Respekt und Andacht vor den Bäumen

Basadingen-Schlattingen Die Bürgergemeinde ist 2016 mit dem Binding-Waldpreis geehrt worden, dem höchstdotierten Umweltpreis der Schweiz. Rund 300 Besucher feierten die Auszeichnung vor Ort – in ihrem Wald.

Therese Schurter
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«Weniger ist mehr – Suffizienz als Schlüssel zum Erfolg», das wird im Bürgerwald Basadingen-Schlattingen schon seit vielen Generationen gelebt. Ein grosser Dank für die Weit- und Vorsicht wurde deshalb auch immer wieder an die Förster und Verantwortlichen der früheren Generation ausgesprochen. Und nun ist der Gewinn des Binding-Waldpreises die Anerkennung für eine Waldpflege, bei welcher der Erhalt von Altbäumen über dem wirtschaftlichen Profit steht.

Zur offiziellen Feier am vergangenen Samstag begrüsste Präsident Willi Itel die mehreren hundert Interessierten zum Waldrundgang. Umrahmt wurde die Feier von einer Festwirtschaft, betrieben vom Freiwilligen Schiessverein Basadingen und der musikalischen Unterhaltung der Brassband Schlattingen.

«Schuldlos an Baisse der Holzindustrie»

Revierförster Walter Ackermann wollte zuerst gleich ein Missverständnis klären: innert Minuten nach Bekanntgabe des Preisträgers habe die Holzindustrie negativ reagiert. «Doch wir können versichern, so viel wie wächst wird auch genutzt. Alles andere wäre Raubbau.» Den hohen Vorrat an Holz hätten sie in den vergangenen 15 Jahren auf das ideale Mass senken können. Er sei überzeugt, dass ein Wald mit diesen Bedingungen mehr Wachstum aufweisen könne. Das bestärke das Team, auf dem richtigen Weg zu sein. Man wolle weiterhin ein hohes Niveau der Waldfunktionen wie Waldnutzung und Biodiversität erreichen, aber auch der Schutz für gutes Trinkwasser soll beibehalten werden.

Jeder, der dem Revierförster zuhörte, merkte, wie er für «seinen Wald» lebt. Er schwärmte von der Buche mit der grossen Krone, die eine unbezahlbare Harmonie ausstrahle, oder von der umgefallenen Eiche, die einen extrem hohen ökologischen Wert habe, biete sie doch ein Mikroklima für die verschiedensten Lebewesen und Pflanzen. Neben dem Wort Harmonie fielen auch immer wieder andere Worte: Respekt und Andacht vor Alter und Grösse der Bäume.

Seitenhieb an Frühfranzösisch-Debatte

Und Ackermann ist sicher, dass auch sein Nachfolger Simon Pachera dem Wald Sorge tragen wird. Dieser wird ihn die nächsten fünf Jahre mit und neben Ackermann bis zu dessen Pensionierung betreuen.

Carl Bindiger, Vizepräsident der Binding-Stiftung, freute sich, den 30. Waldpreis zum zweitemal im Thurgau zu vergeben. In seiner Ansprache liess er auch französische Sätze einfliessen, was als Seitenhieb an die Thurgauer Frühfranzösisch-Debatte verstanden werden durfte, «die nun glücklicherweise nochmals überdacht werde». Eine aktive Denkpause auferlege sich die Binding-Stiftung mit Sitz in Basel gleich selber, da sie beschlossen hat, den Waldpreis nun das letztemal zu vergeben. Wofür und wer die Preise in Zukunft erhalte, sei noch offen.

Symbolisch überreichte er Willi Itel den Medienspiegel, ein dickes Exemplar rund um die Preisvergabe, ehe Revierförster Walter Ackermann mit den Worten schloss: «Ich möchte gerne in 100 Jahren nochmals mit Ihnen hier stehen und sehen können, wie sich jeder Baum entwickelt hat.»