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RHEINKLINGEN: Ein Mann, zwei rechte Hände

Geri Frei aus Rheinklingen spielt zum fünften Mal beim Steiner Freilichtspiel «No e Wili» mit. Das ist längst nicht alles. Der «150prozentige Handwerker» schuf viele Bühnenbilder und noch mehr Requisiten.
Gudrun Enders
«En garde!»: Bei zwei Aufführungen des «No e Wili» kämpfte Geri Frei noch mit dem Schwert. Wie genau, das zeigt er in seiner Werkstatt. (Bild: Andrea Stalder)

«En garde!»: Bei zwei Aufführungen des «No e Wili» kämpfte Geri Frei noch mit dem Schwert. Wie genau, das zeigt er in seiner Werkstatt. (Bild: Andrea Stalder)

RHEINKLINGEN. Der Schwurbrief liegt auf dem Schreibtisch. Den wird Geri Frei als Stadtschreiber beim Steiner Freilichtspiel vorlesen. Den Text im mittelalterlichen Schriftbild will er auf alt wirkendes Pergamentpapier kopieren und mit Siegeln versehen. Damit die Siegel möglichst echt wirken, drückt er eine seiner Medaillen, die er als Pistolenschütze errungen hat, ins heisse Wachs. «Das erkennt keiner auf die Entfernung», sagt Frei.

Der 69-Jährige steht zum fünften Mal beim «No e Wili» auf der Bühne. Er ist eine feste Grösse – so fest, dass die meisten Mitwirkenden denken, er lebt in Stein am Rhein. Doch Geri Frei ist zwar im schaffhausischen Klettgau geboren und aufgewachsen, doch vor 40 Jahren im Thurgauer Rheinklingen heimisch geworden. Zunächst wohnte er mit seiner Familie zur Miete über dem Volg-Laden, den seine Frau führte. Als der Laden aufgegeben wurde, kauften sie die Liegenschaft.

Elektriker, Hafner, Plattenleger

Zum ersten Mal stand Geri Frei 1986 auf der Freilichtbühne des «No e Wili». Er spielte Bantli Rüttimann, einen hegauisch gesinnten Steiner Bürger. «Es hat aber alles viel früher angefangen», sagt Frei. Als Jugendlicher schuf er sein erstes Bühnenbild für eine Abendunterhaltung. Damals stand er auch schon auf der Bühne. Es war die Zeit, als er Elektriker lernte. «Ich musste», sagte. «Das war damals so.» Er arbeitete zunächst bei den SBB, wechselte zu einem grossen Elektrogeschäft nach Zürich. Später absolvierte er eine zweite Ausbildung als Hafner und Plattenleger. «Ich habe schon viel gemacht», sagt Frei, der sich selbst als 150prozentigen Handwerker mit zwei rechten Händen bezeichnet. Dann lief er 1983 Edlef Bandixen über den Weg, der das «No e Wili» aus der Versenkung holen wollte. Lange lag die letzte Aufführung von 1957 zurück. Als OK-Präsident hauchte Bandixen dem Festspiel neues Leben ein.

Geri Frei stand kämpfend auf der Bühne, die er mit zusammengeschraubt hatte. Bei der nächsten Aufführung zeichnet Geri Frei schon fürs Bühnenbild verantwortlich. Er bewahrt noch einen Dankesbrief von OK-Präsident Bandixen auf, der ihn als geistigen Vater des Kulissenbaus lobt und als Planer und Zeichner, Schreiner und Zimmermann, Schlosser und Schmied, Gipser und Maler würdigt. «Man kann sich gar nicht vorstellen, etwas Ähnliches je ohne Dich machen zu können», schreibt Bandixen. Es verwundert nicht, dass Bandixen, damals Geschäftsleiter der Steiner Stuhlfabrik, das Multitalent Frei anstellte.

Ein aufwendiges Hobby

Die letzten 20 Arbeitsjahre verbrachte Geri Frei in der Unterhaltswerkstatt der Firma Unipektin in Eschenz. Auch sein Arbeitgeber unterstützte ihn in seinem aufwendigen Hobby. Denn nicht nur das «No e Wili» konnte sich eine Kulisse ohne Geri Frei nicht mehr denken. Auch die Kulisse für das Freilichtspiel «Fridebüüte» in Winterthur baute er, für den «Dorfmais» in Eschenz oder für «Mord an Bord» in Stein am Rhein. Für diese Produktion erstellte Frei mit seiner Crew einen Dampfer mit Salon, zehn Meter breit, 16 Meter lang. Wie immer alles ehrenamtlich. Jetzt hat sich Geri Frei zurückgezogen; die Gesundheit lässt zu wünschen übrig. Er denkt zurück und sagt: «Ich hab's immer gern gemacht.»

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