REGION: Menorca hat ein Stück Ohr ab

Auch im Thurgau verwildern Katzen. Dass sie sich in der Wildnis unkontrolliert vermehren, ist ein Problem. Der Tierschutzverein Steckborn fängt sie ein und lässt sie kastrieren.

Rahel Haag
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Die verwilderte Katze Menorca ging dem Tierschutzverein Steckborn in die Katzenfalle. Zum Zeichen, dass sie kastriert ist, hat ihr ein Tierarzt die äusserste Spitze des linken Ohrs entfernt. (Bild: PD)

Die verwilderte Katze Menorca ging dem Tierschutzverein Steckborn in die Katzenfalle. Zum Zeichen, dass sie kastriert ist, hat ihr ein Tierarzt die äusserste Spitze des linken Ohrs entfernt. (Bild: PD)

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Streunende Katzen kennt man vor allem von Ferienaufenthalten in südlichen Gefilden: Zerzauste Fellknäuel, die durch die Gegend ziehen und um Futter betteln. Auch im Thurgau gibt es wilde Hauskatzen, allerdings leben sie scheu und unbehelligt in Wald und Flur. Weil die meisten nicht kastriert sind, können sie sich unkontrolliert vermehren.

Der Tierschutzverein Steckborn versucht dem schon seit Jahren mit Kastrationsaktionen entgegenzuwirken. Der Verein stellt zu diesem Zweck sogenannte Katzenfallen auf. «Dabei handelt es sich um Boxen, die wir mit Futter ausstatten», sagt Viviane Läub­li, verantwortlich für das Ressort Katzen. Die verwilderten Katzen werden eingefangen, anschliessend zum Tierarzt gebracht und kastriert. «Danach entlassen wir sie wieder in die Wildnis.» Die kastrierten Tiere bekommen eine Markierung. Dazu wird ihnen unter Sedierung die äusserste Spitze des Ohrs abgeschnitten und die Jahreszahl ins Ohr tätowiert. «Die Einsätze machen wir aber nur, wenn wir eine Meldung über einen Bestand erhalten», sagt Läubli. Die Meldungen kämen einerseits oftmals von Landwirten, andererseits aber auch von Leuten, die eine Beobachtung gemacht hätten.

«Wir haben etwa 200 Bauernhöfe»

Verwilderte Katzen gebe es in der Regel bei Landwirten. Je grösser ein Bestand werde, desto eher wanderten die Tiere ab. Anschliessend verwilderten sie irgendwo. «Dann kann man auch nicht mehr sagen, wem dass sie gehören.» Das Gebiet des Tierschutzvereins ist gross und vor allem ländlich. Es umfasst insgesamt elf Gemeinden. Am Untersee reicht es von Salenstein bis Wagenhausen, im Süden endet es in Pfyn. «Wir haben etwa 200 Bauernhöfe – vielleicht sogar mehr.» Daher sei die Situation unübersichtlich. Zudem gebe es jedes Jahr wieder neue Bestände.

Vor einer Aktion werde, beispielsweise mit dem Landwirt, das Gespräch gesucht. Manche unterstützen den Tierschutzverein, indem sie die Katzenfallen kontrollieren und die Tiere zum Tierarzt fahren. «Andere sind uneinsichtig», sagt Läubli. Da könne man nichts machen. «Wir ziehen nicht einfach los und kastrieren irgendwelche Katzen.» Bei den Aktionen komme es auch mal vor, dass sich eine Hauskatze in die Falle verirre. Gepflegte Katzen würden jedoch umgehend freigelassen. Dass ein Wildtier in eine Falle gerät, hat Viviane Läub­li in den zehn Jahren, in denen sie dabei ist, noch nie erlebt. «Eine Kollegin hatte mal ­einen Igel in einer Katzenfalle», sagt sie und schmunzelt.

Finanziell machen die Aktionen einen der grössten Beträge auf der Ausgabenseite des Vereins aus. Der Schweizer Tierschutz leiste zwar einen Beitrag, doch vor allem die Tierarztkosten und die Fahrspesen würden zu Buche schlagen. Denn: Die Katzenfallen müssen zwei bis dreimal täglich kontrolliert werden.

Melden von Beständen Beobachtungen können dem Tierschutzverein Steckborn unter 076 336 20 41 gemeldet werden.

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