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Red Bull lärmt auf der Seelinie

FRAUENFELD. Ein Teil der Güterwagen, die die Anwohner der Seelinie täglich mit Lärm belästigen, transportiert «Red Bull»-Dosen aus dem Rheintal zu den Nordseehäfen. Die IG Seelinie verlangt vom Hersteller, dass er künftig lärmsaniertes Rollmaterial einsetzt.
Christof Widmer

FRAUENFELD. Der Rote Bulle ist diskret. Nichts deutet darauf hin, dass die rostigen und teils versprayten Güterwagen Hunderte von Paletten mit Red-Bull-Dosen transportieren. Vier solcher Zugkompositionen pro Tag beobachtet der Romanshorner Kurt Kriesi auf der Seelinie. Hundert Güterwagen pro Tag fahren laut Kriesi allein für Red Bull hin und her. «Sie sind für einen spürbaren Teil des Güterzuglärms verantwortlich», sagt das Vorstandsmitglied der IG Seelinie. Kriesi schätzt, dass ein Viertel des Lärms auf das Konto von Red Bull geht.

Was kaum jemand weiss: Red Bull lässt seinen Drink vom Vorarlberger Fruchtsafthersteller Rauch abfüllen. Dieser wiederum hat seit 2005 eine Niederlassung in Widnau im St. Galler Rheintal. Das Schweizer Rauch-Werk beliefert den US-Markt mit Red Bull – und zwar nicht etwa als Konzentrat, sondern fixfertig in Dosen abgefüllt.

Leere Dosen aus Deutschland

Deshalb pendeln rund um die Uhr Güterzugskompositionen zwischen Widnau und den Nordseehäfen. Die Route führt über die Seelinie und Konstanz. Dazu kommen noch Güterzüge, die zu befüllende Dosen aus dem Ruhrgebiet nach Widnau schippern.

Die Transporte sind der einschlägigen Szene nicht verborgen geblieben, wie Diskussionen auf Internetblogs von Bahn-Interessierten zu entnehmen ist. Vorletzte Woche hat auch Rauch-Schweiz-Geschäftsführer Dietmar Hammerer dieses Transportkonzept an einer Veranstaltung der SBB-Gütertransport-Tochter SBB Cargo vorgestellt, wie ein Teilnehmer berichtet.

«Red Bull lässt sein gefärbtes Wasser in Dosen um die halbe Welt transportieren», sagt Kurt Kriesi. Was ihn vor allem stört: Zumeist sind deutsche Güterwagen im Einsatz, die nicht lärmsaniert sind. «Ihre Laufwerke sind auf dem technischen Stand von vor sechzig Jahren», sagt Kriesi. Alle zwei Tage komme aber eine Komposition mit österreichischen Güterwagen – diese Komposition sei leise wie ein Personenwaggon, schwärmt Kriesi.

IG fordert leisere Züge

In einem Brief hat die IG Seelinie Red Bull gebeten, vom deutschen Güterzugsunternehmen lärmsanierte Wagen für alle Transporte zu verlangen. «Als Grosskunde sollte Red Bull das können», meint Kriesi. Die IG habe eine Eingangsbestätigung erhalten, bisher aber noch keine Antwort auf den Brief.

Auch Anfragen der Thurgauer Zeitung per Telefon und Mail blieben letzte Woche unbeantwortet. Rauch Schweiz darf ohne Einverständnis von Red Bull keine Auskunft geben.

Von den Red-Bull-Transporten auf der Seelinie weiss auch der Kanton. Es gebe aber keine Möglichkeit, von Red Bull lärmsanierte Bahnwagen zu verlangen, sagt Werner Müller, Leiter der kantonalen Abteilung Öffentlicher Verkehr und Tourismus. Prinzipiell sei es aber positiv, dass Red Bull in einem Schweizer Werk abfüllen lasse, hält Müller fest. Das schaffe Arbeitsplätze. «Und es ist gut, dass die Transporte auf der Schiene und nicht auf der Strasse stattfinden», ergänzt er.

Dass Rauch oder Red Bull Einfluss auf die Güterwagen haben, glaubt Müller zudem nicht. Es handle sich um einen internationalen Pool von Güterwagen.

Bund erhöht Bonus

Der Kanton Thurgau setzt generell darauf, dass der Bund Anreize für den Einsatz von leiserem Rollmaterial schafft. Das könnte über die Gebühren für die Trassenbenützung geschehen, die die SBB von den Transportunternehmen einziehen. Hier wird der Bonus für leise Züge erhöht. Das entspricht zwar nicht der Forderung des Thurgaus, auch noch einen Malus für lärmiges Rollmaterial einzuführen. Trotzdem gehe die Preisgestaltung in die richtige Richtung, sagt Müller.

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