Rettungsdienste sollen gleich viel kosten

Die verschiedenen Rettungsdienste im Kanton haben unterschiedliche Tarife. Das bekommen Patienten zu spüren, wenn sie einen Selbstbehalt an die Ambulanzkosten zahlen müssen. Die Tarife sollen jetzt vereinheitlicht werden.

Christof Widmer
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Hinter der Nummer 144 stecken im Thurgau mehrere Rettungsdienste. (Bild: Andreas Sommer)

Hinter der Nummer 144 stecken im Thurgau mehrere Rettungsdienste. (Bild: Andreas Sommer)

Frauenfeld. Wer zum Beispiel nach einem Herzinfarkt mit dem Rettungswagen ins Spital eingeliefert wird, kann eine böse Überraschung erleben. Die Krankenkassen übernehmen in solchen Fällen maximal 50 Prozent der Ambulanzkosten. Den anderen Teil muss der Patient bezahlen. Das kann in die Hunderte von Franken gehen.

«Viele Leute wissen nicht, dass das kostet», sagt Harry Huber, Koordinator Rettungswesen im Thurgau. Es komme darum vor, dass sich Patienten beschweren. Über dieses Thema wollen die Rettungsdienste am nationalen 114-Tag (siehe Kasten) darum besonders informieren.

Kein Selbstbehalt bei Unfällen

Denn es ist nicht Schuld des Kantons, dass der Patient einen Teil der Kosten von Rettungseinsätzen zahlen muss. Den Selbstbehalt sieht das Krankenversicherungsgesetz vor. «Glück» hat, wer verunfallt ist. Dann kommt die Unfallversicherung zum Zug, die keinen Selbstbehalt kennt.

Wie hoch die Rechnung des Rettungsdienstes ausfällt, hängt unter anderem von der zurückgelegten Distanz, der Dauer und dem Verbrauchsmaterial ab sowie davon, ob auch ein Notarzt nötig ist. Verrechnet wird zudem eine Pauschale von 130 Franken an den Betrieb der kantonalen Sanitätsnotrufzentrale. Mit Notarzt könne ein Einsatz schnell einmal 1600 Franken kosten, sagt Huber.

Die Kosten begründet Huber damit, dass die einzelnen Rettungsdienste selbsttragend arbeiten müssen. «Der Betrieb eines Rettungswagens kostet 1,2 Millionen Franken im Jahr», rechnet Huber vor.

Was aber unter transportierten Patienten schon für böses Blut gesorgt hat, sind die unterschiedlichen Tarife der Rettungsdienste. Neben den Rettungsdiensten der Spital Thurgau AG in Frauenfeld und Münsterlingen sind auch der private Rettungsdienst Weinfelden und der Rettungsdienst des privaten Herz-Neuro-Zentrums in Kreuzlingen an die Sanitätsnotrufzentrale angehängt. Je nach- dem, welcher Dienst einen Patienten holt, kann die Rechnung unterschiedlich ausfallen. Beispielsweise rechnet die Spital Thurgau AG viertelstündlich ab, während das Herz-Neuro-Zentrum eine Stundenpauschale hat.

Unterschiede fallen ins Gewicht

Die Unterschiede können zum Teil ins Gewicht fallen, sagt Huber. Darum strebt der Kanton eine Vereinheitlichung der Tarifstruktur an. So sollen künftig alle Rettungsdienste im 15-Minuten-Takt abrechnen. Die Tarife für gleiche Leistungen sollen sich nur noch in einer engen Bandbreite bewegen.

Diesen Plänen steht das Herz-Neuro-Zentrum offen gegenüber, wie Martin Costa, Delegierter des Verwaltungsrats erklärt. Unter gleichen Rahmenbedingungen seien die gleichen Kostenansätze sinnvoll. Voraussetzung sei aber Transparenz darüber, ob und wie einzelne Rettungsdienste quersubventioniert werden. Unter dem Strich seien die Preisunterschiede der Dienste sowieso nicht gross. Keinen Kommentar gab der Rettungsdienst Weinfelden.

Für Einheitstarife ist die Patientenstelle Ostschweiz. «Wenn die Leistungen gleich sind, müssen auch die Tarife gleich sein», sagt Stellenleiterin Astrid Burtscher.