Regierung weist Änderungen im Sprachengesetz zurück

Die Kantonsregierung will nichts von gesetzlich verankertem Französischunterricht in der Primarschule wissen.

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«Mit aller Deutlichkeit» lehnt der Thurgauer Regierungsrat die drei Vorschläge des Bundesrates zur Änderung des Sprachengesetzes ab. Dies schreibt er in seiner Vernehmlassungsantwort an den Bund. Er sehe die Beibehaltung der föderalistischen Organisation des Volksschulwesens und der aktuellen Fassung des Sprachengesetzes als einzig gangbaren Weg. Die Ablehnung hat einen klaren Grund: Mit der Abschaffung des Frühfranzösisch würde der Thurgau die Vorgaben des Bundes nicht einhalten.

Mit einer Gesetzesänderung wolle der Bundesrat den Kantonen vorschreiben, dass der Unterricht einer zweiten Landessprache in der Primarschule beginnen muss, hält der Regierungsrat fest. Dafür unterbreitet Bundesrat Alain Berset in seinem Schreiben zur Vernehmlassung drei Varianten. Variante 1 will, dass die zweite Landessprache spätestens ab der 5. Primarklasse unterrichtet werden muss. Variante 2 sähe eine Verankerung des Modells 3/5 des Harmos-Konkordates (erste Fremdsprache ab dem 3. Schuljahr, zweite Fremdsprache ab dem 5. Schuljahr) im Sprachengesetz vor. Und Variante 3 sieht eine gesetzliche Verankerung vor, die vorschreibt, dass der Unterricht einer zweiten Landessprache in der Primarschule beginnen und bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit dauern muss.

«Die Beibehaltung ist der einzig gangbare Weg»

Der Regierungsrat lehnt jedoch sämtliche Varianten ab. Stattdessen ist er der Meinung, dass der starken regionalen Prägung, den unterschiedlich gewachsenen Strukturen und der Viersprachigkeit der Schweiz Rechnung getragen werden müsse. Daher sollte eine weitere Auslegung möglich sein, die für das Fach Französisch die vorgegebene Zielerreichung am Ende der Volksschule als wesentlich beurteilt und dafür das Primarschulfranzösisch als nicht unbedingt zwingend erachtet.

Wiederholt betont der Regierungsrat, dass ihm der Zusammenhalt der Schweiz, die Durchlässigkeit des Bildungswesens sowie die Pflege der Landessprachen im Allgemeinen und der harmonisierte Sprachenunterricht im Besonderen zentrale Anliegen sind. Die Erfüllung des Bildungsauftrages habe aber unbedingt auf die kantonalen und regionalen Strukturen und Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, weshalb die Schulhoheit der Kantone zwingend beibehalten werden müsse, schreibt der Regierungsrat. Im Kanton Thurgau sei nie in Frage gestellt worden, auf den Französischunterricht zu verzichten. Es werde lediglich der Zeitpunkt des Beginns hinterfragt. Oberstes Ziel sei es nach wie vor, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler die obligatorische Schulzeit mit den im Lehrplan beschriebenen grundlegenden Französischkenntnissen abschliessen. Damit dies erfüllt werden kann, erachtet der Regierungsrat die Beibehaltung der aktuellen Fassung von Artikel 15 des Sprachengesetzes als einzig gangbaren Weg. (red.)