Recyceln statt verbrennen

Rund 15 000 Tonnen Silofolien fallen jährlich in der Landwirtschaft als Abfall an. Nur wenig davon wird recycelt. Zum Bedauern der Innorecycling AG in Eschlikon.

Ruth Bossert
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Silofolien werden bei der Innorecycling in Eschlikon recycelt. (Bild: Ruth Bossert)

Silofolien werden bei der Innorecycling in Eschlikon recycelt. (Bild: Ruth Bossert)

DUSSNANG. Josef Mettler aus Dussnang betreibt einen Landwirtschaftsbetrieb mit Milchwirtschaft und Schweinezucht. Seine Kühe fressen gerne Silofutter, deshalb lässt er Gras und Mais zu Siloballen pressen. Gut 500 Ballen fallen jährlich an. Eine lange Schlange weisser Ballen schlängelt sich um seinen Betrieb. «Wir sammeln die Folien und fahren ungefähr dreimal jährlich zur Innorecycling nach Eschlikon», erklärt Josef Mettler. Dadurch, dass die Distanz zum Entsorger nur gering sei, halte sich der Aufwand in Grenzen, so Mettler. Für seine Folien kriegt er ein Entgelt von 20 Franken pro Tonne, weil er sie selber anliefert. Für ihn ist klar: «Das ist eine gute Sache, die muss man unterstützen.»

Potenzial zur Wiederverwertung

Markus Tonner, Geschäftsführer der Innorecycling AG, freut sich über solche Landwirte. «Doch das Potenzial zur Wiederverwertung der Silofolien ist gross und grösstenteils noch ungenutzt.» Die ungefähr 10 Prozent der Siloballen-Abfälle, die in der Schweiz dem Recycling zukommen, seien viel zu wenig. Weil Siloballen sortenrein und in grossen Mengen vorliegen, könnten sie anstatt verbrannt, mit wenig Aufwand separat gesammelt werden. Dadurch könnte eine hohe CO2-Belastung vermieden werden. Gründe dafür, dass viele Bauern darauf verzichten, sieht Tonner bei den Bauern selbst, aber auch bei den Kehrichtverbrennungen, die auf den Brennstoff «Kunststoff» nicht verzichten wollen.

Dass die KVA nicht auf Silofolien verzichten wollen, sieht Peter Steiner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der KVA Thurgau, ganz anders. «Selbstverständlich können wir auf Siloballen-Kunststoff verzichten.» KVA seien Gesamtentsorger für Haushalt und Gewerbe. «Deshalb ist es für Landwirte legitim, Silofolien bei uns abzugeben», sagt Steiner. Die Silofolien seien beispielsweise im Kanton Thurgau eine vernachlässigbare Grösse. Von den schweizweit geschätzten 15 000 Tonnen, entfallen nur ungefähr 400 Tonnen Silofolien auf den Thurgau. Im Vergleich verbrennen die Thurgaeur KVA jährlich 150 000 Tonnen Kehricht. Zudem sei der Anreiz, Folien zu recyceln, längst über den Preis gegeben. Steiner findet das Recycling von Polyethylen sinnvoll, hingegen könne es nicht Aufgabe seiner Branche sein, eine eigene Logistik für die Entsorgung dieses Kunststoffs aufzubauen.

Unnötiger Verschleiss

Markus Tonner ist enttäuscht, dass in der neuen Verordnung über die Verwendung und Entsorgung von Abfällen (VVEA), die seit Januar 2016 in Kraft ist, der Artikel 21 ersatzlos gestrichen wurde. Dieser sah vor, dass Landwirtschaftsfolien gesammelt und stofflich verwertet werden müssten. «In der Schweiz kann also weiterhin nicht damit gerechnet werden, dass Silofolien flächendeckend stofflich verwertet werden.» Dies führe zu einem unnötigen Ressourcenverschleiss und zu einer hohen CO2-Belastung. Würde man die 15 000 Tonnen Silofolien recyceln anstatt verbrennen, könnten 46 500 Tonnen CO2 eingespart werden.

Noch viel zu tun

Ähnlich tönt es bei Marlis Biland, Geschäftsführerin des Verbandes der Lohnunternehmer Schweiz. «Wir informieren unsere 350 Mitglieder regelmässig, die Folien, die sie bei den Landwirten zum Ballenpressen benutzen, auch wieder zurückzunehmen und dem Recycling zuzuführen.» Viele führen eine eigene Abnahmestelle, andere achten eventuell zu wenig darauf, sagt Biland. Zu beachten sei, dass es in der ganzen Westschweiz, im Jura, Wallis, Tessin und Graubünden nur wenige Annahmestellen gebe. Sie ist überzeugt, dass in diesen Regionen die allermeisten Silofolien noch in den KVA verbrannt werden.