Reden über Sterben und Tod

Pfarrerin Esther Walch Schindler lud am Vortag von Allerheiligen auf den Aadorfer Friedhof. Tod und Sterben als Tabuthemen zu verdrängen, sei nicht der richtige Weg – gerade der Friedhof sei der Ort, dies nicht zu tun.

Christoph Heer
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Teilnehmerinnen am Rundgang durch den Aadorfer Friedhof tauschen sich aus. (Bild: Christof Heer)

Teilnehmerinnen am Rundgang durch den Aadorfer Friedhof tauschen sich aus. (Bild: Christof Heer)

AADORF. «Die Grabsteine werden immer individueller. Nicht selten werden auf ihnen die Berufe oder Hobbies der Verstorbenen projiziert.» Die evangelische Pfarrerin Esther Walch Schindler zog am Samstagmorgen die gut zwanzig Besucherinnen und Besucher auf dem Aadorfer Friedhof von Beginn weg in ihren Bann. Mit viel Wissenswertem orientierte sie über den Friedhof an der Weiernstrasse. Anlass für den Rundgang war der Welt-Hospiz- und Palliativtag 2015.

Mehr anonyme Gräber

So habe in den vergangenen Jahren die Zahl der Urnen- und Waldbestattungen merklich zugenommen. «Und was auch dazu kommt, ist die Tatsache, dass immer mehr anonym begraben werden wollen; wohl in der Öffentlichkeit auf einem Friedhof, aber ohne Namensnennung.» Die Pfarrerin betonte, dass das namenlose Grab ohne festen Bezugspunkt zunehmend gewählt wird, da immer weniger Menschen Gräber pflegen wollen oder können. «Es gibt manchmal Jahre, in denen keine einzige Erdbestattung vollzogen wird, derart gewandelt hat sich die Bestattung. Bei uns wird vermehrt die Urnenwand berücksichtigt. Wobei die Urne im Boden versenkt und an der Mauer eine Tafel befestigt wird», erklärte sie.

Sterben und Tod sind für viele ein Tabuthema. Daher werden Friedhöfe auch von etlichen Menschen gemieden, was aber nicht unbedingt der richtige Weg sei, wenn man die Trauerbewältigung mit einbezieht. Esther Walch Schindler betonte, dass der Friedhof ein Raum des Abschiedes ist. «Hier muss sich niemand schämen, wenn man seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Es können hier Bekanntschaften, ja gar Freundschaften entstehen. Es hat Platz für genügend Individualismus, so wie es jeder eben für sich als richtig empfindet.» Die Pfarrerin erklärte, dass schon Urnen auf den Friedhof gebracht wurden, die jahrelang zu Hause aufbewahrt wurden.

Der kulturelle Fingerabdruck

Dieser eindrückliche und informative Samstagmorgen auf dem Friedhof zeigte unverblümt auf, wie sich die Bestattungskultur verändert. Diese gilt als kultureller Fingerabdruck unserer gesellschaftlichen Identität. Wie man mit unseren Toten umgeht, sagt viel über unsere eigene Einstellung zu Leben und Tod aus.