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RHEIN: Immer noch gefährlich: Die Drehwiffe dreht zu wenig

Um Unfälle mit Fahrwasserzeichen zu verhindern, hat das Schaffhauser Tiefbauamt einen Eichenpfahl durch ein Stahlrohr mit Drehkörper ersetzt. Der Versuch wird abgebrochen. Die Gefahr ist nicht kleiner geworden.
Thomas Wunderlin
Ein Boot blieb an einer Wiffe hängen; die Insassen mussten ans Ufer schwimmen. (Bild: PD/Kapo Thurgau/27. Juli 2012)

Ein Boot blieb an einer Wiffe hängen; die Insassen mussten ans Ufer schwimmen. (Bild: PD/Kapo Thurgau/27. Juli 2012)

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

Die 41-jährige Frau konnte nur noch tot geborgen werden. Als Mitglied einer zehnköpfigen Gruppe verunfallte sie am 1. August 2012 in einem Schlauchboot auf dem Rhein bei Diessenhofen. Oberhalb des Weilers Schupfen kollidierte das Boot mit einem Fahrwasserzeichen, einer sogenannten Wiffe. Die übrigen neun Insassen konnten sich retten.

Unfälle mit Wiffen geschehen häufig. Nicht alle werden der Polizei gemeldet. Beim Schupfen befindet sich eine der gefährlichsten Stellen zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein, da hier die Fliessgeschwindigkeit besonders hoch ist.

Meist bleibt ein Boot an einem der 50 Eichenpfähle zwischen Büsingen und Öhningen hängen. Der Wasserdruck ist manchmal zu gross, als dass die Insassen ihr Boot wieder flott machen können. Besonders schwierig wird es bei Schlauchbooten, die sich beinahe um die Wiffe wickeln. Manche Schwimmer stützen sich mit den Füssen voran an einer Wiffe auf. Rutschen sie ab, können sie sich in den Zwischenräumen zwischen der Wiffe und ihren Vorgängern die Beine verklemmen. Denn unterhalb einer Wiffe stehen unter der Wasseroberfläche üblicherweise die Stummel der Wiffe, die früher an diesem Ort standen.

Studenten überlegen sich etwas Neues

Etwa alle 10 oder 15 Jahre endet ein Unfall tödlich, sagt Roland Schwarz. Der Gewässeraufseher und Projektleiter im Schaffhauser Tiefbauamt hat zwei Ordner voll mit Korrespondenz zu Vorschlägen, wie Wiffen weniger gefährlich gemacht werden könnten. Nach jedem tragischen Ereignis werde wieder darüber diskutiert. Der tödliche Unfall von 2012 war der Anlass, beim Schupfen versuchsweise ein Stahlrohr mit einem schwimmenden Drehkörper als Fahrwasserzeichen zu verwenden. Studenten der Fachhochschule Winterthur (ZHAW) entwarfen die Drehwiffe, die im März 2014 beim Schupfen als Fahrwasserzeichen Nummer 67 aufgestellt wurde. «Junge Leute sollten mal neue Ideen entwickeln», sagt Schwarz.

Doch der Versuch wird nun beendet, teilte das Tiefbauamt diese Woche mit. Der Entscheid ist in Absprache mit dem Kanton Thurgau und dem Landratsamt Konstanz gefällt worden. Auch die Drehwiffe ist gefährlich, erklärt Projektleiter Schwarz. Anfangs war der Drehkörper so angebracht, dass er nur zwanzig Zentimeter ins Wasser tauchte. So gelangten Kajaks, Kanus und Schwimmer unter den Drehkörper. Das ergab eine Umfrage bei Schiffskapitänen, Fischern und andern Rheinfahrern. «Auch Schwimmer, die sich mit Füssen vorantreiben lassen, hat es darunter genommen», sagt Schwarz.

Nach zwei Jahren hatte er deshalb einen neuen Drehkörper montieren lassen, der 130 Zentimeter tief ins Wasser ragte. Seither können Kajaks und Schwimmer nicht mehr darunter gespült werden. Doch der Drehkörper dreht sich kaum noch. «Die Drehfreudigkeit hat markant nachgelassen.» Die Boote bleiben ebenso daran hängen wie an den Eichenpfählen.

Die Drehwiffe besteht aus einem neun Meter langen Stahlrohr mit dreissig Zentimeter Durchmesser, das drei Meter in den Boden gerammt wurde. Der Drehkörper hat einen Durchmesser von 150 Zentimetern. Er ist über zwei Gleitlager mit dem Stahlrohr verbunden, je ein Lager über Wasser und eines unter Wasser. In den Gleitlagern dreht sich ein Hartkunststoffring auf einer stählernen Unterlage. Je höher der Wasserdruck steigt, desto grösser wird der Reibungswiderstand.

Stahlwiffen halten viel länger als Eichenpfähle

Eine Drehwiffe kostet pro Stück etwa 15'000 Franken, nicht eingerechnet sind die Entwicklungskosten. Eine Eichenwiffe gibt es für 1000 Franken. Wobei eine verzinkte Stahlwiffe bis zu 80 Jahre hält, schätzt Schwarz. «Eine normale Eichenwiffe ist nach zwölf bis fünfzehn Jahren durch.»

Nächste Woche wird der Schwimmkörper der Drehwiffe abmontiert. Das Stahlrohr bleibt als normales Fahrwasserzeichen stehen. Ein Modell für die Zukunft sieht Schwarz trotz der tieferen Unterhaltskosten nicht. «Es gäbe Einsprachen.» Natur- und Heimatschützern würden den Ersatz der traditionellen Eichenpfähle durch kalten Stahl verhindern wollen.

Zeichen zeigen Fahrrinne an

Am Bodensee heissen sie Seezeichen, am Rhein ist Fahrwasser- oder Schiffahrtsszeichen passender. Die grüne Seite der hochkant stehenden grünweissen Quadrate zeigt die Fahrrinne der Kursschiffe an. Auf der weissen Seite lauern seichte Stellen. Der Kanton Schaffhausen ist für den Unterhalt der Fahrwasserzeichen am Rhein zwischen Büsingen und Öhningen zuständig. Die Kosten tragen Schaffhausen, Thurgau und Baden-Württemberg zu je einem Drittel. Das Tiefbauamt Schaffhausen prüft jeweils im Herbst den Zustand der Wiffen, auf denen die Zeichen angebracht sind. Im März werden die Eichenpfähle bei Bedarf ersetzt. Diese sind zwischen sechs und zwölf Meter lang und ragen 2,5 bis 3 Meter über die Wasserfläche. Die alten Pfähle werden abgeschnitten. In Zukunft sollen sie herausgezogen werden. Manchmal haften sie jedoch zu fest im Boden. (wu)

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