Region spricht beim Endlager mit

Die Gemeinden, die von einem geplanten Endlager betroffen sind, vertreten ihre Anliegen in Regionalkonferenzen. Die Region Diessenhofen, obwohl doppelt betroffen, konzentriert sich allerdings auf ein Gremium. Das hat seinen Grund.

Gudrun Enders
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Radioaktiver Müll soll in grosser Tiefe für immer lagern. Für solch ein Endlager kommen sechs Standorte in der Schweiz in Frage. Bei diesen Plänen sprechen nun auch die betroffenen Gemeinden mit – in sogenannten Regionalkonferenzen. Die Region Diessenhofen trifft es gleich zweimal: Ein Endlager ist in Zürich Nordost – besser bekannt unter Benken oder Weinland – geplant, ein anderes im Südranden. Also müsste die Region Diessenhofen auch in den beiden zugehörigen Regionalkonferenzen vertreten sein.

Doch die Thurgauer engagieren sich vor allem mit dem Weinland. «Wir wollen dort gut vertreten sein, wo es am wichtigsten ist», sagt der Schlatter Gemeindeammann Kurt Engel. Denn im Weinland soll hochradioaktiver Abfall gelagert werden, im Südranden nur mittel- oder schwachaktiver. Ausserdem ist Schlatt als Standortgemeinde im Weinland direkt betroffen. «Es ist auch eine Frage der personellen Ressourcen», sagt Engel, der selbst in der Leitungsgruppe sitzt.

Wer sich gemeldet hat

Morgen Samstag tagen die 100 Mitglieder der Regionalkonferenz Zürich Nordost zum zweiten Mal, die Oberhäupter der drei betroffenen Thurgauer Gemeinden sind alle dabei. Am Samstag werden die Vertreter der Fachgruppen gewählt. Der Diessenhofer Stadtammann Walter Sommer nennt die Freiwilligen aus der Region: Für die Fachgruppe Sicherheit hat sich Ärztin Marianne Rüedi aus Diessenhofen gemeldet, für die Oberflächenanlagen der Diessenhofer Architekt Roman Giuliani sowie Petra Berger-Hausen aus Schlatt. Über die sozio-ökonomischen Auswirken wollen der Diessenhofer Urban Brütsch, Marianne Frei als Frau Vize-Gemeindeammann aus Schlatt und der Basadinger Gemeindeammann Peter Mathys Bescheid wissen.

Mathys setzt sich mit seiner neuen Zusatzaufgabe schon einmal auseinander: «Es geht in der Regionalkonferenz um die Frage, wo der sicherste und beste Standort für ein Tiefenlager ist. Es geht also nicht darum, sich gegen ein Tiefenlager zu sperren, wenn es vor die eigene Haustüre kommen soll.» Auch werde in der Regionalkonferenz nicht etwa über einen Atomausstieg diskutiert. «Das behindert nur unsere Arbeit.»

Der Thurgauer Weg

«Die Thurgauer Regierung bezieht klar die Haltung, konstruktiv daran mitzuarbeiten, den besten Standort für ein Endlager der Schweiz zu finden», sagt Jürg Hertz. Der Chef des Amtes für Umwelt hat die Gründung der Regionalkonferenzen begleitet: «Jetzt müssen die Regionen ihre Anliegen vertreten.»

Treten die Thurgauer zu leise auf? Jedenfalls wehren sich die Schaffhauser gegen die Endlagerpläne laut und deutlich. «Der Kanton Schaffhausen hat die gesetzliche Grundlage dazu geschaffen», weiss Kurt Engel. «In Schaffhausen hat die Politik den gesetzlichen Auftrag, gegen die Endlager zu sein.» Im Thurgau existiert solch ein Gesetz nicht. Die Gemeinden verfolgen eine andere Strategie: «Wir wollen sachlich diskutieren», sagt Engel. Denn am Schluss entscheide die ganze Schweiz. Dann schiebt Engel noch nach: «Das Schönste wäre schon, das Endlager käme gar nicht.»

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