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Reformierte wollen über Sexualität reden

Mit einer Motion wollen Delegierte der evangelisch-reformierten Kantonalkirche St. Gallen die Diskussion über Ehe, Familie, Partnerschaft und Sexualität lancieren. Sie hoffen, dass sich daraus eine offizielle Haltung der Kirche samt Empfehlungen entwickelt.
Marion Loher
Barbara Damaschke-Bösch Evangelische Pfarrerin und St. Galler Kirchenrätin (Bild: pd)

Barbara Damaschke-Bösch Evangelische Pfarrerin und St. Galler Kirchenrätin (Bild: pd)

ST. GALLEN. Die Traktandenliste ist lang. 20 Punkte gilt es für die Abgeordneten der evangelischen Kantonalkirchen an der morgen beginnenden dreitägigen Versammlung in der Kartause Ittingen abzuarbeiten. Dabei dürfte ein Traktandum besonders zu reden geben: die Motion der St. Galler Delegierten. Darin geht es um «Familie, Ehe, Partnerschaft und Sexualität aus Sicht der Reformierten». Ein brisantes wie aktuelles Thema.

Letzte Schriften über 20 Jahre alt

«Ich hoffe doch sehr, dass unser Vorstoss zu reden gibt», sagt Barbara Damaschke-Bösch. Die Pfarrerin aus Hemberg ist Kirchenrätin der evangelisch-reformierten Kantonalkirche St. Gallen und hat den Anstoss für die Motion gegeben. «Es ist Zeit, dass sich die reformierte Kirche wieder einmal grundlegend mit den Themen Familie, Ehe, Partnerschaft und Sexualität beschäftigt», sagt sie. Die letzten grösseren Schriften des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) zu diesen Themen sind mehr als 20 Jahre alt, etwa jene über die Fortpflanzungsmedizin und Humangenetik (1990) oder über die Ehe und Familie für homosexuelle Paare (1995). Seither hat sich viel verändert. «Es sind zwar immer wieder kleinere Berichte und Stellungnahmen bei Abstimmungen zu verschiedenen einzelnen Themen erschienen», sagt Damaschke. «Eine umfassende Grundlage, auf die sich die Kantonalkirchen bei der Erarbeitung ihrer Ziele oder bei Abstimmungspositionen stützen können, liegt bislang aber nicht vor.» Dies soll sich mit der Motion ändern.

Sie verlangt, dass eine Arbeitsgruppe eingesetzt wird, die sich mit den genannten vier Themen auseinandersetzt. Dabei sollen laut Damaschke Fragen diskutiert werden wie: Was für ein Familienbild hat die evangelisch-reformierte Kirche? Wie steht man zu verschiedenen Formen der Partnerschaft? Wie ist die Haltung zu Homosexualität? Ziel ist es, dass der Rat des SEK den Abgeordneten in zwei Jahren über die Erkenntnisse berichtet. «Daraus könnte sich dann eine offizielle Haltung samt Empfehlungen und Leitlinien entwickeln», so Damaschke.

Themen jetzt diskutieren

Für den Kirchenrat der St. Galler Kantonalkirche ist zunächst einmal wichtig, dass es eine breite Diskussion gibt. Eine solche habe nämlich bislang innerkirchlich nicht stattgefunden, sagt Damaschke. Dies befremde umso mehr, weil im ökumenischen Kontext derartige Fragen derzeit intensiv behandelt würden. Beispiele seien die römisch-katholische Familiensynode 2015, die Schriften der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) oder die Fragen, mit denen sich die anglikanische Kirche beschäftigen müsse, führt die Kirchenrätin auf. «Damit wir im ökumenischen Dialog die eigene Haltung einbringen können, ist eine grundlegende Behandlung solcher Fragestellungen unumgänglich.»

Dazu kommt, dass auch auf politischer Ebene derartige Themen aktueller denn je sind, wie es die nationale Abstimmung über die Initiative «Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe» gezeigt hat. «Wir kommen um eine vertiefte Auseinandersetzung nicht herum.» Die erste soll jetzt stattfinden.

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