Regierung will mehr Frauen auf Kaderstufe

ST. GALLEN. Die St. Galler Sozialdemokratin und Kantonsrätin Claudia Friedl will es vor ihrem Sprung nach Bern – sie tritt die Nachfolge von Hildegard Fässler im Nationalrat an – noch einmal wissen: Sie fordert die St.

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ST. GALLEN. Die St. Galler Sozialdemokratin und Kantonsrätin Claudia Friedl will es vor ihrem Sprung nach Bern – sie tritt die Nachfolge von Hildegard Fässler im Nationalrat an – noch einmal wissen: Sie fordert die St. Galler Regierung auf, rechtliche Grundlagen zu schaffen, damit mindestens 40 Prozent der Kaderstellen in der Staatsverwaltung von Frauen besetzt werden.

Noch immer benachteiligt

«Frauen sind beim Erklettern der Karriereleiter immer noch benachteiligt», hält Claudia Friedl fest. Der Frauenanteil auf der Vorgesetztenstufe liege in der st. gallischen Staatsverwaltung bei 22 Prozent. In den höchsten Lohnklassen seien gerade einmal 9,7 Prozent Frauen auszumachen. Und im Kantonsgericht sitze gar nur eine einzige Richterin. Damit Frauen in den Kaderpositionen von Verwaltungen und in der Privatwirtschaft endlich besser vertreten seien, brauche es Quoten, ist Claudia Friedl überzeugt.

In der Stadt Bern und im Kanton Basel-Stadt seien Motionen eingereicht worden, die diese für die Verwaltung fordern; in Zürich sei ein Vorstoss in Vorbereitung. «Es macht sich nämlich die Einsicht breit, dass in all den Jahren des Abwartens nichts passiert ist», sagt Claudia Friedl.

Teilzeit im Kader die Ausnahme

Die Regierung geht im Grundsatz mit Claudia Friedl einig: «Frauen sind im Kader der st. gallischen Staatsverwaltung untervertreten.» Und weiter: «Trotz verschiedener Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, Kaderpositionen ausgewogen mit Männern und Frauen zu besetzen.»

592 Mitarbeitende mit Vorgesetztenfunktion zählt die Staatsverwaltung (Stand: Herbst 2012); davon sind 131 Frauen oder 22 Prozent. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 den Frauenanteil auf 30 Prozent zu erhöhen – und sie will in zwei Jahren auch überprüfen, ob das Ziel dannzumal erreicht ist.

99 Mitarbeitende mit Vorgesetztenfunktion (17 Prozent) arbeiten Teilzeit, davon 54 Frauen. «Darin», so die Regierung, «spiegelt sich die Tatsache, dass Teilzeit und Jobsharing auf Kaderstufe innerhalb der Verwaltung eher die Ausnahme als die Regel sind.»

Gegen fixe Quote

Die Forderung nach einer gesetzlich verankerten Quote für Frauen im Kader, so wie sie die Motion verlangt, sei «zwar verständlich», werde aber auch kontrovers beurteilt – «nicht zuletzt aus Frauenkreisen, welche die Problematik der Quotenfrauen als Gegenargument anführen». Die Regierung macht auch keinen Hehl daraus, dass sie diese Bedenken teilt. Und weiter: «Eine gesetzliche Normierung wäre nicht nur wenig flexibel, sondern auch problematisch, wenn es um die Durchsetzbarkeit und um mögliche Sanktionen bei Nichteinhaltung geht.» Die Regierung mag deshalb auf den Vorstoss von Claudia Friedl gar nicht erst eintreten. Regula Weik