Rechtsprecher im Hintergrund

Die Richterinnen und Richter am Bezirksgericht Frauenfeld urteilen über Straffälle und versuchen Scheidungen oder Lohnstreitigkeiten gütlich zu lösen. Das Gremium stellt sich Ende Februar zur Wiederwahl.

Stefan Hilzinger
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Irene Herzog, Rudolf Fuchs, René Hunziker und Christine Steiger Eggli sind die vier Berufsrichter am Bezirksgericht Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Irene Herzog, Rudolf Fuchs, René Hunziker und Christine Steiger Eggli sind die vier Berufsrichter am Bezirksgericht Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Sie wälzen ordnerweise Akten, hören sich stundenlange Plädoyers an und versuchen, Scheidungen ohne Rosenkrieg abzuwickeln. «Früher waren die Richter Respektspersonen, heute verstehen uns viele als Dienstleister für die Öffentlichkeit», sagt Rudolf Fuchs, Präsident des Bezirksgericht Frauenfeld. Fuchs und die weiteren zehn Richterinnen und Richter stellen sich am 28. Februar zur Wiederwahl für vier Amtsjahre.

Schwierige Fälle vor Gericht

Die Thurgauer Bezirksreform im Jahr 2011 und die zeitgleiche Einführung der eidgenössischen Strafprozessordnung hat die Arbeit der Richter verändert. «Den Grossteil an Straffällen erledigen seither die Staatsanwaltschaften durch Strafbefehl», sagt Fuchs. Dies betrifft Delikte mit Strafmassen bis zu sechs Monaten. «Zu uns kommen nur noch die schwierigen Fälle», sagt Fuchs. Im Jahr 2015 waren dies immerhin 88 neue Fälle.

Nebst Strafsachen – etwa dem spektakulären Flowtex-Prozess im vergangenen Halbjahr – behandeln die Richterinnen und Richter an ihrem Sitz im Konsumhof mehrheitlich zivilrechtliche Auseinandersetzungen. Darunter fallen etwa Lohn- oder Mietforderungen, Schadenersatzklagen und Scheidungen.

Viele Scheidungen

153 Paare haben ihre Beziehung im vergangenen Jahr vor dem Bezirksgericht Frauenfeld aufgelöst. Dass Parteien einen Vergleich schliessen, geht nur in zivilrechtlichen Auseinandersetzungen, nicht aber in Strafsachen. «Gütliche Einigungen sind unsere Erfolgserlebnisse», sagt Fuchs. In Scheidungssachen gelangt gut die Hälfte der Paare bereits mit einer Übereinkunft ans Gericht. Die andere Hälfte ist sich (noch) nicht einig, sei es etwa bei der Aufteilung des Vermögens oder bei den Kindern. «Uns gelingt es hier, in den allermeisten Fällen einen gütlichen Weg zu finden.» Man müsse als Richter halt einfach in Kauf nehmen, dass die Gespräche unter Umständen von morgens um acht bis spätabends dauern.

Innere Anspannung hält wach

Viel Zeit in Anspruch nehmen bei Strafsachen die Plädoyers von Anklage und Verteidigung. Wie schafft man es als Richter, stundenlang zuzuhören, ohne einzuschlafen? «Dank der inneren Anspannung bleibt man als Richter aufmerksam. Wir haben anhand der Akten eine gewisse Beurteilung vorgenommen und wollen nun wissen, wie die Parteien die Sache aus ihrer Sicht sehen», sagt Fuchs. Er jedenfalls sei noch nie eingenickt, auch nicht während des Flowtex-Prozesses, als die Plädoyers bis zu zwei Tage dauerten.

Rudolf Fuchs (Jahrgang 1956) ist seit 1992 Richter am Bezirksgericht Frauenfeld, seit 2008 dessen Präsident. Bis zur Bezirksreform arbeitete er wie die meisten Thurgauer Berufsrichter nebenbei auch als Anwalt. Seit 2011 ist das nicht mehr erlaubt. «Dem Richter geht es um ein gerechtes Urteil. Als Anwalt ist man Interessenvertreter», umreisst er die unterschiedlichen Rollen. Zwar erfahre die Arbeit als Richter fast keine öffentliche Anerkennung. «Doch es gibt eine innere Befriedigung, wenn man einen Fall aus Sicht des Gerichts zu einem gerechten Ende gebracht hat.»

Wichtig für die Arbeit des Gremiums seien die nebenamtlichen Richter, die juristischen Laien. «Wir sprechen Recht für das Volk als Stellvertreter des Volkes. Da braucht es eine Verbundenheit mit dem Bezirk und seinen Gegebenheiten.»