REUTI: Ein Bauer schweigt im Tierhalteverbot

Und wieder ist ein Thurgauer Bauernhof in den medialen Fokus gerückt. Es war gar von einem zweiten "Gammelhof" die Rede. Laut Behörden ist formal alles korrekt.

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Dieser landwirtschaftliche Betrieb in Reuti steht nun auch im medialen Fokus. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Dieser landwirtschaftliche Betrieb in Reuti steht nun auch im medialen Fokus. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Der Grossvater war Bauer. Der Vater war Bauer. Er ist Bauer – und seine schwieligen Hände können kräftig zugreifen. Das spürt, wer sie drückt.

Am Mittwoch ist die Medienwelt über den Bauernhof hereingebrochen. Die Tageszeitung «Blick» berichtete auf ihrer Frontseite von einem zweiten Tierskandal. «Schon wieder! Wieder im Thurgau. Wieder passiert nichts. Wieder versagen dieselben Behörden.» Stichwort: Gammelhof.

Der Kanton hat den Hof erst letzte Woche kontrolliert. Dies habe gezeigt, «dass die Haltung tierschutzkonform ist», wie Walter Hofstetter vom Infodienst sagt. Der Bauer indes stand schon einmal wegen Tierquälerei vor Gericht. Unsere Zeitung hat darüber in einer Reportage im Frühling 2015 berichtet. Im Strafbefehl stand: Die Einstreu im Kuhstall sei «sumpfartig mit Kot und Harn durchtränkt» – Tierquälerei durch Vernachlässigung, hat der Staatsanwalt konstatiert. Die Kälber hätten nicht genug Wasser gehabt. Der Zuchtstier sei apathisch und mager und krank gewesen.
 

Dreckige Tiere, mit Kot verseuchtes Futter

Das Gericht hat den Bauern damals von diesen Vorwürfen freigesprochen. Es verhängte aber eine 300-Franken-Busse wegen Urkundenfälschung. «Ich bin kein Tierquäler», hatte der Bauer vor Gericht gesagt. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits mit einem totalen Tierhalteverbot belegt. Seit dem Jahre 2002 sei es immer wieder zu Beanstandungen gekommen – angezeigt hatte diese der Thurgauische Tierschutzverband: Die Tiere seien «nass und dreckig», das Futter sei mit kotverseuchter Streu verunreinigt gewesen. 2010 waren die Mängel auf dem Hof offensichtlich «derart gravierend», dass das Veterinäramt eingeschritten war.

Die TZ berichtete 2012: Das Bundesgericht bestätigt das Vorgehen der kantonalen Behörden. Deswegen war der Bauer gezwungen, den Betrieb zu verpachten. Das tat er. An seinen Neffen. «Der mit dem Tierhalteverbot belegte Bauer ist nicht der Tierhalter, sondern sein Neffe», teilt Hofstetter auf Anfrage mit. Die Tiere würden aber vom Bauern betreut. Ist die Verpachtung nur ein sogenanntes Buebetrickli, um das Tierhalteverbot zu umgehen? Der Kanton sagt: «Es gibt keine Vorschrift, die eine Verpachtung an einen anderen Tierhalter verbietet.»

Der Grossvater war Bauer, der Vater auch. Er aber beruhigt heute nur seinen Hund, weil der dauernd anschlägt: Ruhe, Senta. Mit Menschen redet er heute am liebsten über gar nichts.

 

Peter Exinger

peter.exinger@thurgauerzeitung.ch