Reich dank Autobahnanschluss

Die Gemeinden mit der einkommensstärksten Bevölkerung befinden sich im Einzugsgebiet der A7 und der A1. Schnellstrassen könnten für den Thurgauer Osten eine positive wirtschaftliche Entwicklung haben.

Caspar Hesse
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FRAUENFELD. Beim Medianeinkommen liegt der Thurgau auf Platz 9 aller Kantone, beim Durchschnittseinkommen auf Platz 13 und beim Gini-Koeffizienten auf Platz 22. Das heisst, dass der Thurgau über verhältnismässig wenig ganz einkommensstarke Personen verfügt und dass die Einkommensverteilung so gleich ist wie in kaum einem anderen Kanton der Schweiz (siehe Kasten). Nur gerade Schaffhausen, Glarus, Aargau und Uri verfügen über einen tieferen Gini-Koeffizienten. Uri hat den tiefsten Wert mit 0,383, Zug den höchsten mit 0,663, gefolgt von Schwyz, Genf und Wallis. Für den Thurgau liegt der Wert bei 0,422.

Das Durchschnittseinkommen liegt im Thurgau bei gut 62 000 Franken. Spitzenreiter ist Zug mit über 133 000 Franken, Schlusslicht das Wallis mit etwas über 48 000 Franken. Beim Medianwert liegt der Thurgau bei über 51 000 Franken. Führend ist auch hier Zug mit mehr als 63 000 Franken, am Ende der Skala liegt wieder das Wallis mit knapp 39 000 Franken. Dabei kann sich das Forscherteam, bei dem auch die St. Galler Professorin Monika Bütler dabei ist, erst auf Zahlen von 2011 stützen.

BTS und OLS als Motoren

Bei den Medianeinkommen fällt auf, dass sich die reicheren Gemeinden tendenziell im Westen befinden (Grafik). Jakob Rütsche, der Amtsvorsteher der kantonalen Steuerverwaltung, führt dies auf die Verkehrsanbindung als «zentrales Element» zurück. Besonders die Autobahnen A7 und A1 (Hinterthurgau) hätten einen grossen Einfluss, findet Rütsche. Daraus kann man folgern, dass BTS und OLS für die wirtschaftliche Entwicklung grosse Bedeutung hätten: «In Amriswil läuft nicht viel», ist Rütsches Fazit für die jetzige Lage.

Betrachtet man den Gini-Koeffizienten, siedeln sich die Reichen vornehmlich am Bodensee an. Praktisch alle Gemeinden weisen einen hohen Wert auf. Das heisst aber nicht, dass alle Gemeinden reich sind, wie man auch an der Steuerkraft sehen kann. Überdurchschnittlich hohe Einkommen werden in Bottighofen, Salenstein und Ermatingen versteuert, verhältnismässig schwach sind Steckborn, Tägerwilen, Kreuzlingen und Güttingen. Sehr schwach sind Romanshorn und Arbon.

Reich dank Einfamilienhäusern

Überdurchschnittlich hohe Medianwerte haben neben den reichen Bodenseegemeinden Bottighofen und Salenstein auch Gachnang, Warth-Weiningen, Stettfurt und Roggwil. Gachnangs Gemeindeammann Matthias Müller führt die Attraktivität seiner Gemeinde auf die gute Infrastruktur und die gute Verkehrslage zurück. «Der tägliche Bedarf ist bei uns im Dorf noch völlig abgedeckt.» Seine «typische Agglomerationsgemeinde» verfüge über relativ wenig Mehrfamilienhäuser mit einem guten Ausbaustandard.

Auch Warth-Weiningens Gemeindeammann Hans Müller verweist auf die hohe Einfamilienhausdichte in seiner Gemeinde. Stettfurts Gemeindeammann Thomas Gamper sieht für seine Gemeinde «eine gute Situation beim hohen Mittelstand», dazu ein «intaktes Dorf mit Einkaufsmöglichkeit». Laut Gemeindeammann Gallus Hasler hat Roggwil wenig günstigen Wohnraum und nur ganz wenige Mehrfamilienhäuser. Das Freizeitangebot und die Vereinstätigkeit seien gross.

«Es gilt das Steuergeheimnis»

Die höchsten Gini-Werte weisen die Bodenseegemeinden Bottighofen, Salenstein, Ermatingen und Mammern auf. Nur Mammern wird noch von Warth-Weiningen überholt. Dort befindet sich Peter Spuhlers Wohnsitz. Hinter den Spitzenreitern folgt – noch vor Gottlieben, Berlingen, Lommis und Münsterlingen – Zihlschlacht-Sitterdorf. «Wir fühlen uns nicht als Sonderfall», sagt Frau Gemeindeammann Heidi Grau-Lanz. «Wir haben ein paar gute Steuerzahler und sind finanziell recht gut aufgestellt, aber schöne Steuererträge können immer volatil sein.» Sie wisse nicht und wolle auch nicht wissen, ob es einzelne ganz Reiche in ihrer Gemeinde gibt, «denn es gilt das Steuergeheimnis».