Rettungsring für den Wärmering

Die Werkbetriebe Frauenfeld übernehmen das Leitungsnetz der Wärme Frauenfeld AG. Die Stadtwerke Winterthur finanzieren die einzelnen Heizzentralen. Mit dieser vorgeschlagenen Strategie soll der Wärmering eine Zukunft haben.

Mathias Frei
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Ruedi Huber Stadtrat, Departement für Werke/Freizeitanlagen/Sport (Bild: Nana do Carmo)

Ruedi Huber Stadtrat, Departement für Werke/Freizeitanlagen/Sport (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. «Rettung ist ein etwas drastischer Ausdruck», sagt Stadtrat Ruedi Huber. Gleichwohl ist es ob der finanziellen Probleme gewissermassen eine Rettungsstrategie für die Wärme Frauenfeld AG (WFAG), die der Stadtrat dem Gemeinderat vorschlägt. «Die Stadt setzt weiterhin auf die Fernwärmetechnologie. Wir glauben fest daran, dass der Frauenfelder Wärmering langfristig auch wirtschaftlich gewinnbringend wird», erklärt Huber als Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Die entsprechende Medienmitteilung der Werkbetriebe trägt den Titel «Umweltschonende Wärmeerzeugung langfristig sichern». Und die Werke, die in Hubers Departement daheim sind, werfen denn auch dem Wärmering den Rettungsring entgegen – in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Winterthur.

Hitzige Debatte im Gemeinderat

Das Problem der Wärme Frauenfeld AG sei die langfristige Perspektive – bis sich die AG selber trage, sagt Stadtrat Huber. Dass sich die WFAG in finanzieller Schieflage befindet, ist seit diesem Sommer bekannt. Anfang Juli war der stadträtliche Bericht zur Wärme-AG im Gemeinderat Gegenstand teils hitziger Diskussionen.

Im Zentrum steht auch heute noch die Anzahl der Anschlüsse an den Wärmering, die unter Erwarten liegt. Erst ein Drittel der möglichen Areale ist erschlossen. Die tiefen Öl- und Gaspreise halten von einem Umstieg ab. Die öffentliche Hand muss sparen, zusätzliche Investitionen von dieser Seite bleiben aus. Das führt zu ständigen Liquiditätsproblemen – auch angesichts des verhältnismässig tiefen Aktienkapitals von gesamthaft 625 000 Franken.

Die vom Stadtrat vorgeschlagene Strategie sieht vor, dass die Werkbetriebe die Wärmering-Zentrale bei der ARA sowie das Leitungsnetz übernehmen. Diese Infrastruktur steht bereits. Dafür erhält die WFAG fünf Millionen Franken – ein Betrag, der mithilft, aus der schlechten Liquidität herauszukommen. Die fünf Millionen müssen aber noch vom Gemeinderat bewilligt werden.

Den anderen Teil des Tafelsilbers, nämlich die Heizzentralen in den angeschlossenen Liegenschaften, übernehmen die Winterthurer Werke. Anlagen für 1,4 Millionen Franken sind bereits erstellt. Das soll auch der Übernahmebetrag sein. Bis 2025 sollen alle potenziell möglichen Areale zwischen ARA und Badi am Wärmering hängen. Stadtrat Huber geht davon aus, dass die Stadtwerke Winterthur insgesamt rund acht Millionen Franken in die Erstellung von Heizzentralen investieren. Die WFAG soll als reine Vertriebsgesellschaft weiterbestehen.

Ab 2021 jährlicher Gewinn

Der Businessplan der Werkbetriebe sieht vor, dass der Fünf-Millionen-Investitionskredit als eine Art Vorfinanzierung durch die Anschlussgebühren bis 2025 auf 1,7 Millionen Franken sinkt. Schon um die Jahre 2021 bis 2023 herum rechnen die Werkbetriebe erstmals mit einem Gewinn von 100 000 Franken jährlich. Dieser soll später noch steigen. Aktuell rechnen die Werke aber noch mit einem Rückschlag von 70 000 Franken pro Jahr. Da das Netz nicht mehr der WFAG gehört, muss diese die Netznutzung den Werkbetrieben abgelten.

Konkurs auch ein Szenario

Die vorgeschlagene Strategie ist eine von acht Varianten, die der Stadtrat genauer unter die Lupe nahm. Die andere Variante, die in die Kränze kam, sah so aus, dass die AG aufgelöst und das Unternehmen von den Werkbetrieben übernommen wird. Andere Szenarien wären eine AG-Auflösung und Übernahme durch die Winterthurer Werke oder auch ein möglicher Konkurs der AG gewesen.

Laut Stadtrat Huber spricht für die vorgeschlagene Strategie, dass die finanziellen Verpflichtungen so aufgeteilt werden. Die Stadtwerke Winterthur verfügten bereits über grosse Erfahrungen im Betrieb von Heizzentralen, dem sogenannten Contracting. Bei den Werkbetrieben hingegen müsste eine solche, nur für Frauenfeld unrentable Abteilung erst aufgebaut werden. Zudem könnten öffentliche Körperschaften günstiger Geld bei den Banken beschaffen als eine AG. «Und nicht zuletzt stellt diese Strategie auch eine Chance für die Werkbetriebe dar, sich in diesem Bereich der Wärmeversorgung weiterzuentwickeln», sagt Huber.