REFORMATION: Über Konfessionsgrenzen hinweg füreinander da sein

Gemeinsam feierte die Evangelische Landeskirche des Kantons Thurgau das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation in der evangelischen Kirche Weinfelden. Es wehte ein konfessionsverbindender Geist für ein verantwortungsvolles Zusammenleben.

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Gestalteten den Festgottesdienst zum 500. Jahrestag der Reformation: Pfarrerin Sarah Glättli, SEK-Ratspräsident Gottfried W. Locher, Kirchenratspräsident Wilfried Bührer. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Gestalteten den Festgottesdienst zum 500. Jahrestag der Reformation: Pfarrerin Sarah Glättli, SEK-Ratspräsident Gottfried W. Locher, Kirchenratspräsident Wilfried Bührer. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Zwei weithin sichtbare Portale mit den 95 Thesen luden am Montagabend zur Zeitreise. Und die burgartige Architektur der evangelischen Kirche symbolisierte Luthers Choral «Eine feste Burg ist unser Gott». Orgelklänge, im Strom der Freude gespielt durch Organist Daniel Walder, hiessen die grosse Festgemeinde, darunter Thurgauer Regierungs-, Stände- und Nationalräte sowie Verantwortungsträger aus beiden Landeskirchen willkommen.

Kirchenratspräsident Wilfried Bührer wies in seiner Ansprache auf die Bedeutung der Bodenseeregion und des Thurgaus in der Reformation hin. Von Anfang an habe man in dieser Region stark an den theologischen Debatten teilgenommen, Luther, Zwing­li, Glaubenswahrheit, Leben und Vernunft ins richtige Licht gesetzt. Besonders im 19. Jahrhundert ­seien intensive Diskussionen um den rechten Glauben aufgeflammt, und das Thurgauer Bekenntnis gefestigt worden. Es gebe heutzutage viel Leid und Unrecht, deshalb sei es wichtig, füreinander da zu sein über konfessionelle Grenzen hinweg.

Auf Verständigung und Respekt für eine humane Weltgesellschaft basierten die Worte von Festredner Pfarrer und Theologe Gottfried W. Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). «Ich habe noch nie vor einem beschlussfähigen Regierungsrat geredet», sagte Locher zu Beginn mit Blick in die hochkarätige Festgemeinde und bedankte sich für den herzlichen Empfang im Thurgau.

Gottfried Locher: «Geld ist nicht Geist»

Er blendete auf die Wirklichkeit der Reformation. «Reformation heisst Erneuerung und erneuern kann man nur, was es schon gibt.» Denn was für uns heute ist, verdanken wir vielen Menschen der Vergangenheit, ist deren Werk und Arbeit. «Wir haben allen Grund dankbar zu sein», betonte Locher. Er liess die äussere Welt nicht ausser acht, räumte ein, dass die Kirche finanziell ziemlich stabil dastehe, wohlgenährt sei. «Geld ist nicht Geist», sagte er und stellte die Frage in den Raum: «Wo ist ihr Herz?». Irdische oder himmlische Schätze? Aber man müsse sich vor Augen halten: «Wer kein Geld hat, kann auch nichts Gutes tun, denn von Luft und Liebe lebt niemand, nicht einmal die Kirche.» Auch Pfarrerin Sarah Glättli aus Erlen, jüngste Pfarrerin in der Ostschweiz, legte den Finger auf die Verantwortung. Dass unterschiedliche Konfessionen gut aufeinander zugehen, ist ihr ein Anliegen. Sie rief zu Mut auf.

Die stimmliche Frische des Chors und die Begleitung durch das ad-hoc-Orchester bildeten die klanglichen Glaubensgewissheiten. Die Uraufführung der Neukomposition «Wach auf, ’s ist hohe Zeit» bewegte die Festgemeinde. Unter der Leitung von Dirigent Albert Hartkamp zeigte der Kirchenchor Neukirch an der Thur und das ad-hoc-Orchester sowie der Organist ihr Können. Eigens für den Gottesdienst zur 500-Jahr-Feier hat Musikpädagoge Ruedi Keller aus Neukirch das Reformationslied von Ambrosius Blarer neu arrangiert.

Margrith Pfister-Kübler

thurgau@thurgauerzeitung.ch