Reka-Dorf: Euphorie hält sich in Grenzen

KREUZLINGEN. Altnau und Kreuzlingen sind schon länger als Standort für ein Feriendorf der Schweizer Reisekasse im Gespräch. Nun hat sich Tessiner Konkurrenz dazugesellt. Das beunruhigt die Gemeinden nicht. Denn zumindest Altnau will das Dorf nicht um jeden Preis.

Michèle Vaterlaus
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In Urnäsch gibt es bereits ein Reka-Feriendorf. (Bild: Ralph Ribi)

In Urnäsch gibt es bereits ein Reka-Feriendorf. (Bild: Ralph Ribi)

50 Ferienwohnungen mit 300 bis 400 Betten. Gemeinschaftsräume und weitere Infrastruktur für die Begegnungen und Aktivitäten der bis zu 7000 Gäste jährlich. Ein bis zwei solche Feriendörfer will die Schweizer Reisekasse (Reka) in den nächsten Jahren bauen, und zwar an einem Schweizer See. In der engeren Auswahl für einen Standort stehen zwei Gemeinden in der Romandie, aber auch die Thurgauer Gemeinden Altnau und Kreuzlingen. Nun hat sich auch Konkurrenz aus dem Tessin dazugesellt (Thurgauer Zeitung vom 24. Juli). Während die Thurgauer Regierung bereits signalisiert hat, dass sie Interesse an einem solchen Dorf hätte – zumindest hat sie ein zinsloses Darlehen gesprochen, wenn ein allfälliges Projekt im Thurgau realisiert würde – ist zumindest eine der auserwählten Gemeinden zurückhaltender. Hans Feuz, der Gemeindepräsident von Altnau, sagt zwar: «Wir stehen einem solchen Projekt offen gegenüber.» Schliesslich habe sich die Gemeinde vor Jahren darum bemüht, dass ein Feriendorf in der Gemeinde entstehen kann. Sie sei auch auf die Reka zugegangen. Doch um jeden Preis will die Behörde das Feriendorf nicht ermöglichen.

Altnau müsste investieren

Bei der Reka sei es nämlich üblich, dass Gemeinden, in denen ein solches Projekt realisiert wird, ein Risikokapital beitragen. «Das kommt für den Altnauer Gemeinderat nicht in Frage», sagt Feuz. «Wir sind der Ansicht, dass es nicht die Aufgabe der öffentlichen Hand ist, ein privates Unternehmen zu finanzieren», begründet er. Die Gemeinde würde aber voraussichtlich einen anderen Beitrag leisten. Entscheidet sich die Reka nämlich für den Standort Altnau, dann müsste die Gemeinde die Infrastruktur ausbauen. «Der Badeplatz ist nicht auf so viele Gäste ausgerichtet. Die sanitären Anlagen müssten beispielsweise ausgebaut werden.» Notwendig sei wohl auch eine Unterführung zum See. «Die Reka will schliesslich ein Dorf am See. Der zur Verfügung stehende Standort liegt aber oberhalb der Bahngeleise.» Der Ausbau der Infrastruktur wäre der Beitrag der Gemeinde an das Reka-Feriendorf. «Im Endeffekt müsste aber das Volk entscheiden, ob es diesen Beitrag leisten will.»

Synergien nutzen

Andreas Netzle, Stadtpräsident von Kreuzlingen, betont, dass es in Sachen Reka-Dorf bei der Stadt keine Beschlüsse gebe. Doch der Stadtrat, der Eigentümer des gefragten Landes, und die Reka seien in Kontakt und hätten schon diverse Gespräche geführt. Ebenfalls wurde bereits eine Vorstudie über die Realisierbarkeit des Dorfes auf dem Areal Seezelg, nahe dem Freibad Hörnli, gemacht. Für Kreuzlingen könnte das Reka-Dorf interessant sein, weil zu einem solchen auch jeweils ein Hallenbad gehöre. «Da könnte man Synergien nutzen», sagt Netzle. Denn Kreuzlingen wolle ein Hallenbad. In Frage käme der Standort Seezelg, also jener, wo das Reka-Dorf entstehen könnte. Das könnte einerseits noch stärker für diesen Standort sprechen, andererseits für die Reka das Bauprojekt günstiger und damit wahrscheinlicher machen. Das wäre dann eine indirekte Beteiligung der Stadt, die dann im Gegenzug mehr Eintritte ins Bad hätte.