Rette sich bloss nicht, wer kann!

Murgspritzer

Samuel Koch
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Da soll noch einer den Durchblick behalten. Erneuerung der SBB-Fahrleitungen hier, Totalsperrungen der Wiler-Bähnli-Strecke da, Strassen-Baustellen und Umleitungen dort. Für Verkehrsteilnehmer bringen die Sommermonate nicht nur Segen in Form von eitel Sonnenschein. Um Frauenfeld herum dominiert der Fluch, Schweissperlen auf der Stirn, hornende Lastwagen, hupende Autos und Hände verwerfende Velofahrer.

Zuerst fluchen alle über die unsäglichen Baustellen. Jetzt trifft es auch die Passagiere des öffentlichen Verkehrs, und zwar heftig! SBB-Regionalzüge nach Winterthur fallen aus, auf den Schienen zwischen Frauenfeld und Wil geht gar nichts mehr. Und wenn dann noch die Thurtallinie nach Weinfelden tagelang gesperrt wird, bleibt dem Pendler die Spucke weg. Des einen Leid, des anderen Freud: Busunternehmen geniessen wegen des Einsatzes vieler Ersatzbusse Hochkonjunktur. Problem gelöst – von wegen. Überall Strassenarbeiter, die pickeln, baggern, asphaltieren.

Viele verreisen in die Ferien. Dabei heisst es lieber: Rette sich bloss nicht, wer kann! Wer für seine Steuergelder etwas erleben will, kommt in diesen Tagen voll auf seine Kosten. Am besten lässt sich das Schauspiel von sich ärgernden Verkehrsteilnehmern zu Fuss verfolgen. Und wer privilegiert wohnt, kann sich ranzenbräunend mit kühlem Blonden in der Hand auf den Balkon setzen, den Grill anwerfen und geniessen. Ganz nach dem Motto: «Schadenfreude ist die schönste Freude.» Aber aufgepasst vor zu viel Gas oder Brennsprit: Die Feuerwehr muss die Baustellen ebenfalls zeitintensiv umfahren.

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch