsche Staat finanziert mit. So wie etwa in der Gailinger Badi. Die erste Renaturierungsetappe ist abgeschlossen, die zweite folge im kommenden Winter, sagt Hunziker. Ein weiteres Renaturierungsprojekt ist auch in Büsingen geplant.

Ehrenrunde wegen Bunker

Ebenso warten auf Schweizer Seite Renaturierungen auf ihre Umsetzung: In der Badi unterhalb des Katharinentals sollen ebenfalls die Betonmauern abgerissen und ein flaches naturnahes Kiesufer geschüttet werden. Die Projektidee ging auf Anregung der Diessenhofer Pontoniere und Fischer zurück, die sich gegen ein renaturiertes Badiufer im eigenen Städtchen sträubten und einen Versuch im Katharinental anregten. Dieser Uferabschnitt befindet sich in Staatseigentum. «Das Projekt lag auf, und es gab keine Einsprachen», sagt Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserbau im Amt für Umwelt.

Doch dann tauchte die Idee auf, zusätzlich den Bunker dort abzureissen. Das verursachte eine Ehrenrunde. Baumann ist sicher, dass im Herbst aber renaturiert wird, verbunden mit dem teilweisen Rückbau des Bunkers.

Vorher: So sah das Rheinhölzle bei Büsingen lange aus.

Vorher: So sah das Rheinhölzle bei Büsingen lange aus.

Nachher: Das renaturierte Rheinhölzle mit Kiesstrand statt Mauer. (Bilder: pd)

Nachher: Das renaturierte Rheinhölzle mit Kiesstrand statt Mauer. (Bilder: pd)